Dietikon
Dietikon kippt in die Schulden – Steuerfuss soll aber weiterhin stabil bleiben

Das Dietiker Budget 2022 sieht ein Defizit von 8,87 Millionen Franken und wiederum einen Steuerfuss von 123 Prozent vor. Und statt eines Nettovermögens hat die Stadt bald eine Nettoschuld.

David Egger
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Das Budget 2022 der Stadt Dietikon sieht ein wesentlich kleineres Defizit vor als noch das Budget 2021.

Das Budget 2022 der Stadt Dietikon sieht ein wesentlich kleineres Defizit vor als noch das Budget 2021.

Severin Bigler

Nicht rauf und nicht runter, sondern weiterhin 123 Prozent: Diese Devise gilt beim Dietiker Steuerfuss auch im nächsten Jahr – sofern das Parlament das Budget 2022 entsprechend bewilligt. Am Montagnachmittag hat der Dietiker Finanzvorstand Rolf Schaeren (Die Mitte) das Budget vorgestellt. Dieses schliesst insgesamt mit einem Defizit von 8,87 Millionen Franken ab.

«Dieses Defizit verträgt es, wir haben noch genug Eigenkapital», sagt Schaeren, «zudem wissen wir jetzt schon, dass die Rechnung 2021 besser abschliessen wird als budgetiert.» Zur Erinnerung: Das Budget 2021 rechnete mit einem hohen Defizit von 14,7 Millionen Franken. Nun sagt Schaeren:

«Vermutlich gibt es 2021 zwar schon ein Millionendefizit, aber kein zweistelliges.»

Dass das laufende Jahr besser abschliessen wird als erwartet, hat auch mit den Grundstückgewinnsteuern zu tun. Hier wurden Einnahmen von 6,5 Millionen Franken erwartet. «Diesen Betrag haben wir inzwischen aber bereits übertroffen. Es sind inzwischen schon über 8 Millionen Franken. Und es ist absehbar, dass wir 2022 noch mehr Grundstückgewinnsteuern einnehmen werden», sagt Schaeren. Deshalb habe sich die Stadt entschieden, für 2022 höhere Einnahmen bei den Grundstückgewinnsteuern zu budgetieren. Mit zwölf Millionen Franken rechnet der Stadtrat.

Der Grundstückhandel läuft heiss. Gerade bei Einfamilienhaus-Grundstücken, die an eine Investorin verkauft werden, die dann darauf ein Mehrfamilienhaus baut, ist der Gewinn, den die Verkäuferin erzielt, zuweilen sehr gross. Das schenkt dann auch bei den Grundstückgewinnsteuern ein. Ein Trend, den neben Dietikon auch andere Gemeinden in der Region spüren. «Das Limmattal ist eine attraktive Region, weil es so nahe an Zürich ist», sagt Schaeren dazu.

Steuereinnahmen bei den natürlichen Personen gehen zurück

Bei den Steuereinnahmen von den natürlichen Personen erwartet die Stadt Dietikon 55,99 Millionen Franken (Vorjahr: 57,24 Millionen), bei den juristischen Personen 16,474 Millionen Franken (16,42 Millionen). Zusammen sind das 1,57 Millionen Franken weniger. In den nächsten Jahren könnten die Steuereinnahmen noch weiter zurückgehen.

So sei die Coronapandemie 2022 noch nicht ausgestanden, betont Schaeren. Die Folgen der Pandemie werden gerade im Bereich der Sozialleistungen voraussichtlich erst nächstes Jahr spürbar. «Das haben wir im Budget berücksichtigt», so Schaeren. Was die Wirtschaft anbelangt, staune der Stadtrat, wie «widerstandsfähig» diese sei.

Personalaufwand steigt um 1,749 Millionen Franken

Das neue Zusatzleistungsgesetz, welches das Zürcher Volk im September 2020 genehmigt hatte, entlastet Dietikon. Hier erwartet die Stadt einen positiven Effekt von drei Millionen Franken. Wegen der sogenannten Steuervorlage 17, die das Zürcher Volk 2019 angenommen hatte, wird aber mit einem negativen Effekt in der Höhe von 1,7 Millionen Franken gerechnet. Summa summarum führen die beiden neuen Gesetze also immer noch zu einem positiven Effekt.

Im Budget 2022 wird mit einer Einwohnerzahl von 28'700 gerechnet. Im Budget 2021 waren es noch 28'300. Mit der Stadt wächst auch der Personalbestand der Stadtverwaltung. So steigt der Personalaufwand im Budget 2022 im Vergleich zum Budget 2021 um 1,749 Millionen Franken auf neu 66,328 Millionen Franken. Bei den Verwaltungsstellen – von der Finanzabteilung bis zur Stadtpolizei – seien es viele kleinere Ausbauten, so Schaeren. Stark spüre man den Ausbau vor allem bei der Schule.

Investitionen: Rapidplatz, Zelgli, Nötzliwiese ...

Die Schule ist es auch, die im Jahr 2021 für viele investierte Millionen verantwortlich war. Man denke an den dieses Jahr eingeweihten Gjuch-Kindergarten oder das neue provisorische Schulhaus Stierenmatt. 2022 verschieben sich die Gewichte bei den Investitionen etwas. Rund 2,5 Millionen Franken fliessen in die Schulhäuser und rund 2 Millionen Franken in Mängelbehebungen beim Alters- und Gesundheitszentrum. – das Geld dafür hat die Stadt teilweise von den verantwortlichen Architekten im Sinne eines Garantiefalls erhalten. Mit 1,5 Millionen Franken schlägt die Zehntenscheune am Kronenplatz zu Buche, die bekanntlich zum «Kron-Juwel» werden und Raum für die Dietiker Kultur bieten soll. Neben diesen grösseren Brocken gibt es viele kleinere. So nannte Schaeren bei der Vorstellung des Budgets Investitionen von einer halben Million Franken in die Informatik der Stadtverwaltung. 350'000 Franken sind für den Rapidplatz vorgesehen, der insbesondere ein Wasserspiel erhalten soll, weitere 250'000 Franken sind für die Aufwertung der Nötzliwiese vorgesehen und 150'000 Franken für die Erneuerung des Sammelplatzes Zelgli. Insgesamt sind Nettoinvestitionen von total 19,99 Millionen Franken vorgesehen.

Aus dem kantonalen Finanzausgleich werden 45,52 Millionen Franken nach Dietikon fliessen. Einen Wechsel vom Plus ins Minus gibt es beim Nettovermögen pro Einwohner: Betrug dieser Pro-Kopf-Wert im Budget 2021 noch 201 Franken, ist es im Budget 2022 nun eine Nettoschuld von 485 Franken pro Kopf.

«Eine Nettoschuld bis 2000 Franken pro Kopf ist noch tolerierbar»,

sagt Schaeren hierzu. Der Selbstfinanzierungsgrad war schon 2021 ins Minus gerutscht (-46,6 Prozent), 2022 beträgt er neu -25,4 Prozent.

Bei den Eigenwirtschaftsbetrieben gibt es eine Auffälligkeit. Beim Abwasser schmelzen die Reserven dahin. Reagiert die Stadt hier nicht, sind die Reserven spätestens 2023 aufgebraucht. «Eine Revision der Gebührenverordnung ist bereits im Gang. Nicht nur die Gebühren, sondern das ganze Gebührensystem wird angepasst», sagt Schaeren. Voraussichtlich 2022 liegt die neue Verordnung vor.

Und danach? «Wenn Dietikon seinen Steuerfuss auch in den kommenden Jahren auf dem jetzigen Niveau halten kann, dann wäre das gut», sagt Schaeren. Zudem wünscht er sich, dass das Wachstum und die Erneuerung der Immobilien in den nächsten Jahren endlich zu einer Erhöhung der durchschnittlichen Steuerkraft führt. Noch sei das nicht der Fall.

Schaeren selbst wird 2022 – nach 16 Jahren im Stadtrat – nicht mehr für die Erneuerungswahlen kandidieren.

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