Vermietpraxis

Dietikon will Stadthalle nicht an die kurze Leine nehmen

Soll führungstechnisch unabhängig bleiben: Stadthalle Dietikon.

Soll führungstechnisch unabhängig bleiben: Stadthalle Dietikon.

Der Dietiker Stadtrat sieht es nicht als seine Aufgabe an, direkten Einfluss auf die Vermietpraxis der Stadthalle auszuüben. Es reiche, wenn man sich in den Bereichen Verkehr, Sicherheit und Sauberkeit engagiere, findet er.

Immer wieder einmal stand die Genossenschaft Stadthalle Dietikon in den letzten Jahren für ihre Vermietpraxis in der Kritik. Befeuert wurde diese beispielsweise durch einzelne Vorfälle wie eine Massenschlägerei an einem Eritreer-Fest im Juni 2013 oder die kurzfristige Absage eines Kampfsportanlasses im Juli 2013, an dem die Polizei eine Eskalation befürchtete.

Nicht von allen gern gesehen wird auch die Hanfmesse Cannatrade, die 2012 ind 2014 in der Stadthalle durchgeführt wurde – beide Male ohne Zwischenfälle.

Nicht der Sinn der Sache

Einer der grössten Kritiker ist FDP-Gemeinderat Martin Romer, der den Stadtrat auch per Postulat zum Handeln aufgefordert hat. Die Exekutive soll ihre «Einflussnahme deutlich verbessern», zum Beispiel durch die Übernahme des Präsidiums der Genossenschaft, schlug er vor.

Das erachtet der Stadtrat aber als wenig sinnvoll. Das Wesen einer Genossenschaft bestehe darin, die Interessen der Mitglieder in gemeinsamer Selbsthilfe zu fördern, schreibt er in der Antwort auf das Postulat. Der Stadtrat nehme bereits mit zwei Mitgliedern im Vorstand Einfluss auf die Geschäfte der Genossenschaft. Jedoch sei es damit weder möglich, noch sei es der Sinn der Sache, einseitig den Zweck der Genossenschaft zu bestimmen. «Daran würde auch die Übernahme des Präsidiums nichts ändern», schreibt der Stadtrat.

Seit Ende November wird die Genossenschaft neu von Jürg Meier-Bisang präsidiert, nachdem sich zuvor zwölf Jahre lang Reto Siegrist darum gekümmert hatte.

Betrieb muss Kosten decken

Romer hatte zudem gefordert, die Stadt Dietikon solle dafür sorgen, dass die Halle auf dem Markt neu positioniert werde. Dazu müssten Vermietungen qualitativ hochwertiger werden und «nicht ausschliesslich monetären Anreizen folgen».

Zudem müsse die Halle für Dietiker Vereine und die Bevölkerung erschwinglicher werden.

Der Stadtrat entgegnet in seiner Antwort, die Stadt habe als Genossenschafterin die Interessen der Stadthalle zu vertreten. Dazu gehöre auch, den Betrieb kostendeckend zu führen.

Natürlich sei auch der Stadtrat an qualitativ hochstehenden Vermietungen und möglichst vielen Dietiker Veranstaltungen in der Stadthalle interessiert. Jedoch würden die heutigen Bedürfnisse von Dietiker Vereinen nach Veranstaltungsorten den Betrieb der Halle für sich alleine «keinesfalls rechtfertigen». Er erachte es daher nicht als seine Aufgabe, direkten Einfluss auf die Vermietpraxis auszuüben, schreibt der Stadtrat: «Diese Aufgabe wurde bewusst an die Genossenschaft delegiert.» Mit dem Einsitz im Vorstand und über Auflagen in den Bereichen Verkehr, Sicherheit und Sauberkeit nehme die Stadt bereits genügend Einfluss.

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