Dietikon
Post zeigt sich «beeindruckt» von den vielen Unterschriften – aber noch hat der Quartierverein Schönenwerd nicht gewonnen

Die Post ringt sich nach wie vor nicht dazu durch, dem Schönenwerd-Quartier ein Postangebot für die Zukunft zu versprechen. «Wir sind zuversichtlich, dass wir eine gute neue Lösung finden», sagt aber einer ihrer Konzernsprecher.

David Egger
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Das Volk will die Postfiliale Dietikon 2 Brunau behalten, das Volk unterschreibt. Nun sagt der Post-Konzern, was er davon hält.

Das Volk will die Postfiliale Dietikon 2 Brunau behalten, das Volk unterschreibt. Nun sagt der Post-Konzern, was er davon hält.

Bild: Lydia Lippuner / Limmattaler Zeitung

Die Volksseele kocht, zumindest im Dietiker Schönenwerd-Quartier mit seinen über 8000 Einwohnern. Der Ärger setzt Energie frei: Innert nur drei Tagen haben letzte Woche über 1000 Personen eine Petition unterschrieben, damit das Grossquartier auch in Zukunft eine eigene Postfiliale hat. Die Post will die Filiale nämlich noch dieses Jahr schliessen, wie die «Limmattaler Zeitung» Ende Februar publik machte. Ein Ersatz in Form einer Postagentur, wie sie etwa in der Fahrweid bei der Autovermietung Miet and Drive umgesetzt wurde, ist bisher nicht in Sicht.

Immerhin: Die Post weiss um die Unterschriftensammlung im Schönenwerd-Quartier. Und sie weiss auch, dass verschiedene Dietiker Gemeinderäte finden, dass die Postfiliale weiterbestehen muss – so zum Beispiel die Parlamentspräsidentin und damit höchste Dietikerin, Catherine Peer (SP). Auf Anfrage der «Limmattaler Zeitung» sagt Postsprecher Markus Werner: «Wir sind beeindruckt vom grossen Einsatz, den Bevölkerung und Politik für das Postangebot im Schönenwerd-Quartier leisten.»

Für diese Einwohnerinnen des Schönenwerd-Quartiers ist der Fall klar: «Rettet unsere Post Brunau!»

Für diese Einwohnerinnen des Schönenwerd-Quartiers ist der Fall klar: «Rettet unsere Post Brunau!»

Bild: Lydia Lippuner / Limmattaler Zeitung

Die Post fasst die Unterschriftensammlung zudem als Lob für ihren Service public auf. «Nicht zuletzt sehen wir das Engagement auch als Wertschätzung für die Arbeit unserer Mitarbeitenden in der Postfiliale Dietikon 2 Brunau», sagt Post-Mann Werner.

Immerhin: Bei der Post scheint nun doch ein guter Wille vorhanden zu sein. So heisst es in der Stellungnahme des Post-Sprechers weiter:

«Wir lassen die Unterschriftensammlung natürlich in unsere Überlegungen und Planungen einfliessen. Auch der Post ist es ein grosses Anliegen, eine neue Lösung zu finden, mit der wir weiterhin Postdienstleistungen im Quartier anbieten können.»

Die Post befindet sich nun offenbar doch noch im Gespräch mit möglichen Partnern für eine Postagentur. Diese Gespräche seien sogar «weit fortgeschritten», sagt der Post-Sprecher.

«Wir sind darum zuversichtlich, dass wir eine Partnerlösung im Quartier realisieren können. Sobald der definitive Entscheid gefallen ist, werden wir die Stadtbehörden und den Quartierverein sowie anschliessend die Öffentlichkeit informieren.»

Anders gesagt: Einen Fortbestand der Postfiliale schliesst die Post nach wie vor aus. Aber immerhin über eine Postagentur soll das Quartier künftig verfügen.

Postagenturen haben zwar ein kleineres Dienstleistungsangebot als Postfilialen. Aber das Massengeschäft Päckli abholen und verschicken bieten auch Postagenturen an. Diese locken zudem oft mit sehr langen Öffnungszeiten. Der Volg mit Postagentur in Bergdietikon hat zum Beispiel von 6 bis 21 Uhr geöffnet. Zum Vergleich: Die Postfiliale im Schönenwerd-Quartier hat von Montag bis Freitag nur noch von 8 bis 11 Uhr und von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet.

Eine zweijährige Gnadenfrist für die Postfiliale schliesst die Post aus

Markus Werner weist nochmals darauf hin, dass bei der Postfiliale Dietikon 2 Brunau «die wirtschaftlichen Fakten eine deutliche Sprache sprechen». Es werden dort nur noch halb so viele Geschäfte abgewickelt wie noch vor zehn Jahren. Zudem erledigt die Hauptpost beim Dietiker Bahnhof 90 Prozent aller Dietiker Schaltergeschäfte, die Filiale Dietikon 2 Brunau hingegen nur noch 10 Prozent.

Trotzdem: Dietikon boomt. Immobilieninvestoren stehen Schlange. Ab 2022 fährt die Limmattalbahn. Alte Wohnungen sollen weg, noch mehr neue sollen kommen. Sollte die Post nicht zuerst abwarten, wie sich diese Entwicklung auf ihre Kundenzahlen im Schönenwerd-Quartier auswirkt? Dazu Post-Kommunikationsspezialist Markus Werner:

«Aufgrund des massiven Rückgangs der Schaltergeschäfte in der Filiale Dietikon 2 können wir nicht einfach weiter zuschauen. Wir müssen auf diese Entwicklung reagieren. Nochmals zwei oder drei Jahre zuzuwarten, ist für uns daher keine Option.»

Die Erfahrung zeige zudem, dass eine steigende Einwohnerzahl in einer Gemeinde oder in einem Quartier für die lokale Postfiliale nicht zwangsläufig höhere Kundenfrequenzen bedeute. Denn die Kundengewohnheiten verändern sich weiterhin, E-Banking wird beliebter und viele Pendler erledigen ihre Postgeschäfte nicht am Wohnort, sondern auf dem Arbeitsweg.

Wo Frau und Herr Schweizer ihre Postgeschäfte erledigen, ist natürlich auch von den Standorten der Post abhängig. Über das Filialnetz entscheidet letztlich ein Post-Gremium, in dem auch Thomas Baur sitzt. Der Leiter Postnetz und stellvertretende Konzernleiter des Gelben Riesen wohnt Informationen der «Limmattaler Zeitung» zufolge im Berner Agglodorf Kirchlindach mit rund 3200 Einwohnern. Dort hat es einen Volg mit Postagentur. Er ist geöffnet von 6 bis 20 Uhr – und damit viel länger als die Filiale Dietikon 2 Brunau. Darauf angesprochen, sagt Post-Sprecher Markus Werner: «Die Situation ist an jedem Standort eine andere, und jede Gemeinde hat ihre spezifischen Charakteristiken. Deshalb prüfen wir jeden Fall individuell und führen Gespräche mit den lokalen Behörden und Quartierverbänden. Dabei versuchen wir stets, eine gute kundenfreundliche Lösung zu finden.»

Am Schluss seiner Stellungnahme schreibt er: «Wie gesagt: Wir sind zuversichtlich, dass wir auch im Schönenwerd-Quartier eine gute neue Lösung finden.»

Ein internes Dokument der Post spricht eine klare Sprache

In einem internen Dokument der Post, das der «Limmattaler Zeitung» vorliegt, heisst es, dass eine Postagentur im quartiereigenen Coop, im Denner oder im Kiosk am Bahnhof Glanzenberg abgeklärt wurde. Und dann der Sparhammer-Satz: «Aufgrund der Abklärungsresultate favorisiert die Post die ersatzlose Schliessung der Postfiliale Dietikon 2 Brunau im Verlauf des Jahres 2021.»

Thomas Baur, Leiter Postnetz und stellvertretender Konzernleiter, kann bei sich zu Hause in Kirchlindach BE eine Volg-Postagentur nutzen. Im Dietiker Grossquartier Schönenwerd droht hingegen die ersatzlose Schliessung der Postfiliale.

Thomas Baur, Leiter Postnetz und stellvertretender Konzernleiter, kann bei sich zu Hause in Kirchlindach BE eine Volg-Postagentur nutzen. Im Dietiker Grossquartier Schönenwerd droht hingegen die ersatzlose Schliessung der Postfiliale.

Bild: L. Gillieron/Keystone