DIETIKON
Postfiliale schliesst: Wir wissen, was jetzt mit den Angestellten und der Coop-Filiale nebenan passiert

Obwohl ihre Filiale im Dietiker Schönenwerd-Quartier verschwindet, wird die Post keine Kündigung aussprechen müssen. Für Beobachter ist klar: Der Sparhammer hat nicht zum letzten Mal zugeschlagen.

David Egger
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Die Post plant die Schliessung der Poststelle Dietikon 2 Brunau an der Schöneggstrasse 145 im Schönenwerd-Quartier.

Die Post plant die Schliessung der Poststelle Dietikon 2 Brunau an der Schöneggstrasse 145 im Schönenwerd-Quartier.

Bild: Severin Bigler

Der gelbe Riese bedient das riesige Dietiker Schönenwerd-Quartier bald nicht mehr: Am Donnerstag machte die «Limmattaler Zeitung» publik, dass die Post ihre Filiale an der Schöneggstrasse 145 schliesst. Es ist sozusagen eine Frühpensionierung. Denn die Filiale, offiziell «Dietikon 2 Brunau» genannt, ist erst 56 Jahre alt. Eröffnet hat sie die Post am 5. April 1965.

Damals hatten die Pöstler noch Zeit für einen Schwatz, Päcklisendungen waren ein regelrechtes Ereignis, und das Internet war noch nicht erfunden. Post-Sprecher Markus Werner sagt dazu:

«Damals baute die Post das Filialnetz vielerorts aus, da viele Gemeinden ein starkes Wachstum verzeichneten und da die Post noch viel stärker genutzt wurde.»

Das Limmattal boomt auch jetzt, Dietikon sowieso. Aber bei der Post gilt: Abbau statt Ausbau, Sparhammer statt Bilderbuchschweiz. Immerhin muss die Post wegen der Filialschliessung in Dietikon niemanden auf die Strasse stellen, wie Post-Mann Werner versichert:

«Alle Angestellten, die in der Postfiliale Dietikon 2 Brunau arbeiten, werden auch weiterhin für uns arbeiten.»

Der Grund: Post-Mitarbeitende sind nicht mehr einzelnen Filialen zugeteilt, sondern sogenannten Filialteams. Der Standort Dietikon 2 Brunau gehört zum 18-köpfigen Filialteam Schlieren. Die Angestellten, die bisher dort tätig waren, werden also künftig vermehrt hinter dem Schalter der Post beim Schlieremer Bahnhof zu sehen sein.

Eine allzu grosse Änderung ist das nicht. Laut Post-Sprecher Werner sind in der Filiale Dietikon 2 Brunau sowieso nur ein bis zwei Personen pro Schicht im Einsatz. Wesentlich mehr sind es bei den beiden Hauptpoststellen am Dietiker Bahnhof und am Schlieremer Bahnhof. Diese beiden Standorte sind gross, haben viele Kunden und sind weder kurz- noch mittelfristig gefährdet.

«Grüezi» statt «auf Nimmerwiedersehen»: Die Postfiliale an der Güterstrasse 10 beim Schlieremer Bahnhof ist genauso wenig gefährdet wie die Filiale am Dietiker Bahnhof .

«Grüezi» statt «auf Nimmerwiedersehen»: Die Postfiliale an der Güterstrasse 10 beim Schlieremer Bahnhof ist genauso wenig gefährdet wie die Filiale am Dietiker Bahnhof .

Bild: Claudio Thoma

Standort Unterengstringen wackelt als nächster

Anders sieht es bei den kleineren Filialen in der Region aus. Der Tod auf Raten droht auch hier. Die Gewerkschaft Syndicom schlug schon 2017 Alarm: Sie beurteilte damals alle Limmattaler Filialen ausser Dietikon und Schlieren als gefährdet. Gut möglich also, dass auch die noch bestehenden Standorte Urdorf, Birmensdorf, Geroldswil, Spreitenbach sowie Oberengstringen und Unterengstringen bald für immer schliessen.

Sie würden sich einreihen in eine lange Liste von Orten in der Region, in denen in den letzten Jahren die Post ihre Filiale schloss. Zuerst 2001 die Filiale Dietikon 3 Oberdorf, dann 2002 jene im Bergdietiker Ortsteil Kindhausen. Über die Jahre schlug der Sparhammer auch im Bergdietiker Zentrum zu sowie in Oetwil, Weiningen, der Fahrweid, Aesch, Uitikon, Rudolfstetten und so weiter.

So wurde das Weininger Posthalterehepaar Heidi und Martin Keller verabschiedet, als die Weininger Post am 17. März 2018 für immer geschlossen wurde. Heute gibt es eine Postagentur in der Spar-Filiale nebenan.

So wurde das Weininger Posthalterehepaar Heidi und Martin Keller verabschiedet, als die Weininger Post am 17. März 2018 für immer geschlossen wurde. Heute gibt es eine Postagentur in der Spar-Filiale nebenan.


Bild: zvg

Post-Sprecher Markus Werner will noch nicht den Teufel an die Wand malen. Er sagt: «Für die Strategieperiode bis 2024 ist kein weiterer systematischer Umbau des Netzes vorgesehen. Stattdessen wollen wir unser Netz bei rund 800 Filialen schweizweit stabilisieren.» Doch der Mann von der Post bestätigt auch die andere Hälfte der Wahrheit:

«An Standorten, wo sich die Kundenfrequenzen und die wirtschaftliche Situation seit der letzten Beurteilung im Jahr 2016 rückläufig entwickelt haben, werden wir auch künftig nicht umhinkommen, nach alternativen Lösungen für das Postangebot zu suchen.»

Wer die Sache schon länger beobachtet, kommt schnell zum Schluss: Die Unterengstringer Filiale ist der nächste heisse Kandidat für eine Poststellenschliessung. Die Post bestätigt das nicht offiziell. Für Insider ist der Fall aber klar: Die Frage ist nicht, ob Unterengstringen seine Post verliert, sondern wann. Klar ist aber auch: Je mehr Einwohner die Filiale nutzen, desto länger lässt sich die Schliessung hinauszögern.

Im Dietiker Schönenwerd-Quartier will die Post ihre Filiale hingegen noch dieses Jahr schliessen. Der Quartierverein wehrt sich dagegen, er will ab nächster Woche Unterschriften sammeln. Klappt das nicht, hofft er auf eine Postagentur im Kiosk am Bahnhof Glanzenberg. Doch der Kiosk ist der Post zu klein.

Coop will im Schönenwerd-Quartier bleiben

Immerhin: Um seine Coop-Filiale muss sich das Schönenwerd-Quartier zurzeit keine Sorgen machen. Auf Anfrage sagt eine Coop-Sprecherin zur «Limmattaler Zeitung», dass Coop an der Filiale an der Birmensdorferstrasse direkt neben der Post festhalten wird. Und:

«Wir sind mit der Entwicklung dieser Verkaufsstelle zufrieden. Mit dem vielfältigen Angebot an Frisch- und Convenience-Produkten sowie Artikeln für den täglichen Bedarf kommt Coop als Grundversorgerin einem spürbaren Kundenbedürfnis nach.»

Eine Grundversorgerin ist auch die Post. Aber sie spürt kein Kundenbedürfnis mehr. Und will ihre Filiale ausgerechnet jetzt schliessen. Im Quartier, das zuletzt sowieso schon viel dicke Post erhalten hat: Limmattalbahnbaustelle, Umleitungsverkehr und Baumfällungen durch das Bundesamt für Strassen zum Beispiel.

Am 4 .Januar kam es zum Kahlschlag im Wäldchen neben der Autobahnbrücke über die Schöneggstrasse. Nach dem Bundesamt für Strassen holt nun auch die Post zum Kahlschlag im Schönenwerd-Quartier aus.

Am 4 .Januar kam es zum Kahlschlag im Wäldchen neben der Autobahnbrücke über die Schöneggstrasse. Nach dem Bundesamt für Strassen holt nun auch die Post zum Kahlschlag im Schönenwerd-Quartier aus.

Bild: Sven Hoti