Dietikon
So hat der Stadtrat den Umbau des alten Bauamts abgespeckt

Nachdem das Parlament im Herbst ein 4-Millionen-Franken-Projekt abschmetterte, beantragt der Stadtrat nur noch 1,65 Mio. Franken.

David Egger
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Ab 2024 kann man hier in einer 3,5-Zimmer-Wohnung für 1990 Franken wohnen.

Ab 2024 kann man hier in einer 3,5-Zimmer-Wohnung für 1990 Franken wohnen.

Sandra Ardizzone
«Die Kosten laufen aus dem Ruder»,

sagte Michael Segrada (FDP). Und Markus Erni (SVP) sprach von «Bau-Irrsinn» und «Absurditäten». So tönte es im September, bevor der Dietiker Gemeinderat ein Projekt für den Um- und Ausbau des alten Bauamts ablehnte. 16 Gemeinderäte waren gegen das Projekt und nur 15 dafür.

Das alte Projekt für 4,063 Millionen Franken hätte insbesondere einen Kindergarten und zwei Wohnungen beinhaltet. Jetzt plant der Dietiker Stadtrat ein abgespecktes Projekt. Er hat beim Gemeinderat einen Gesamtkredit in der Höhe von 1,65 Millionen Franken beantragt.

Den Zeitzeugen sanieren, bevor er zusammenkracht

«Nun soll eine einfache und pragmatische Sanierung des akut einsturzgefährdeten Gebäudes möglichst rasch in ­Angriff genommen werden», schreibt der Stadtrat in seinem Antrag, über den der ­Gemeinderat voraussichtlich nach den Sommerferien ab­stimmen wird.

Die Zeit drängt also, schliesslich soll das alte Gebäude erhalten werden, bevor es zerfällt. Es ist Teil des kommunalen In­ventars der schützenswerten Bauten und besitze «einen ­hohen historischen und denkmalpflegerischen Wert», heisst es hierzu im Antrag. Zurzeit sei es aber in einem «ver­nachlässigten und prekären» Zustand.

Das Gebäude ist mittlerweile 243 Jahre alt

Erstellt wurde der Bau 1778. Er diente mitunter als Schulhaus, als Gemeindehaus, als Bezirksjugendsekretariat, als Bau- und Vermessungsamt, als Treffpunkt italienischer Gastarbeiter und zuletzt schliesslich insbesondere als Veranstaltungsort für den Stadtentwicklungsdialog namens Studio Dietikon.

Das neue Projekt beinhaltet keinen Kindergarten mehr. Stattdessen ist im Erdgeschoss ein einfaches Atelier mit WC und Teeküche vorgesehen. Im Obergeschoss und im Dachgeschoss sind – analog dem vorherigen Projekt – zwei Wohnungen angedacht. «Jedoch wird auf den Anbau zur Reppisch mit den grosszügigen Balkonen verzichtet», heisst es im Antrag.

Noch diesen Herbst sollen die Bauarbeiten starten

Der Stadtrat peilt einen Baustart noch im Herbst dieses Jahres an, «sodass das Gebäude an der Unteren Reppischstrasse 14 möglichst rasch gesichert ist und anschliessend wieder vermietet werden kann». Die Bauarbeiten sollen bis Ende 2023 fertig sein.

Der Stadtrat weist in seinem Antrag mehrmals darauf hin, dass es die Pflicht der Stadt sei, das Gebäude zu unterhalten, zumal es im Inventar der schützenswerten Bauten enthalten ist. Die baulichen Massnahmen, die das Gebäude vor dem Zerfall schützen, kosten insgesamt 750000 Franken. Diese erachtet der Stadtrat als gebundene Kosten, sie sind nicht Teil des erwähnten Gesamtkredits in der Höhe von 1,65 Millionen Franken. Die gebundenen Kosten beinhalten unter anderem die Sanierung des Dachs, den Ersatz der Fenster, die Sanierung der Geschossböden und der Gebäudehülle sowie eine sogenannte Kolkschutzwand, die das Gebäude bei Hochwasser vor dem Einsturz schützt.

Eine 3,5-Zimmer-Wohnung für 1990 Franken und eine 2,5-Zimmer-Wohnung für 1550 Franken

Der Stadtrat hat auch schon Mietzinsen für das Atelier und die beiden Wohnungen festgelegt: 1580 Franken pro Monat für das 79 Quadratmeter grosse Atelier im Erdgeschoss, 1990 Franken für die 81 Quadratmeter grosse 3,5-Zimmer-Wohnung im Obergeschoss und 1550 Franken pro Monat für die 60 Quadratmeter grosse 2,5-Zimmer-Wohnung im Dachgeschoss. Es wird voraussichtlich nicht schwierig sein, die Wohnungen zu vermieten, liegen sie doch direkt auf dem Kronenareal und an der Reppisch, also sozusagen im Herzen, und an der historischen Hauptschlagader der Stadt Dietikon.

Total rechnet der Stadtrat bei Ausgaben von 2,4 Millionen und Bruttomieteinnahmen von 61440 Franken pro Jahr mit einer Bruttorendite von 2,56 Prozent und einer Nettorendite von 0,93 Prozent. «Das Projekt ist selbsttragend», hält der Stadtrat fest.