Dietikon
Wo sich Reppisch und Limmat küssen: Der «Dietikon Projektraum» organisiert einen Rundgang für die Ohren

Am Samstag findet ein Rundgang mit der Künstlerin Mélia Roger entlang der beiden Dietiker Gewässer statt. Ein Spaziergang der etwas anderen Art.

Hans-Caspar Kellenberger
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Der Rundgang beginnt bei der Ausstellung vor der ehemaligen Metzgerei beim Kronenplatz in Dietikon.

Der Rundgang beginnt bei der Ausstellung vor der ehemaligen Metzgerei beim Kronenplatz in Dietikon.

Britta Gut

Sich hörend auf den Fluss und das rauschende Wasser einlassen. Mit dem Wasser denken und die eigene Verbindung mit den lokalen Gewässern entdecken. Was sich im ersten Moment sehr abstrakt anhört, ist das erklärte Ziel des Rundgangs, den der «Dietikon Projektraum» am 8. Mai organisiert.

Ausgangspunkt des Rundgangs ist die alte Metzgerei am Kronenplatz in Dietikon. Dort hat der «Dietikon Projektraum» seinen Ausstellungsraum und greift mit der Ausstellung «burble, gurgle, splash (settling at the river)» das Thema lokale Gewässer im urbanen Raum auf. Bereits der Name der Ausstellung weist darauf hin, dass es um Menschen und deren Beziehung zu den Gewässern geht, an denen sie sich niedergelassen haben. Der Spaziergang ist somit eine praktische Weiterführung der laufenden Ausstellung in der alten Metzgerei.

Sound-Künstlerin leitet durch den Rundgang

Den Rundgang gestaltet die ausgebildete Musikerin und Sound-Künstlerin Mélia Roger, deren Arbeit «Humeurs» gegenwärtig im «Dietikon Projektraum» ausgestellt wird. Dabei präsentiert sie eine Tonarbeit, für die sie Geräusche entlang der Limmat von Zürich bis nach Dietikon aufgenommen hat. Die Künstlerin konzentrierte sich hierbei auf die Grenzen der Flusstöne, die durch Geräusche von Industrie oder S-Bahn durchbrochen werden.

Der Titel «Humeurs» (französisch: Stimmungen) nimmt Bezug auf die emotionale Ebene der Künstlerin. Auch schafft er Verbindungen zur antiken «Humoraltheorie», die sich mit der Bedeutung und Zirkulation von organischen Flüssigkeiten befasst. Die Theorie besagt, dass verschiedene Körperflüssigkeiten des Menschen wie Blut oder Galle im Gleichgewicht sein müssen, damit dieser gesund ist.

Nach der alten Metzgerei führt der Weg der Reppisch entlang

So liegt der Fokus des Rundgangs auf der Beziehung des Menschen zu Flüssigkeiten und Gewässern. Gemeinsam mit der Künstlerin Roger geht der Spaziergang von der alten Metzgerei aus zur Mündung der Reppisch in die Limmat. Danach geht es weiter in Richtung Spreitenbach.

Die Reppisch fliesst direkt hinter dem Ausstellungsraum durch.

Die Reppisch fliesst direkt hinter dem Ausstellungsraum durch.

Hans-Caspar Kellenberger

Roger wird während des Rundgangs Hinweise geben, wie man dem Ton des Flusses folgen kann. Die Künstlerin bezeichnet den Anlass als «bedeutungsvollen Moment mit den eigenen Ohren». Denn auf dem Spaziergang könne man die Umwelt und die Gewässer bewusst mit den eigenen Ohren erleben.

Den Spaziergang haben Lourenço Soares und Kim Bassen, die Kuratoren des «Dietikon Projektraum», organisiert. «Das Ziel ist, eine körperliche Idee von der Beziehung des Menschen zu Flüssen zu bekommen», sagt Kuratorin Kim Bassen.

Ein lokales Netzwerk aufbauen

Die Kuratoren des Projektraums wollen in Dietikon ein Netzwerk aufbauen, zusammen mit lokalen Interessengruppen. «Wir sind in einem Prozess. Wir wollen langfristige Kontakte zu Schulen, Vereinen und anderen lokalen Institutionen hier im Limmattal aufbauen», sagt Kuratorin Bassen. Noch sei man aber erst in der Anfangsphase dieses Prozesses.

Der «Dietikon Projektraum» hat bereits mehrere Kunstausstellungen in Dietikon kuratiert.

Der «Dietikon Projektraum» hat bereits mehrere Kunstausstellungen in Dietikon kuratiert.

Dietikon Projektraum

«Wir wollen nicht nur senden, sondern auch voneinander lernen und Inputs von anderen Kooperationspartnern einfangen», sagt Bassen. So möchte der «Dietikon Projektraum» mit lokalen Partnern verschiedenste Formate erarbeiten. Die Kuratoren möchten den Platz in der alten Metzgerei dafür als Forum anbieten.

Projekte gemeinsam auf die Beine stellen

Auch wenn der Ausgangspunkt jeweils die künstlerische Recherche sei, ist der Kuratorin der Austausch mit den lokalen Interessengruppen wichtig. Abgesehen vom Gleis 21 seien solche Foren des Austauschs in Dietikon aber rar. «Über die Kunst wollen wir Menschen, die normalerweise nicht miteinander in Kontakt kommen, den Rahmen geben, miteinander ins Gespräch zu kommen und Meinungen auszutauschen», sagt Bassen.

Rundgang mit dem «Dietikon Projektraum»

Der Spaziergang beginnt am Samstag, 8. Mai, um 11 Uhr vor der alten Metzgerei und dauert etwa eine Stunde. Der Rundgang ist gratis. Interessenten können sich über die E-Mail-Adresse info@dietikonprojektraum.ch anmelden.