Dietikon
Mit Papaya und viel Liebe: Sie wollen den Limmattalern authentisch vietnamesische Küche schmackhaft machen

Thu Huong Ha und Hai Ninh Khuat beliefern Dietikon und Umgebung seit März mit Speisen aus ihrer Heimat. Ab Montag will das Ehepaar seine Gäste auch im eigenen Restaurant Dudu nach Hanoi holen.

Sibylle Egloff
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Thu Huong Ha und ihr Ehemann Hai Ninh Khuat wollen den Schweizern ihre Heimat Hanoi in ihrem vietnamesischen Restaurant Dudu in Dietikon näherbringen.

Thu Huong Ha und ihr Ehemann Hai Ninh Khuat wollen den Schweizern ihre Heimat Hanoi in ihrem vietnamesischen Restaurant Dudu in Dietikon näherbringen.

Severin Bigler

Pho Hanoi Street steht auf dem Schild beim Eingang. Und nach Hanoi sieht es auch im Innern des Restaurants Dudu in Dietikon aus. Ins Auge springt die Pergola aus Bambusrohren in der Mitte des Lokals. Lampen aus Reusen und geflochtenen Körben samt Hängepflanzen baumeln an ihnen hinunter. Über allem schwebt der Duft von Gebetsstäbchen. Traditionelle Kochutensilien, Buddhafiguren aus Porzellan, Bilder – wo man auch hinschaut, wird man an die alte Heimat des Wirtepaars Thu Huong Ha und Hai Ninh Khuat erinnert. Die beiden haben sich hier an der Zürcherstrasse 126 ihr eigenes Vietnam geschaffen.

Etwas Fernost an der Zürcherstrasse in Dietikon: Das Wirtepaar hat das Restaurant mit viel Liebe fürs Detail eingerichtet.

Etwas Fernost an der Zürcherstrasse in Dietikon: Das Wirtepaar hat das Restaurant mit viel Liebe fürs Detail eingerichtet.

Severin Bigler

Zuvor stand diese Adresse für chinesisches Essen. Die Geschwister Tran betrieben das «Golden Bambus» 30 Jahre lang, ehe sie 2019 altershalber nach einer Nachfolge suchten. Diese haben nun Ha und Khuat angetreten. «Die chinesische, thailändische und indische Küche sind in der Schweiz bereits bekannt. Nun wird es Zeit, dass die Leute die authentische vietnamesische Kochkunst kennen lernen», sagt Ha.

Gäste drängten sie dazu, ein Restaurant in der Schweiz zu eröffnen

Die 36-Jährige führte mit ihrer Familie bereits drei Sushi-Restaurants in Konstanz. «Ich hatte viele Gäste aus Zürich, Winterthur, Genf und der Ostschweiz, die mich immer wieder fragten, wieso ich kein Lokal in der Schweiz aufmache.» Als sie und ihr Mann die Gaststätte in Dietikon entdeckten, waren sie auf Anhieb Feuer und Flamme. Ha findet:

«Es hat sich einfach richtig angefühlt. Das Restaurant sah bereits vorher toll aus und auch der Garten hat uns gefallen.»

Kurz vor Ausbruch der Pandemie übernahmen sie und Khuat den Betrieb und zogen von Konstanz nach Dietikon.

Wegen der Corona-Einschränkungen widmeten sie dem Ausbau und der Einrichtung des Restaurants besonders viel Zeit. «Wir haben uns grosse Mühe gegeben und viel Liebe hineingesteckt», sagt Ha, als sie durch die Räume führt. Die Dekoration und das Geschirr stammen aus einem kleinen Dörfchen nahe Hanoi, das bekannt für sein Porzellan- und Keramik-Kunsthandwerk ist. Ha bleibt vor einem künstlichen Papaya-Bäumchen beim Eingang stehen. «Papaya-Salat ist in Vietnam sehr beliebt. Zudem gilt die Frucht als Glücksbringer. Deshalb heisst unser Restaurant auch ‹Dudu›. Das bedeutet Papaya auf Vietnamesisch.»

Erinnerungen an die Heimat: Die Gäste sollen sich wie in Vietnam fühlen. Der künstliche Papayabaum spielt auf den Namen der Gaststätte an. «Dudu» bedeutet auf Vietnamesisch Papaya und gilt dort als Glücksbringer.

Erinnerungen an die Heimat: Die Gäste sollen sich wie in Vietnam fühlen. Der künstliche Papayabaum spielt auf den Namen der Gaststätte an. «Dudu» bedeutet auf Vietnamesisch Papaya und gilt dort als Glücksbringer.

Severin Bigler

Corona und die Limmattalbahn-Baustelle setzen ihnen zu

Seit der Eröffnung des Restaurants im März kommen Kundinnen und Kunden nur vorbei, um ihr Essen abzuholen. Bewirten durften Ha und Khuat noch niemanden. «Unsere Gerichte liefern wir auch selbst aus. Oder sie werden über Uber Eats oder Smood zugestellt», sagt Khuat. Doch nun ist es endlich so weit, das Wirtepaar und seine zwei Angestellten können ab Montag Gäste im «Dudu» willkommen heissen. «Wir sind sehr froh, dass wir richtig loslegen können», sagt der 38-Jährige. Nicht nur die coronabedingten Einschränkungen, sondern auch die Baustelle der Limmattalbahn mit der Umleitung macht ihnen zu schaffen. «Wir hoffen deshalb, dass die Leute nun bei uns vorbeikommen, damit wir sie von uns überzeugen können. Wenn es ihnen schmeckt, werden sie uns wieder besuchen und uns weiterempfehlen», sagt Ha.

Unbedingt probieren: Die Spezialität des Hauses ist Pho – eine vietnamesische Suppe mit vegetarischen und fleischigen Einlagen wie Sojasprossen, Rindsfilet, Tofu, Fleischbällchen oder knuspriger Ente.

Unbedingt probieren: Die Spezialität des Hauses ist Pho – eine vietnamesische Suppe mit vegetarischen und fleischigen Einlagen wie Sojasprossen, Rindsfilet, Tofu, Fleischbällchen oder knuspriger Ente.

Severin Bigler

Mehrmals vorbeizukommen scheint naheliegend, wenn man die lange Liste der vietnamesischen Spezialitäten auf der Speisekarte erblickt. Auf jeden Fall probieren sollte man die vietnamesische Suppe Pho. Ha bereitet sie nach alter Familientradition zu. «In Hanoi und Nordvietnam zeichnet sich die Suppe dadurch aus, dass sie acht Stunden lang gekocht wird. So gehen wir sicher, dass die Brühe den aromatischen Geschmack der Rinds- und Hühnerknochen annimmt», sagt Ha. Je nach Gusto kann man die Suppe mit Tofu, knuspriger Ente, Rindfleischbällchen oder Rindsfilet bestellen.

Vietnamesisches Baguette für Einsteiger

Auch die Vorspeisen Banh Xeo, gefüllte Reiscrêpes, und Banh Cuon, gedämpfte Reistaschen, dürfen als Vorspeise nicht fehlen. Sushi steht ebenso auf dem Menu. Wer noch etwas zurückhaltend ist, was die asiatische Küche anbelangt, sollte ein Banh Mi kosten. Das vietnamesische Baguette mit Rinds Short Rib – ein kulinarischer Zeuge der französischen Kolonialzeit – eignet sich für Einsteiger. Saigon-Bier, vietnamesischer Eiskaffee, verschiedene Smoothies und eine erfrischende Limetten-Limonade runden das Angebot ab.

Man sollte mehrmals kommen, um die vielen Gerichte zu probieren: Neben den bekannten Frühlings- und Sommerrollen finden sich unter den Vorspeisen auch Banh Cuon, gedämpfte Reistaschen, (rechts unten) und Xien Bo La Lot, Rindfleischspiesse im Senfblatt (oben mitte).

Man sollte mehrmals kommen, um die vielen Gerichte zu probieren: Neben den bekannten Frühlings- und Sommerrollen finden sich unter den Vorspeisen auch Banh Cuon, gedämpfte Reistaschen, (rechts unten) und Xien Bo La Lot, Rindfleischspiesse im Senfblatt (oben mitte).

Severin Bigler

Ha und Khuat können es kaum abwarten, die Gäste im «Dudu» zu begrüssen. «Meine Grosseltern und Tanten betrieben ein Restaurant in Hanoi. In meiner Familie wird das gemeinsame Kochen und Essen zelebriert», sagt Ha. «Dieses Gefühl möchten wir nun auch unseren Gästen vermitteln.»