Dietikon
Öffentliches WLAN und Ladestationen: Bald wird die Smart City erstmals sichtbar

Die Stadt Dietikon will E-Mobility-Ladestationen installieren und im Zentrum öffentliches WLAN zur Verfügung stellen. Bis 2022 will die Stadt im Rahmen des Smart-City-Projekts auch Verkehrs- und Umweltmessungen sowie ein Parkleitsystem in Angriff nehmen.

Florian Schmitz
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EKZ hat auf der Grien-Insel (vorne) in einer ehemaligen Garage ein Zukunftslabor eingerichtet, um an neuen Technologien und vernetzten Lösungen zu tüfteln.

EKZ hat auf der Grien-Insel (vorne) in einer ehemaligen Garage ein Zukunftslabor eingerichtet, um an neuen Technologien und vernetzten Lösungen zu tüfteln.

zvg

Vor gut einem Jahr wurde die Stadt Dietikon mit dem Energieversorger EKZ für ihr gemeinsames Smart-City-Projekt vom Bundesamt für Energie ausgezeichnet. Dieses Jahr sollen die ersten Zeichen dieser Zusammenarbeit in Dietikon sichtbar werden. «Wir wollen den öffentlichen Raum als Testfeld für innovative Lösungen nutzen», sagt der städtische Standortförderer Adrian Ebenberger, der von Seiten der Stadt für Smart City verantwortlich ist. Auf der Grien-Insel tüftelt EKZ in einem Zukunftslabor an neuen Technologien und Ideen, um die städtische Infrastruktur und den öffentlichen Raum stärker zu vernetzen.

Zum Start will die Stadt im Zentrum öffentliches WLAN zur Verfügung stellen und eine bis zwei E-Mobility-Ladestationen installieren. «Wir konzentrieren uns zunächst auf Teilprojekte, die sich schnell und einfach umsetzen lassen», sagt Ebenberger. Das städtische, öffentliche WLAN soll zuverlässiger sein und mehr Reichweite bieten als das bestehende Angebot der Swisscom. Stärker ist aber nicht automatisch besser: Wegen der Strahlung gehe es auch darum, den richtigen Kompromiss zu finden, sagt er.

Für die geplante Ladestation habe EKZ verschiedene Standorte analysiert, die bald intern in der städtischen Projektgruppe besprochen werden. Was dort alles aufgeladen werden kann, steht laut Ebenberger noch nicht fest:

«Wir denken etwas weiter und können uns auch E-Bike-Lademöglichkeiten vorstellen.»

Das sei aber abhängig vom Standort und den Kosten, denn die entsprechenden Technologien seien teilweise noch sehr teuer.

Intelligente Lösungen für 250'000 Franken

Das Smart-City-Projekt wird mit insgesamt 250'000 Franken gespeist. 100'000 Franken stammen als Fördergeld vom Bundesamt für Energie für die Auszeichnung im vergangenen Jahr. Die Stadt Dietikon steuert den gleichen Beitrag bei und 50'000 Franken kommen von EKZ. Das erscheine nur auf den ersten Blick als Geld, denn man müsse bedenken, wofür es alles eingesetzt werde, erklärt Ebenberger.

Insgesamt arbeitet die Smart-City-Projektgruppe an sechs verschiedenen Teilprojekten. Neben den erwähnten stehen auch die Themen Verkehrsmessung und Verkehrsleitung auf der Agenda. Ab 2022 will die Stadt zudem im Rahmen des Teilprojekts «Smart Parking» ein einfaches Parkleitsystem testen, wie der Stadtrat kürzlich in seiner Antwort auf eine Interpellation von Gemeinderat Michael Segrada (FDP) ausführte.

Ein weiteres Teilprojekt nimmt sich der Erhebung von Umweltdaten an und das letzte wird zusammengefasst als «Monitoring», also die Echtzeitverfolgung und das Zusammenführen aller Messwerte und Daten. «Bei der Smart City soll der Gedanke der Vernetzung im Fokus stehen», erklärt Ebenberger. Alle Daten sollen zentral zusammenlaufen und in einer Cloud gespeichert werden. Letztlich gehe es nicht nur darum, langfristig aus den erhobenen Daten zu lernen, sondern unmittelbar steuern und korrigieren zu können, sagt er. Das Thema Datenschutz sei bei der Smart City wegen der vielen gesammelten Daten zentral.

Smart City ist kein Projekt, sondern ein Prozess

Ursprünglich sollten das öffentliche WLAN und die Ladestation bereits in der ersten Jahreshälfte umgesetzt werden. Aber weil die Projekte auch den politischen Prozess durchlaufen, dauert alles etwas länger. «Dafür ist es nachher politisch abgestützt», sagt Ebenberger. Alle bisherigen sechs Teilprojekte sollen spätestens 2022 in Angriff genommen werden. Gleichzeitig steht die Stadt beim Thema erst ganz am Anfang, wie der Standortförderer ausführt:

«Smart City ist kein Projekt, dass sich abschliessen lässt, sondern ein Prozess oder eine Denkhaltung.»

In den letzten zehn Jahren seien viele neue Lösungen und Ideen entstanden und viele Technologien deutlich günstiger geworden. Deshalb werde der Einsatz neuer Technologien und ihre Vernetzung künftig immer wichtiger. «Das passt gut zu unseren Plänen, in Dietikon ein Kompetenzzentrum für Umwelt und Energie aufzubauen», sagt Ebenberger. Als Testumgebung für neue Lösungen könnte auch das künftige Quartier Niderfeld eine wichtige Rolle einnehmen, das dereinst auf 40 Hektar Platz für 2000 Bewohnende und 3000 Arbeitsplätze bieten soll.