Dietikon
Stadtrat denkt auch ans Klima – aber Peter Metzinger will mehr

Gratis-Bäume, grünes Limmattalbahn-Trassee, neue Bauvorschriften: Dietiker FDP-Gemeinderat vermisst übergeordnete Strategie.

David Egger
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Der nächste Hitzesommer kommt bestimmt, auch wenn es 2021 vor allem regnet. Schatten, Bäume und eine gute Durchlüftung des Siedlungsgebiets machen Hitzesommer erträglicher.

Der nächste Hitzesommer kommt bestimmt, auch wenn es 2021 vor allem regnet. Schatten, Bäume und eine gute Durchlüftung des Siedlungsgebiets machen Hitzesommer erträglicher.

Flavio Fuoli

Hochhauskonzept, Gesamtverkehrskonzept, Baumkonzept, und seit Juni ein Sportkonzept: In der Dietiker Politik sind Konzepte hoch im Kurs. Sie zeigen, an welchen Leitplanken sich die Stadt orientiert. Und verhindern im Idealfall ein unkoordiniertes Vorgehen oder Nichtstun. Aber es gibt noch Themen, zu denen Parlamentarier neue Konzepte und Strategien fordern.

So vermisst AL-Gemeinderat Ernst Joss ein Spielplatzkonzept, wie es Schlieren hat. Und FDP-Gemeinderat Peter Metzinger fragte angesichts mehrerer geplanter Smart-City-Projekte, wie einem öffentlichen WLAN beim Kirchplatz, ob der Stadtrat strategisch vorgehe und ein Smart-City-Konzept habe. Der Stadtrat muss bis Oktober Antwort geben.

Strategien und konkrete Massnahmen fürs Stadtklima gefordert

Die Antwort auf einen anderen Vorstoss aus Metzingers Feder liegt nun vor – ein Postulat von Februar, mitunterzeichnet von EVP, Grünen, SP und AL. Thema: Klimawandel. Im Postulat fragte Metzinger nach einer Strategie und konkreten Massnahmen, «um die Grünflächen im dreidimensionalen Raum von Dietikon zu erhöhen». Bei dieser Strategie solle die Bevölkerung einbezogen werden. Zudem bat Metzinger um Berücksichtigung von Alternativen zur Begrünung und zusätzlichen Massnahmen, «um der künftigen Hitzeentwicklung entgegenzuwirken».

Stadtrat verweist auf den kommunalen Richtplan

Der Stadtrat antwortete nun, die Strategie sei im Kapitel «Stadtklima» des kommunalen Richtplans festgehalten. Da steht:

«Das Stadtklima muss bei der Planung und Realisierung von Bauten und Anlagen einbezogen werden. Die klimatischen Aspekte sind bereits von Beginn an zu berücksichtigen und das Projekt entsprechend zu optimieren. Die Auswirkungen eines Vorhabens auf das lokale Stadtklima wird bei der Beurteilung von Projekten miteinbezogen.»

Insbesondere seien bei Oberflächengestaltung, Neubauten, Freiraum, Flachdächern und dem Strassenraum Massnahmen umzusetzen. Zu jedem dieser Punkte listet der Richtplan drei bis vier konkreten Ziele auf – von der Vermeidung versiegelter Flächen über möglichst helle Beläge und die Verwendung hitzeverträglicher Bäumen bis hin zur Ermöglichung guter Beschattung und Durchlüftung von Siedlungen dank richtiger Gebäudeform und -stellung.

Peter Metzinger vermisst eine übergeordnete Strategie

Aus der Sicht Metzingers fehlt aber «ein Hinweis auf eine übergeordnete Klimawandel-Resilienz-Strategie, nach der im Postulat gefragt wurde», wie er in einer Stellungnahme schreibt. Eine solche Strategie würde «die einzelnen Massnahmen in einen Gesamtkontext stellen». Es wäre laut Metzinger «wünschenswert, wenn in den kommenden Jahren eine übergeordnete Planung angegangen würde».

Peter Metzinger (FDP).

Peter Metzinger (FDP).

zvg

Als Limmatfeld-Bewohner ist Metzinger gewissermassen ein gebranntes Kind. Auf dem Rapidplatz werde es «im Sommer unerträglich heiss». Bereits realisierte und geplante Beschattungen seien «ein Tropfen auf den heissen Stein». Mit der richtigen Strategie könnten künftig Planungen wie beim Rapidplatz verhindert werden.

Im April 2012 wurde der Rapidplatz als Herz des Limmatfelds eingeweiht. Für Diskussionen sorgt er auch neun Jahre später noch. Auch wegen der Hitze, die sich im Sommer hier entwickelt.

Im April 2012 wurde der Rapidplatz als Herz des Limmatfelds eingeweiht. Für Diskussionen sorgt er auch neun Jahre später noch. Auch wegen der Hitze, die sich im Sommer hier entwickelt.

Thomas Pfann

Peter Metzinger begrüsst die «vielen Massnahmen»

Gleichwohl lobt Metzinger den Stadtrat. Die Stadt sei «auf dem richtigen Weg». Denn der Stadtrat listet zahlreiche Bemühungen auf, mit denen er sich bereits dem Klimawandel und seinen Folgen annimmt. Die «vielen Massnahmen» begrüsst Metzinger «sehr», wie er sagt.

Ein Beispiel ist das Energiestadt-Gold-Label. Dieses zeigt laut Stadtrat, dass Dietikon bereits «hohe energetische und klimatische Ziele erfolgreich» verfolge. Zudem fliesse das Thema der klimatischen Veränderungen und der damit verbundenen klimatischen Extremsituationen in allen städtischen Planungen und Planungsinstrumenten ein. Und die Stadt orientiere sich an der Broschüre «Klimaszenarien für die Schweiz» des Bundes. In der laufenden Revision der Dietiker Nutzungsplanung werde zudem «überprüft, welche Massnahmen in welcher Form grundeigentümerverbindlich in die Bauordnung übernommen werden können» und welche zum Beispiel mittels Merkblättern gesichert werden sollen. Den Leitfaden «Natur im Siedlungsraum» beachtet er beispielsweise auf den Grundstücken der Stadt, zudem zieht er sie bei der Beurteilung privater Projekte bei. Auch weist der Stadtrat darauf hin, dass die Stadt ihre Hochbauten stets im Minergie-P-Eco-Standard plane.

Grosses Potenzial in der Dachflächenbegrünung

Wie Metzinger findet auch der Stadtrat, dass vermehrt Grünflächen im dreidimensionalen Raum geschaffen werden sollen; insbesondere sieht er grosses Potenzial in der Dachflächenbegrünung.

Auch Fassadenbegrünungen seien möglich. Der Entwurf der totalrevidierten Bau- und Zonenordnung (BZO) sehe neu eine Grünflächenziffer für Zentrums-, Wohn- und Industriezonen vor. Zudem soll eine in Aussicht gestellte Revision des kantonalen Planungs- und Baugesetzes eine gesetzliche Grundlage bringen, «um klimafördernde Massnahmen wie Bäume und gute Durchlüftung zu fordern, wenn nach Regelbauweise gebaut wird».

Im September 2020 startete die Stadt Dietikon, namentlich die Infrastrukturabteilung von Stadtrat Lucas Neff (Grüne), eine Aktion, dank der sich die Bevölkerung gratis junge Bäume fürs Klima abholen konnte.

Im September 2020 startete die Stadt Dietikon, namentlich die Infrastrukturabteilung von Stadtrat Lucas Neff (Grüne), eine Aktion, dank der sich die Bevölkerung gratis junge Bäume fürs Klima abholen konnte.

Oliver Graf

Stadtrat zeigt sich offen für weitere Massnahmen

Zudem schreibt der Stadtrat, die Bevölkerung werde sensibilisiert, etwa mit den von der Infrastrukturabteilung an die Bevölkerung geschenkten «Klimabäumen» und den 200 Bäumen, die die Schulklassen letzten Frühling gepflanzt haben. Auch habe sich die Stadt bei der Limmattalbahn dafür eingesetzt, dass die Bahn auf der Zürcherstrasse auf einem Grüntrassee statt auf einer versiegelten ­Fläche verkehrt. Zu guter Letzt hält der Stadtrat in seiner ­Antwort fest, er sei für Alternativen und Zusatzmassnahmen offen.

Im März 2021 pflanzten Dietiker Schülerinnen und Schüler 200 Bäume fürs Klima.

Im März 2021 pflanzten Dietiker Schülerinnen und Schüler 200 Bäume fürs Klima.

Britta Gut