Dietikon
Pfau am Bau: Seine vielen Augen zeigen den Kindergartenkindern die Vielfalt ihrer Lebenswege auf

Die Bauarbeiten am neuen Doppelkindergarten im Dietiker Gjuchquartier nähern sich dem Ende. Bereits fertiggestellt ist das neue Kunstprojekt von der Zürcherin Maja Hürst, das von allen Seiten her zum Entdecken einlädt.

Florian Schmitz
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Maja Hürst vor dem Hauptteil ihres Kunstwerks, dass sich um den ganzen Kindergarten zieht.

Maja Hürst vor dem Hauptteil ihres Kunstwerks, dass sich um den ganzen Kindergarten zieht.

Florian Schmitz / Limmattaler Zeitung

Ab kommendem Schuljahr besuchen Kinder aus dem Dietiker Gjuchquartier und der nahen Umgebung den neuen Doppelkindergarten auf der Lozziwiese. Von aussen sieht der dunkelrote Holzbau mit den eloxierten Aluminiumfensterrahmen, der sich farblich schön in die Umgebung integriert, bereits fast fertig aus. Auch der Innenausbau komme gut voran und befinde sich in der abschliessenden Phase, sagt der Dietiker Hochbauvorstand Anton Kiwic (SP). Alle wichtigen Elemente wie die Lifte oder die Küche seien bereits vor Ort und in den nächsten sechs Wochen soll der Bau abgeschlossen werden.

Ein besonderes Augenmerk habe die Stadt bei der Entstehung auf den Erhalt des prägenden Baums vor Ort gelegt. Dafür sei auch regelmässig ein Baumpfleger im Einsatz gewesen. Noch sei es zu früh für ein endgültiges Urteil. «Aber wir gehen davon aus, dass der Baum auch nächstes Jahr so schön blühen wird», sagt Kiwic.

Von jeder Seite aus gibt es Kunst zu entdecken

Bereits fertiggestellt ist der kunstvolle Pfau am Bau. Darauf wurde am Montagabend vor Ort angestossen. Beim Apéro erklärte Künstlerin Maja Hürst den Anwesenden – darunter Architekten, Verwaltungsmitarbeitende und die beiden zuständigen Stadträte Reto Siegrist (Mitte) und Kiwic (SP) – ihre Arbeit. Zunächst sei nur ein Kunstwerk angedacht gewesen an der Ecke, wo der Pfau jetzt prunkvoll sein Federkleid präsentiert, sagt die Zürcher Künstlerin, die im Sommer 2020 von der ausführenden BEM Architekten AG ins Boot geholt wurde. «Aber dann hat die Arbeit sich um das ganze Gebäude herum entwickelt.»

Der grosse Pfau mit Federkleid ist das Prunktstück des vierteiligen Kunstwerks von Maja Hürst.
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Nahtloser Übergang: Farblich und vom Material her hat die Künstlerin ihr Werk an das eloxierte Aluminiumband angepasst, dass die Holzfassade verziert.
Von der Gjuchstrasse aus ist der Mond mit Nachthimmel zu sehen, wie Künstlerin Hürst (mit Kappe) Schulvorstand Reto Siegrist (zweiter von rechts) erklärt.
Farblich passt das dunkelrot gefärbte Holz ausgezeichnet zum vielen Grün der angrenzenden Wiese.
Gegenüber dem Mond symbolisiert eine Scheibe mit einer Sonne drauf den Tag. Beim Bau hat die Stadt zudem besonders wert daraufgelegt, denn prägenden Baum auf der Lozziwiese zu erhalten. Aber erst nächstes Jahr herrscht endgültig Klarheit darüber, ob dies gelunden ist.
Das Ei im Nest repräsentiert die Geburt.
Die zuständigen Stadräte Anton Kiwic (links) und Reto Siegrist (zweiter von links) lassen sich beim Apéro um das Gebäude führen, um die verschiedenen Aspekte des Kunstwerks zu begutachten.
Die Kletteranlage mit Rutschbahn wurde bereits errichtet.
Hier können Kinder künftig mit Wasser und Sand spielen. Weil die Wiese auf einer Grundwasserschutzzone steht, musste der Sandkasten asphaltiert werden, damit nichts versickert.

Der grosse Pfau mit Federkleid ist das Prunktstück des vierteiligen Kunstwerks von Maja Hürst.

Florian Schmitz / Limmattaler Zeitung

Wie ein Rundlauf sollen auf beiden Seiten künftig Wege um das mit seinen vielen Ecken verspielt wirkende Gebäude führen, damit der Zugang zum Quartierpark einladend wirkt. Das hat Hürst mit ihrem vierteiligen Kunstwerk aufgegriffen. Gegenüber dem Pfau ziert ein Nest mit Ei die Fassade. Ebenfalls einander gegenüberliegend symbolisieren zwei runde Schreiben, auf der einen Seite mit einer Sonne, auf der anderen mit einem Mond, den Tag und die Nacht.

Die auf Aluminiumblech entstandenen Werke greifen vom Material und der Farbe her die eloxierten Alufensterrahmen und das die Fassade verzierende Aluminiumband auf. Dank enger Zusammenarbeit geht die Kunst am Bau in einigen Details fast nahtlos in die Architektur über. So werden die Pfauenkrallen direkt in der Holzfassade abgebildet. «Sogar die Sonnenstoren passen grandios dazu», freut sich Hürst.

Während der Pfau in der westlichen Welt häufig mit Stolz verbunden wird, stehe er in anderen Kulturen mit seinem vieläugigen Federkleid auch für Weitsicht.

«Das passt zum Kindergarten mit so vielen jungen Menschen, die noch nicht wissen, wohin ihr Lebensweg sie führt»,

sagt Hürst. Der Pfau symbolisiere auch die vielen Möglichkeiten, die ihnen das Leben bieten wird, und greife die kulturelle Vielfalt des umgebenden Quartiers auf.

Kunst am Bau löst Diskussionen aus und stiftet Identifikation

Kunst am Bau stosse in der Bevölkerung nicht immer auf Verständnis, sagte Schulvorstand Siegrist, aber sie sei wichtig und wertvoll. Denn sie löse Diskussionen aus, lade zum Interpretieren ein und stifte Identifikation. So würden sich städtische Bauten mit künstlerischen Details zusätzlich bewusst von typischen privaten Bauprojekten abheben.

Wenn die Kinder im August ihren neuen Kindergarten beziehen, müssen sie sich noch ein wenig gedulden, bis sie auch den aufgewerteten Spielplatz auf der Lozziwiese benutzen dürfen, den sie sich mit dem Quartier teilen werden. Die neue Kletteranlage mit Rutschbahn steht bereits, in der Nähe davon wird zurzeit ein Sandkasten mit Wasserelementen errichtet. Aber weil nach Fertigstellung der Bauarbeiten unter anderem die Wiese neu gesät werden muss, benötigt der künftige Quartierpark noch Schonzeit bis in den September hinein.