Gegen Neophyten
Dietikon und Urdorf setzen auf die Mithilfe der Bevölkerung

Urdorf hat ein Konzept gegen die Ausbreitung invasiver, gebietsfremder Pflanzen verabschiedet. Auch Dietikon soll bald folgen. Der Stadtrat rechnet vor, dass eine effiziente Neophytenbekämpfung jährlich rund 50'000 Franken kosten würde.

Florian Schmitz
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Urdorf und Dietikon bekämpfen Neophyten
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Beim Werkhof konnte die Bevölkerung invasive, gebietsfremde Pflanzen gegen einheimische eintauschen.
Im Unterengstringer Wald bekämpft Förster Peter Rieser systematisch die invasive Schlingpflanze Henrys Geissblatt..
Bis zu vier Meter tief musste der Bagger im Reppischtal graben, um die invasiven Neophyten zu entfernen. Das Pilotprojekt "Gemeinsam gegen Neophyten" wird Ende 2020 abgeschlossen.
Im Juni 2017 führte der Verein Naturnetz in Weiningen einen koordinierten Einsatz mit Zivildienstleistenden durch.
Neophytenbekämpfung Weiningen

Urdorf und Dietikon bekämpfen Neophyten

Sandra Ardizzone

Die Gemeinde Urdorf verstärkt ihren Kampf gegen invasive, gebietsfremde Pflanzen. Zunächst will der Gemeinderat die am stärksten betroffenen Standorte im Gemeindegebiet eruieren. Darauf aufbauend soll anhand verschiedener Prioritäten wie der Standortqualität oder des Verbreitungspotenzials der verschiedenen invasiven Neophyten ihre Bekämpfung geplant werden.

Dies geht aus dem neuen Urdorfer Neophytenkonzept hervor, dass die Umweltabteilung erarbeitet hat. Der fachgerechte Umgang mit invasiven Neophyten wird neu als Bestandteil des Grünflächenmanagements verankert. Das Planungs- und Arbeitsinstrument stützt sich auf die Strategie des Kantons Zürich. Es soll helfen, bei der Bekämpfung schrittweise vorzugehen und kurzfristige Anpassungen auf neue Entwicklungen zu vereinfachen, wie der Gemeinderat mitteilt.

Das Konzept schliesse an bereits umgesetzte Massnahmen gegen invasive Neophyten an, heisst es weiter. «Eine wichtige Rolle spielen bei der Bekämpfung auch die Bevölkerung sowie die Grundeigentümer.» Deshalb will die Gemeinde künftig regelmässig über den aktuellen Bekämpfungsstand informieren und etwa in eigenen Porträts die Bevölkerung für spezifische fremde Pflanzen sensibilisieren.

Denn ein Problem ist, dass invasive Neophyten teilweise beliebte Zier- und Gartenpflanzen sind und sich ausgehend von Siedlungen auch in den umliegenden Wäldern ausbreiten. Darunter etwa das inzwischen verbotene, immergrüne Henrys Geissblatt, das auf der anderen Talseite im Unterengstringer Wald im Rahmen eines kantonalen Pilotprojekts systematisch bekämpft wird.

Dietikon will auch aufklären und sensibilisieren

Auch in den Dietiker Wäldern sind invasive Neophyten ein grosses Problem. Die Stadt will bei der Bekämpfung ebenfalls einen Schwerpunkt bei der Sensibilisierung privater Eigentümer setzen. Dies schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage von Gemeinderat Andreas Wolf (Grüne). Grundsätzlich anerkennt die Stadt, dass eine wirkungsvolle Reduktion von Neophyten nicht im Rahmen des ordentlichen Grünraumunterhalts zu bewältigen ist. Für die Umsetzung eines effizienten Neophytenmanagements können die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt «Gemeinsam gegen Neophyten» helfen. Noch bis Ende 2020 bekämpft der Kanton im Reppischtal zwischen dem Waffenplatz in Birmensdorf und dem Türlersee konsequent invasive Pflanzen.

Wolfs Frage, welche Schlüsse aus dem im Februar 2020 erschienenen Zwischenbericht gezogen werden können, beantwortet der Stadtrat mit drei Kernerkenntnissen. Erstens sei der langfristige Aufwand umso geringer, je früher umfassende und gut koordinierte Massnahmen getroffen werden. Zweitens sei die Akzeptanz für Massnahmen in der Bevölkerung hoch. Und drittens liege das Hauptproblem derzeit bei der tatsächlichen Umsetzung von Massnahmen, weil die notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen auf allen Ebenen von Gemeinde bis Bund nicht gewährleistet seien und die notwendige Koordination fehle.

Er könne sich deshalb vorstellen, zusammen mit weiteren Akteuren eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. «Die Koordination muss dabei beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft liegen und sämtliche relevanten Stellen wie Bund, Kanton und SBB verbindlich mit einbeziehen», so der Stadtrat. In diesem Fall sei der Aufwand ­relativ gering, wie die Stadt auf Nachfrage von Wolf vorrechnet. Nach einem Initialaufwand von rund 10'000 erwartet die Stadt in den ersten fünf Jahren einen jährlichen Aufwand von rund 50'000 Franken – inklusive der Ausgaben für Projekte, welche die Bevölkerung informieren und sensibilisieren sollen. Danach dürfte sich nach heutiger Einschätzung der Aufwand merklich reduzieren.

Gemeinderat Wolf freut sich über die Einsicht der Stadt, dass für eine erfolgreiche Neophytenbekämpfung zusätzliche finanzielle und personelle Ressourcen notwendig sind, wie er auf Anfrage sagt. Auch er sieht bei der Bevölkerungsaufklärung noch grosses Potenzial. Möglichst schnell solle nun ein Konzept ausgearbeitet werden, damit die strategische Bekämpfung in Angriff genommen werden könne, sagt Wolf. «Ich hoffe, dass die Stadt die 50'000 Franken nächstes Jahr auch im Budget einstellt.» Ansonsten würden die Grünen im Gemeinderat mit einem entsprechenden Budgetantrag dafür sorgen.