Urteil
Dietikon: Von einer breiten Palette an Anklagepunkten blieb nicht viel hängen

Von Vorwürfen des Drogenhandels, der Körperverletzung und des Hausfriedensbruchs wurde ein Hilfsarbeiter aus Dietikon freigesprochen. Einzig Verkehrsdelikte konnten ihm nachgewiesen werden

Attila Szenogrady
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Von Vorwürfen des Drogenhandels, der Körperverletzung und des Hausfriedensbruchs wurde ein Hilfsarbeiter aus Dietikon freigesprochen. Einzig Verkehrsdelikte konnten ihm nachgewiesen werden. (Symbolbild)

Von Vorwürfen des Drogenhandels, der Körperverletzung und des Hausfriedensbruchs wurde ein Hilfsarbeiter aus Dietikon freigesprochen. Einzig Verkehrsdelikte konnten ihm nachgewiesen werden. (Symbolbild)

Keystone

Laut Anklage hat ein kosovarischer Hilfsarbeiter aus Dietikon mit Kokain gehandelt, ein Wirtepaar verprügelt und grobe Verkehrsdelikte verübt. Da das Gericht zu bedeutenden Freisprüchen kam, setzte es zum Schluss anstelle einer 30-monatigen Freiheitsstrafe nur noch eine Geldstrafe von 2400 Franken ab.

Die Vorwürfe gegen den heute 34-jährigen Hilfsarbeiter aus Dietikon wogen happig. Der laut Anklage schlimmste Vorfall ging auf den 13. März 2012 zurück. Damals betrat er trotz eines Hausverbotes ein Zürcher Restaurant und ging sogleich auf den Wirt los.

Dabei schlug der kräftige Beschuldigte dem Geschäftsführer mit der Faust vier Mal ins Gesicht. Dann griff der Angreifer zu einer Pistole und fragte im Lokal herum, ob er jetzt alle umbringen solle. Worauf er mit der Waffe auf den Kopf des Wirtes einschlug und dessen schreiende Partnerin mit einer Kopfnuss zu Boden schlug.

Zum Schluss drohte er den Geschädigten mit einer Geste des Halsabschneidens und entfernte sich vom Tatort. Er wurde kurz drauf von der Polizei festgenommen und verbrachte danach 56 Tage in Untersuchungshaft.

Diverse Delikte eingeklagt

Während der Untersuchung kamen weitere Delikte hinzu. So ging die Staatsanwaltschaft davon aus, dass sich der Beschuldigte zwischen Sommer Ende 2010 im Kanton Aargau und im Limmattal auch als Kokainhändler betätigt hatte. So soll er insgesamt 120 Gramm Kokaingemisch an diverse Personen verkauft haben.

Zudem wurde der Beschuldigte beim Rasen erwischt. So tappte er auf einer Autostrasse im Kanton Aargau mit dem Personenwagen seiner Frau mit 126 km/h statt 80 km/h in eine Radarfalle. Wenige Monate später entwendete er seiner Frau ohne ihr Einverständnis ihr Auto und fuhr damit ohne Führerausweis wiederholt durch Dietikon, um Einkäufe zu tätigen.

30 Monate Knast verlangt

Am Dienstag musste sich der Beschuldigte wegen Körperverletzung und weiteren Delikten am Bezirksgericht Zürich verantworten. Die Staatsanwaltschaft verlangte für den nur teilgeständigen Limmattaler eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Zehn Monate davon sollte er absitzen. Der Beschuldigte gab lediglich die Verkehrsdelikte zu und stellte die Hauptvorwürfe in Abrede.

So sei er vom Wirt zuerst angegriffen worden, wehrte er sich. Dann sei es zu einer gegenseitigen Schlägerei gekommen. Eine Waffe habe er nie auf sich getragen, erklärte er. Auch der angebliche Drogenhandel würde auf falschen Anschuldigungen beruhen.

Vorwiegend Freisprüche

In seinem am Mittwoch eröffneten Urteil ist das Gericht in vielen Punkten den Argumenten der Verteidigung gefolgt. So hat es den Beschuldigten aufgrund von widersprüchlichen Zeugenaussagen von den Vorwürfen der Körperverletzung, Drohung, Tätlichkeiten, Vergehen gegen das Waffengesetz sowie Hausfriedensbruchs freigesprochen.

Auch den Vorwurf des Kokainhandels sahen die Richter mangels Beweisen als nicht bewiesen. Was hängen blieb, waren die Verkehrsdelikte, die noch zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 20 Franken, also 2400 Franken führten. Bei einer Probezeit von drei Jahren. Sollte dieser Entscheid in Rechtskraft erwachsen, kommt der Dietiker um eine Landesverweisung herum.