Mein Ding: Schiesssport
«Wer meint, hier einen auf Rambo machen zu müssen, der fliegt schnell wieder raus»: Vereinspräsident Remo Lüscher wählt seine Schützen mit Bedacht

Seit etwa acht Jahren ist Remo Lüscher Präsident der Pistolen-Schützen Dietikon. In Unterschied zu vielen anderen Vereinen in der Region hat er keine Probleme, neue Mitglieder zu finden. Umso mehr bemüht sich der 63-Jährige, nicht die falschen Leute anzuziehen.

Sven Hoti
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«Es geht um Gruppendenken, Selbstakzeptanz und darum, seinen Körper besser kennen zu lernen», sagt Remo Lüscher, Präsident der Pistolen-Schützen Dietikon.

«Es geht um Gruppendenken, Selbstakzeptanz und darum, seinen Körper besser kennen zu lernen», sagt Remo Lüscher, Präsident der Pistolen-Schützen Dietikon.

Valentin Hehli

Wir befinden uns im Untergeschoss der Schiessanlage Reppischtal in Dietikon. Bis auf uns sind an diesem Freitag keine anderen Personen vor Ort. «Ich will hier eigentlich nicht mit der Waffe herumfuchteln», sagt Remo Lüscher, Präsident der Pistolen-Schützen Dietikon. Er bekomme bereits genügend verärgerte Kommentare zu hören wegen seines Hobbys. Für ein Foto nimmt er seinen Revolver der Marke Smith & Wesson dann aber doch in die Hand.

Lüscher ist seit den 1990er-Jahren – so ganz genau weiss er es auch nicht mehr – Mitglied der 1968 gegründeten Pistolen-Schützen Dietikon. Seit etwa acht Jahren amtet der 63-Jährige als Vereinspräsident. Mindestens so lange setzt er sich bereits dafür ein, dass der Schiesssport als das angesehen wird, was er seiner Meinung nach auch ist: ein Sport.

«Die Polizei oder das Militär benutzt Waffen. Wir trainieren hier mit Sportgeräten»,

pflegt er zu betonen. Die Unterscheidung ist ihm wichtig.

Die Schiessanlage der Pistolen-Schützen Dietikon im Reppischtal verfügt über eine 50-Meter- (links) sowie eine 25-Meter-Anlage.

Die Schiessanlage der Pistolen-Schützen Dietikon im Reppischtal verfügt über eine 50-Meter- (links) sowie eine 25-Meter-Anlage.

Valentin Hehli

Auf der Schiessanlage Reppischtal trainieren sowohl der Schiessverein Dietikon als auch die Pistolen-Schützen Dietikon. Letztere im unteren Stockwerk auf eine 25-Meter- sowie eine 50-Meter-Anlage. Geschossen wird donnerstags und samstags mit Sportpistolen-Kleinkaliber, Ordonnanzpistolen und freien Waffen. Es wird vor allem das sportliche Schiessen gepflegt. Aber auch das Obligatorische und das Feldschiessen können absolviert werden. Seit 2015 bietet der Verein zudem Luftpistolenkurse im Bergermoos in Urdorf an.

Im Unterschied zu vielen anderen Vereinen im Limmattal kennen die Pistolen-Schützen keinen Mitgliederschwund. Im Gegenteil: Seit er in den 1990er-Jahren eingestiegen ist, sei die Mitgliederzahl von 30 auf 100 angestiegen, sagt Lüscher. Darunter seien alljährlich rund 20 Jugendliche. «Ich glaube, das Pistolenschiessen ist spannender geworden», findet Lüscher. Seitdem Militärs aus dem Vorstand des Vereins verschwunden seien, sei der Ton untereinander freundlicher, das bislang militärisch geprägte Pistolenschiessen sportlicher geworden.

Auf der Schiessanlage Reppischtal trainiert auch das Militär: Ordannanzpistole mit Munition und Gehörschutz.

Auf der Schiessanlage Reppischtal trainiert auch das Militär: Ordannanzpistole mit Munition und Gehörschutz.

Valentin Hehli

Beim Nachwuchs profitiert der Verein stark von der Zusammenarbeit mit dem Dietiker Schulsport. Dieser bietet Jugend- und Sportkurse auf der Schiessanlage an. Wer Mitglied im Verein werden will, muss mindestens fünfmal zum Schiessen erscheinen. Vorerfahrung brauche es keine, sagt Lüscher. Wichtiger sei, dass die Mitglieder ins Bild passten. Bei den Trainingseinheiten sei immer auch ein Schützenmeister dabei. «Wer meint, hier einen auf Rambo machen zu müssen, der fliegt schnell wieder raus», sagt der Vereinspräsident. Er betont:

«Wir üben hier einen Sport aus und kämpfen nicht an der Front.»

Seine Aufgabe sei es, die Leute zusammenzubringen, den Teamgedanken zu fördern und den Mitgliedern beizubringen, dass auch Fehler passieren könnten und zum Leben dazugehörten. Der Vater zweier erwachsener Kinder sagt:

«Die Hauptsache ist, man bringt die Jungen weg von der Strasse, weg vom Handy, um etwas Nützliches in der Gruppe zu machen.»

Wichtig sei auch, das Verständnis der Eltern zu gewinnen. Dafür veranstaltet Lüscher Elterntage: «Ich erzähle ihnen dann jeweils, dass wir mehr machen als Schiessen. Es geht um Gruppendenken, Selbstakzeptanz und darum, seinen Körper besser kennen zu lernen.»

Lüschers eigener Revolver: eine Smith & Wesson 38 Magnum.

Lüschers eigener Revolver: eine Smith & Wesson 38 Magnum.

Valentin Hehli

Der 63-Jährige ist auf ungewöhnlichem Wege zum Verein gestossen: Nach einem Elektrotechnik-Studium an der ETH Lausanne (EPFL) bildete er sich selbstständig in der Informatik weiter, gründete später eine eigene Firma in Birmensdorf. Er entwickelt Anwendungen für Optiker – damals ein Nischengeschäft, so Lüscher. Über Umwege wurde er angefragt, ob er für den Verein ein Programm schreiben könne, mit dem sich die Kontaktdaten der Mitglieder und öffentliche Sektionswettkämpfe verwalten liessen. Er sagte zu und rutschte so in den Schiesssport hinein.

«Letztlich hat es mich einfach gepackt»,

sagt er. Diverse Weiterbildungskurse als Instruktor und für den Schulsport im Rahmen von Jugend+Sport folgten.

Was seinen Job als Informatiker angeht, denkt der 63-Jährige bereits über den baldigen Ruhestand nach. Seine Vereinstätigkeit will er aber noch eine Weile weiterführen. «Mich fasziniert die Energie, die durch die Geräte entsteht», erklärt Lüscher. Für ihn ist der Sport ein Gesundheitsmesser: «Wenn ich gute Resultate erziele, dann weiss ich, dass mit dem Körper alles stimmt. Wenn ich allerdings keine Ruhe finde, dann ist das ein Zeichen dafür, dass mich etwas stresst.»

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