Dietikon
Diese Gemeinderätinnen wollen die Dietiker Politik femininer gestalten

Acht Dietiker Gemeinderätinnen erzählten an einem virtuellen Podium, was es braucht, um in die Lokalpolitik einzusteigen. Es ist weniger, als viele Frauen befürchten.

Lydia Lippuner
Merken
Drucken
Teilen
Eine überparteiliche Stimme für mehr Frauen: Die Dietiker Gemeinderätinnen Maya Ritschard (CVP), Manuela Ehmann (EVP), Ottilie Dal Canton (CVP), Eveline Heiniger (SVP), Kerstin Camenisch (SP), Catherine Peer (SP), Nadine Burtscher (EVP) und Catalina Wolf-Miranda (Grüne) wünschen sich mehr Frauen in der Politik.

Eine überparteiliche Stimme für mehr Frauen: Die Dietiker Gemeinderätinnen Maya Ritschard (CVP), Manuela Ehmann (EVP), Ottilie Dal Canton (CVP), Eveline Heiniger (SVP), Kerstin Camenisch (SP), Catherine Peer (SP), Nadine Burtscher (EVP) und Catalina Wolf-Miranda (Grüne) wünschen sich mehr Frauen in der Politik.

zvg

Eine Dietikerin aktiviert ihr Mikrofon und fragt in die virtuelle Runde: «Welche Fähigkeiten braucht eine Gemeinderätin?» Die EVP-Gemeinderätin Manuela Ehmann antwortet: «Man sollte offen und kommunikativ sein. Zudem muss man sich für Dietikon interessieren.» CVP-Gemeinderätin Ottilie Dal Canton ergänzt: «Man sollte auch Freude daran haben, etwas aktiv zu verändern.» Dann sei jeder und jede willkommen, egal wie lange die Person schon in Dietikon wohne.

Die Diskussion wurde am Mittwochabend an den virtuellen Gesprächstischen der Plattform Wonderme geführt. An vier Onlinepodien standen jeweils zwei Dietiker Gemeinderätinnen, um den rund 20 Zuhörerinnen Auskunft über ihren Alltag in der Lokalpolitik zu geben. Der Anlass der Plattform Dietikerin.net soll Frauen überparteilich vernetzen und informieren. Das langfristige Ziel der Aktion ist es, dass Dietikon wieder von mehr Frauen mitgeprägt wird. Aktuell hat es keine Frau im Dietiker Stadtrat. Und im Gemeinderat machen sie nur 28 Prozent vertreten aus.

Kaltstart in die Politik

Die Gemeinderätinnen erzählen auch von ihrem Einstieg in die Politik. CVP-Gemeinderätin Maya Ritschard sagt, sie habe vor drei Jahren bei ihrer Kandidatur überhaupt nicht erwartet, dass sie tatsächlich einen Sitz im Gemeinderat erhalte. «Als ich erfuhr, dass ich gewählt wurde, wusste ich nicht einmal, was eine Gemeinderätin macht», sagt sie. Sie nahm die Herausforderung an, doch im ersten Amtsjahr habe ihr nach den Sitzungen regelmässig der Kopf geraucht. Ritschard bereut den Einstieg in die Politik aber nicht. Der Start der Grünen-Gemeinderätin Catalina Wolf-Miranda war ähnlich überraschend. Zwar wollte sie sich nach ihrer Einbürgerung politisch einsetzen, dass es aber so rasch geht, hätte sie nicht erwartet. Sie wurde an einer Demo von den Grünen gefragt, ob sie sich für die Partei engagieren wolle. Sie sagte zu und stieg später in den Gemeinderat ein. «Dank der Politik kenne ich Dietikon nun viel besser und will hier nicht mehr weg», sagt sie.

Wolf-Miranda und Ritschard sagen beide, dass sie keine negativen Erfahrungen als Frauen im Gemeinderat gemacht haben. «Ich empfinde den Gemeinderat als sehr emanzipiert. Man wird respektiert», sagt Wolf-Miranda. Da alle Laien seien, müsse sich jeder gleich stark in die Materie der jeweiligen Geschäfte einlesen, deshalb verstehe sie nicht, weshalb so viele Frauen Hemmungen haben, ein Amt zu übernehmen. Ritschard sieht den Grund für die fehlenden Frauen in der Politik insbesondere darin, dass die Frauen sich das Amt nicht zutrauen und zu wenig über die politischen Aufgaben informiert sind.

Frauen verbessern die Gesprächskultur

Die Frage nach dem Unterschied zwischen Frauen- und Männerpolitik wird an den virtuellen Diskussionstischen einige Male gestellt. Die Gemeinderätinnen geben unterschiedliche Antworten dazu. Nadine Burtscher, die bereits sieben Jahre EVP-Gemeinderätin ist, sagt: «Ich habe das Gefühl, Frauen denken anders nach als Männer.» Das sei ähnlich wie der Umstand, dass ein SP-Mitglied anders ticke als ein FDP-Mitglied. Burtscher folgert, dass es deshalb gut wäre, wenn man mehr von der Verschiedenartigkeit profitieren könnte. Die höchste Dietikerin, Catherine Peer (SP), arbeitete oft als einzige Frau in Männergremien. Sie sagt: «Die Gesprächskultur ist besser, wenn Frauen dabei sind.» Das heisse aber nicht, dass alle lieb, sondern dass alle anständig zueinander seien müssen.

Peer referiert am gleichen Tisch wie die SVP-Gemeinderätin Eveline Heiniger, deren Mikrofon aber schlecht funktioniert. Deshalb übernimmt Peer den Lead dieser Gesprächsrunde. Sie sagt, dass es besser sei, wenn gleich mehrere Frauen in einer Gruppe seien.

«Es braucht mehr Ellbogen, wenn man als Frau allein in einer Gruppe ist»,

sagt Peer. Ihre SP-Parteikollegin Kerstin Camenisch ist derselben Meinung: «Wenn man allein in einer Fraktion sitzt, fehlt einem das weibliche Gegenüber», sagt sie. Camenisch will keine Frauenquote nennen, stattdessen appelliert sie an die Zuhörerinnen, in die Politik einzusteigen.

Um den Einstieg in die Politik zu erleichtern, will die Plattform Dietikerin.net Interessentinnen Gottis verschiedener Parteien vermitteln, die sie bei ihrem Start in die Politik coachen sollen. Peer begleitete in ihren 13 Jahren im Gemeinderat bereits viele junge Politikerinnen und Politiker. «Frauen brauchen mehr Coaching, um sich zu engagieren», sagt sie. Das liege wohl auch daran, dass sie genau die Hintergründe und Fakten wissen wollen, bevor sie sich trauen, eine Behauptung aufzustellen.