Big-Band-Festival
Dietikon will doch keinen kulturellen Grossanlass – aus Spargründen

Das Nachfolgeprojekt des Big-Band-Festivals ist gestorben, weil der Stadt Dietikon das nötige Geld und die Zeit fehlten.

David Egger
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An das Big-Band-Festival 2008 kamen noch über tausend Besucher, doch die roten Zahlen brachen dem Grossanlass letztlich das Genick. CHRISTIAN MURER/ARCHIV AZ

An das Big-Band-Festival 2008 kamen noch über tausend Besucher, doch die roten Zahlen brachen dem Grossanlass letztlich das Genick. CHRISTIAN MURER/ARCHIV AZ

Er hätte das Big-Band-Festival «Swing in Dietikon» ersetzt: ein auf 2014 geplanter Kulturanlass. Nach der Ankündigung des Stadtrats im März 2013 hörte man aber nichts mehr davon. Was ist passiert? Auf Anfrage schreibt der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller: «Die Kulturkommission hat verschiedene Projekte geprüft. Ein Grossanlass findet dieses Jahr nicht statt.»

Bisher hat die Stadt diesen Entscheid nicht kommuniziert. Noch im Mai 2013 schrieb die Dietiker Standortförderung im Kulturmagazin Escapade, dass der Anlass in Planung sei. Nun ist klar: Der Anlass wurde im Sommer 2013 im Laufe des Budgetprozesses beerdigt.

Dazu Stadtpräsident Müller: «Im Rahmen der Haushaltoptimierung hat der Stadtrat entschieden, auf einen Grossanlass wie ein Festival vorläufig zu verzichten.» Aufgrund des Stadtratsentscheids habe sich die Kulturkommission entschieden, das Projekt nicht mehr weiter zu verfolgen. Laut Müller wurden Volksmusik-, Schlager- und Comedy-Auftritte geprüft.

René Gubelmann, Mitbegründer des ehemaligen Dietiker Big-Band-Festivals «Swing in Dietikon».

René Gubelmann, Mitbegründer des ehemaligen Dietiker Big-Band-Festivals «Swing in Dietikon».

Limmattaler Zeitung

Professionelle Führung wäre nötig

Nicht nur finanzielle Überlegungen scheinen bei der Absage des Anlasses mitgespielt zu haben. «Es wäre vermessen zu denken, dass die Kulturkommission einen überregionalen Anlass alleine auf die Beine stellen könnte», sagt Irene Brioschi. Sie ist Mitglied der Kulturkommission und weist auch darauf hin, dass diese gar keine Zeit hätte für die Organisation eines solchen Anlasses: «Dafür ist eine professionelle Führung nötig. Das Big-Band-Festival zum Beispiel hatte ein eigenes Organisationskomitee. Dafür fehlen zurzeit die Leute.» Deshalb sei sie auch von Anfang an skeptisch gewesen, so Brioschi.

Auch der Mitbegründer des Big-Band-Festivals, René Gubelmann traute den Plänen für einen neuen Kulturanlass nicht. «Das glaube ich erst dann, wenn ich es sehe», sagte er im März 2013 gegenüber der Limmattaler Zeitung.

Vom Ende des Projekts ist Gubelmann dementsprechend nicht überrascht: «Es ist wie immer. Irgendetwas wird erzählt, aber gemacht wird nichts.» Für die Kulturkommission hat Gubelmann Verständnis: «Es ist aufwendig, ein neues Konzept zu entwickeln.» In der Schweiz sei es zudem schwierig, eine neue Nische zu finden. «Und irgendein Jekami-Anlass funktioniert nun mal nicht.»

Dass die Stadt überhaupt einen kulturellen Grossanlass plante, wurde im März 2013 bekannt, als der Stadtrat eine Interpellation der SP-Gemeinderätin Catherine Peer beantwortete. Peer erkundigte sich nach den Kosten des Big-Band-Festivals, das von 2008 bis 2012 stattfand und dabei ein Defizit von 230 000 Franken erzielte. Bei der letzten Ausführung wurden 330 Tickets verkauft, der Anlass schloss mit einem Defizit von 60 000 Franken. An die erste Durchführung des Festivals kamen noch über tausend Besucher, als Pepe Lienhard mit der Swiss Army Big Band das Festival beehrte.

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