Kontrollen

Dietikon sagt Rasern und Motorengeheule den Kampf an

Der Sommer kommt erst noch: In den lauen Nächten wird wieder gerast und gelärmt.FNI/Symbolbild

Der Sommer kommt erst noch: In den lauen Nächten wird wieder gerast und gelärmt.FNI/Symbolbild

Vor allem Anwohner des Zentrums fühlen sich durch Rasereien oder lautes Aufheulen von Motoren belästigt. Nun will die Stadt stärker gegen Raser vorgehen.

In einer Betonmauer beim Zürcher Escher-Wyss-Platz endete kürzlich ein Wettrennen zweier Berufsschüler. Auch in der Stadt Dietikon beschäftigt das Thema. Besonders die Anwohner des Zentrums fühlen sich belästigt durch Rasereien oder das laute Aufheulen von Motoren. Bevorzugt in den Abend- und Nachtstunden protzten die fehlbaren Fahrzeuglenker, heisst es in einem Postulat an den Stadtrat. Und weiter: «Das sind keine Kavaliersdelikte, sondern sie führen nebst Ruhestörung auch zur akuten Gefährdung im Strassenverkehr.»

Die geplagten Dietiker Anwohner hatten sich an den SVP-Gemeinderat Anton Felber gewendet. Er trug das Anliegen in den Gemeinderat und vermochte breit zu mobilisieren. Total 18 Politikerinnen und Politiker aus den Parteien SVP, SP, Grüne, EVP, CVP und DP unterzeichneten sein Postulat. Darin wurde der Stadtrat aufgefordert, die Raserei im Stadtzentrum zu einem Schwerpunktthema zu machen und wie andere Gemeinden und Städte rigoros dagegen vorzugehen.

Kooperation mit Kantonspolizei

«Die Problematik ist dem Stadtrat bereits wohlbekannt», heisst es nun in der vorliegenden Antwort. Man führe regelmässige Kontrollen durch und arbeite eng mit der Kantonspolizei zusammen – in Zukunft werde man die Kooperation fortsetzen oder sogar verstärken. Als konkretes Beispiel ist eine verkehrstechnische Kontrolle erwähnt, die im Sommer vergangenen Jahres durchgeführt wurde. Dabei hatte die Dietiker Stadtpolizei zusammen mit der Kantonspolizei Zürich während dreier Stunden insgesamt 21 Fahrzeugen kontrolliert. Fünf Autos seien mit unerlaubten Abänderungen getunt gewesen – drei Lenker wurden daraufhin beim Statthalteramt angezeigt.

«Wir haben die Raserei immer ernst genommen», versichert Sicherheitsvorstand Heinz Illi (EVP) auf Anfrage. Heute sei man dank der engeren Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei aber breiter abgestützt und könne besser dagegen vorgehen. So führt die Kantonspolizei eigens eine Sondereinheit, die sich hauptsächlich mit komplexen Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, vor allem aber mit schweren Raserdelikten, befasst. «Da die Abteilung erst seit März 2015 geführt wird und viele Verfahren noch laufen, gibt die Kantonspolizei Zürich momentan noch keine genauen Erfolgszahlen bekannt», sagt Mediensprecherin Rebecca Tilen.

Klar sei allerdings, dass man ein Raserproblem habe – dieses bestehe allerdings überall in der Schweiz und sei an keiner speziellen Gemeinde festzumachen. «Gleich ist auch überall, dass viele junge und unerfahrene Lenker mit sehr potenten Autos herumfahren.» Das müssten aber nicht unbedingt getunte Autos sein. Dass Tuner und Raser gemeinhin schnell in einen Topf geworfen werden, dagegen wehren sich auch die Tuner selbst. «Das Problem sind eher die jungen Lenker mit ihren Protzautos auf ihrer sogenannten Bahnhofsrunde», sagt ein Vertreter der Tunerszene aus dem Raum Bern, der anonym bleiben will. Er organisiert eines der grössten Schweizer Tuning-Treffen.

Diese Treffen würden jeweils in enger Zusammenarbeit mit den Behörden und Gemeinden organisiert, genau eben, «um Missverständnisse zu vermeiden». «Proleten» würden abgehalten, an die Treffen zu kommen, da die Polizei auf dem Platz sei. «Einem Auto einen lauten Auspuff und teure Felgen zu verpassen, hat nichts mit Tuning zu tun», sagt der Insider. Ein Tuner hingegen «veredle» sein Fahrzeug und «verwirkliche seine Vorstellungen».

Auch Stadtrat Heinz Illi relativiert seine Aussage, dass man im Zentrum von Dietikon beobachte, wie sich eine Tuning-Szene bilde. «Tuner haben Freude an ihren Motoren und lassen sie vielleicht einmal aufheulen.» Das sei lästig, aber nicht gefährlich. «Raser aber sind gemeingefährlich.»

Allgemein sei es aber sehr schwierig, die Lärmverursacher zu eruieren. «Sie wechseln ja ständig ihre Orte.» Dieser Umstand erschwere es, das Problem ganz in den Griff zu bekommen, so Illi.

«Problem endlich erkannt»

Mit der Antwort des Stadtrats zeigt sich der Initiant des Postulats, Anton Felber, zufrieden. «Mich freut es, dass Stadtrat Illi das Problem endlich als Problem erkennt.» Auch habe er bereits Rückmeldungen von Anwohnern erhalten, dass es sich gebessert habe.

Der Sommer allerdings kommt erst noch, und mit ihm die langen lauen Nächte. Auch für Stadtrat Illi wird dieser der wahre Prüfstein sein.

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