Dietikon
Neue Ausstellung des «Dietikon Projektraum» in der alten Metzgerei: Wie der Mensch die Gewässer kontrolliert

Am Samstag eröffnet der «Dietikon Projektraum» die neue Kunstausstellung «burble, gurgle, splash (settling at the river)». Drei Künstlerinnen präsentieren Werke, bei denen sich alles um den menschlichen Umgang und Kontakt mit lokalen Gewässern dreht.

Hans-Caspar Kellenberger
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Die Bilder an der Schaufensterscheibe sind aus dem Dietiker Ortsmuseum und zeigen die Baustelle der Limmatkorrektion von 1895.

Die Bilder an der Schaufensterscheibe sind aus dem Dietiker Ortsmuseum und zeigen die Baustelle der Limmatkorrektion von 1895.

Bild: Britta Gut

Im Schaufenster der alten Metzgerei in Dietikon sind historische Bilder aus dem Ortsmuseum. Diese zeigen Arbeiter auf Baustellen, die mit der Limmatkorrektion im Jahr 1895 zu tun haben. Die Fotografien bilden den historischen Rahmen der neuen Ausstellung des «Dietikon Projektraum», die am Samstag eröffnet wird.

«Burble, gurgle, splash (settling at the river)» ist die Einstiegsausstellung zum Thema Urbanisierung und Flusspolitik, das der «Dietikon Projektraum» auch in der näheren Zukunft weiterverfolgen will.

Drei Künstlerinnen präsentieren ihre Werke

An der Ausstellung präsentieren drei auswärtige Künstlerinnen ihre Arbeiten. Diese werden von den Kuratoren ortsspezifisch auf Dietikon und das Limmattal bezogen. Von Marie Griesmar wird eine Malerei der Seine präsentiert, die mit Steinen aus der Reppisch visuell und physisch erfahrbar, sowie auch riechbar gemacht wird. «Man kann sich das Wasser sinnlich bewusst machen», sagt Kim Bassen, die zusammen mit Lourenço Soares und Desirée Hieronimus die Ausstellung kuratiert. Alle drei sind Studierende an der Zürcher Hochschule der Künste in Zürich.

Die Kuratoren des «Dietikon Projektraum»: Desirée Hieronimus, Lourenço Soares und Kim Anni Bassen.

Die Kuratoren des «Dietikon Projektraum»: Desirée Hieronimus, Lourenço Soares und Kim Anni Bassen.

Bild: Britta Gut

Von Mélia Roger, einer Musik-Künstlerin, wird eine Installation mit Geräuschaufnahmen von der Limmat gezeigt. «Humeur» heisst das Werk. Auch hier wird der Bruch mit der romantischen Vorstellung des Menschen von der Natur vollzogen. Die dritte Arbeit ist von Paula König. Sie zeigt die Illusion der romantischen Idee der Kunst auf, die Natur einfangen zu können. Ein ironischer Ansatz also.

Ziel der Kuratoren ist es, dass sich die Menschen mit regionaler Flusspolitik und Gewässern im urbanen Raum beschäftigen. Dabei ist auch der Ortsbezug wichtig: Das Limmattal wird fortwährend urbanisiert. «Die Schnittstelle von Reppisch und Limmat und die Beziehung der Menschen hier zu den Flüssen und zum Wasser interessiert uns», sagt Bassen. Wieso hat sich der Mensch immer am Wasser angesiedelt. Was ist seine Beziehung zu Wasser? «Settling at the river» wird so wortwörtlich zum Thema dieser Ausstellung.

Was Renaturierung eigentlich bedeutet

Die Ausstellung am Kronenplatz hat auch eine historische Dimension. «Das Projekt der Limmatkorrektion ist bereits 150 Jahre alt, der Fluss wird von Menschen kontrolliert und umgeleitet. Man hätte in der Geschichtsschreibung aber noch viel weiter in die Vergangenheit zurückgehen können», sagt Soares.

Vor rund 20 Jahren ging es dann darum, der Limmat durch Renaturierung wieder mehr Platz zu geben. «Diese Renaturierung ist aber auch menschengemacht. Die Menschen kontrollieren und konstruieren die Gewässer auch durch die Renaturierung», meint Soares. Die Limmat erlebe somit eine «Schein-Renaturierung». Wann war die Natur wirklich Natur? Soares weiter:

«Die Idee der unberührten Natur ist von Menschen konstruiert. Dabei kontrollieren wir die Gewässer seit Anbeginn der Siedlungsgeschichte.»

Doch nicht nur die historische Dimension ist den Kuratoren wichtig: Wenn man der Limmat entlang geht, ist man sich des vom Menschen gemachten Umfelds nicht bewusst. «Auch das wird hier thematisiert», sagt Hieronimus. «Man kann sich selbst hinterfragen, wie sensibel man auf die Umwelt ist.»

Die Ausstellung «Burble, gurgle, splash (settling at the river)», beginnt am Samstag in der alten Metzgerei in Dietikon.

Die Ausstellung «Burble, gurgle, splash (settling at the river)», beginnt am Samstag in der alten Metzgerei in Dietikon.

Bild: Britta Gut

Weitere Ausstellungen des «Dietikon Projektraum» geplant

Weitere Ausstellungen des «Dietikon Projektraum» sind in Planung. «Wir wollen Arbeiten von Künstlerinnen ästhetisch darstellen und den Ortsbezug zu Dietikon und zum Limmattal schaffen», sagt Bassen. Die Auseinandersetzung mit der Urbanisierung des Limmattals wird derweil auch in den kommenden Ausstellungen ein Thema sein.

Die Ausstellung «burble, gurgle, splash (settling at the river)», findet vom 17. April bis zum 30. Mai in der alten Metzgerei am Kronenplatz 8 in Dietikon statt. Geöffnet ist der «Dietikon Projektraum» am Samstag und am Sonntag jeweils von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Der Eintritt ist gratis. Weitere Informationen findet man auf der Website der «Dietikon Projektraum» unter: www.dietikonprojektraum.ch.