Dietikon
Von der Destillerie in die Lüfte: Sein Gin geht bald auf Reisen

Auf Kurz- und Langstreckenflügen der Swiss wird ab April die Spirituose von Oscar Martin und seinem Team von Turicum Distillery angeboten. Der Gin-Hersteller aus Dietikon hofft auf eine rasche Öffnung von Bars und Restaurants, damit die neu entwickelten Produkte endlich unter die Leute kommen.

Sibylle Egloff
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In ihrer Bar fliesst der Gin aus den Zapfhähnen: Oscar Martin aus Dietikon gründete mit drei Kollegen die Turicum Distillery in Albisrieden. Der Unternehmer will hier bald wieder Gin ausschenken können.

In ihrer Bar fliesst der Gin aus den Zapfhähnen: Oscar Martin aus Dietikon gründete mit drei Kollegen die Turicum Distillery in Albisrieden. Der Unternehmer will hier bald wieder Gin ausschenken können.

Bild: Severin Bigler

Fast bis zur Decke hoch türmen sich die beigen und dunklen Flaschen in der Bar. Gefüllt sind sie – wie der Schriftzug an der Wand bereits verrät – mit Turicum Gin und Wodka. Die edlen Tropfen stammen aus der Produktion, die sich ein paar Türen weiter den Gang hinunter befindet. Dort werden pro Monat rund 5000 Flaschen der Spirituosen abgefüllt. «Das Schöne ist, dass wir von der Rezeptur über die Herstellung bis hin zum Abfüllen und Design der Flaschen alles selber machen», sagt Oscar Martin. Der 42-jährige Dietiker ist Mitgründer der Turicum Distillery. Gemeinsam mit Merlin Kofler, Oliver Honegger und Philip Angst rief er das Geschäft 2015 ins Leben. Damals destillierten die Inhaber noch in einem Wohngebäude um die Ecke auf 160 Quadratmetern.

Ihr Zürcher Gin kam so gut an, dass sie ihre Produktionsstätte vergrössern und im Oktober 2019 an die Albisriederstrasse 253 in Zürich verlegen konnten. Auf knapp 500 Quadratmetern richteten sich die Gin-Produzenten Büros, eine Destillerie mit zwei Brennkesseln, einen Abfüllraum, ein Gin-Lab sowie eine Bar mit Lounge samt kleiner Küche ein.

In den beiden Brennkesseln entsteht der Zürcher London Dry Gin.

In den beiden Brennkesseln entsteht der Zürcher London Dry Gin.

Bild: Severin Bigler

Zum ersten Produkt, dem Turicum London Dry Gin, gesellten sich weitere Spirituosen wie der Wood Barreled Gin und der Gin Infused Vodka. Mit allen heimsten die Gründer bereits Preise und Auszeichnungen im In- und Ausland ein.

Sie füllen die Heimat in Flaschen

Vor kurzem lancierten Martin und seine Kollegen zudem einen Rahmlikör auf Basis von Turicum London Dry Gin und Tonkabohnen. «Es geht uns nicht nur um die Produkte selber, sondern um den Lifestyle und den Genuss. Deshalb gehören zu unserem Standort auch eine Bar und unser Gin-Lab», sagt Martin. Turicum Gin erzähle eine Geschichte. «Wir würdigen damit unsere Heimat Zürich und verwenden bewusst Zürcher Zutaten wie ‹Züri Wasser› oder Lindenblüten vom Lindenhof», erklärt der Marketingexperte.

Diese lokale Verbundenheit überzeugte nun auch die Verpflegungsverantwortlichen der Swiss. Der London Dry Gin aus Zürich wird Passagieren ab April sowohl auf Kurz- als auch auf Langstreckenflügen in 50-Milliliter-Fläschchen angeboten. «Es macht uns extrem stolz, dass wir ausgewählt wurden. Die Pandemie hat Swiss dazu bewogen, mehr auf lokale Produkte zu setzen. Davon profitieren wir nun», sagt Martin.

Ansonsten mussten die Gründer in der Coronakrise jedoch wie alle in der Gastronomie- und Eventbranche Tätigen einstecken. «Wegen der geschlossenen Lokale sind die Bestellungen stark zurückgegangen», sagt Martin. Dazu zählen auch Aufträge von Partnern. Die Turicum Distillery stellt nicht nur eigene Produkte her, sondern fabriziert im Auftrag verschiedener Restaurants und Unternehmen, die ihren eigenen Gin ausschenken und verkaufen wollen. So arbeiten Martin und seine Kollegen zum Beispiel mit Red Bull Schweiz oder Mövenpick zusammen. Kürzlich gewann die Tochterfirma Badener «5400»-Gin an den «World Gin Awards» eine Goldmedaille.

Beliebtes Angebot: Das Gin-Lab war bis zum Ausbruch der Pandemie ein Renner. Vor allem an Polterabenden stellten Teilnehmende mit Hilfe von 51 Destillaten ihren eigenen Gin her.

Beliebtes Angebot: Das Gin-Lab war bis zum Ausbruch der Pandemie ein Renner. Vor allem an Polterabenden stellten Teilnehmende mit Hilfe von 51 Destillaten ihren eigenen Gin her.

Bild: Severin Bigler

Auch wenn die Produkte der Destillerie beliebt und erfolgreich sind, steht derzeit alles still. Beispielsweise die eigenen Bar-Veranstaltungen oder Anlässe in der Produktionsstätte, wie die Gin-Labs, an denen Teilnehmende in Workshops selbst einen Gin mit Hilfe von 51 verschiedenen Destillaten zusammenstellen können. «Wir konnten uns vor der Pandemie kaum mehr vor Anfragen retten. Vor allem für Polterabende und Teamevents war der dreistündige Kurs sehr gut gebucht. Es lief so gut, dass wir dieses Angebot separat zu unserer Produktion etablieren konnten», erzählt Martin.

Die Turicum Distillery hielt sich in der Krise bisher gut über Wasser. Da man sich in den vergangenen Jahren ein gutes Polster habe zulegen können, befinde man sich noch in einer komfortablen Lage, sagt Martin. Doch der Dietiker mit spanischen Wurzeln ist realistisch: «Noch viel länger kann die Öffnung nicht hinausgeschoben werden. Wir müssen wieder richtig arbeiten können.»

Neue Erfindungen sind am Start

Auch für die Kundschaft wäre das von Vorteil. Turicum Gin hat in der veranstaltungsfreien Zeit nämlich fleissig getüftelt und entwickelt. «Es gibt neue Produkte, die wir gerne unter die Leute bringen würden», sagt Martin. Im Coronajahr startete eine Kollaboration mit Partnern aus Kolumbien. Das Resultat: ein kolumbianischer Dry Gin namens «Selva». Er freut sich, dass das Geschäft trotz Coronadämpfer wächst. «Unseren Gin in den Verkaufsregalen und nun auch im Duty Free am Flughafen sowie in der Luft stehen zu sehen, ist ein tolles Gefühl. Das treibt uns an, noch mehr zu erfinden.»