Dietikon
Goodbye, Mr. Nötzli! Schwer verletzter Schwan wurde erlegt

Der Schwan hatte einen gebrochenen Flügel und wahrscheinlich weitere innere Verletzungen. Auf Geheiss der Kantonspolizei Zürich hat ein Wildhüter das erwachsene Männchen von seinen Schmerzen befreit.

Sven Hoti
Drucken
Teilen
Sein letzter Nachmittag: Der Schwanenvater war kurz vor seinem Tod in einem schlechten Zustand.

Sein letzter Nachmittag: Der Schwanenvater war kurz vor seinem Tod in einem schlechten Zustand.

zvg/Gerold Guggenbühl

Die Schwanenfamilie von der Dietiker Nötzliwiese hat ein Mitglied verloren: Der Vater der drei Jungschwäne und Partner einer Schwänin ist am Abend des 20. Juli von einem Wildhüter erlegt worden. Dies hat die «Limmattaler Zeitung» von Leser Gerold Guggenbühl erfahren, der dem Schwan in seinem Blog eine Hommage widmete. Vor etwas mehr als zwei Monaten hatte das Schwanenpaar noch Nachwuchs bekommen.

«Als ich Mr. Nötzli am späten Nachmittag des 20. Julis mit wohl gebrochenem Flügel auf der Nötzliwiese stehen sah, wusste ich sofort, dass es das Ende von ihm bedeutet», schreibt Guggenbühl, der als Hobby-Fotograf Vögel im Limmattal ablichtet. An diesem Tag sei der Schwan «apathisch und traurig» mit herunterhängendem Flügel auf der Wiese gestanden. «Der Wildhüter tat am Abend seine Pflicht. Mr. Nötzli ist nicht mehr.»

Im Frühjahr kamen die Jungtiere zur Welt: die Dietiker Schwanenfamilie bei einem Schwumm auf der Limmmat.

Cynthia Mira

Seit Guggenbühl und seine Lebensgefährtin im Jahr 2013 nach Dietikon gezogen sind, besuchten sie regelmässig die Schwanenfamilie auf der Nötzliwiese. «Das Männchen ist uns einfach ans Herz gewachsen», sagt er.

«Er hatte eine unglaubliche Persönlichkeit, war immer ruhig und wurde nie aggressiv. Es hat uns grausam wehgetan, als wir ihn so gesehen haben.»

Der über 15 Kilogramm schwere Höckerschwan – über sein Alter ist nichts bekannt – war an seinem Todestag in einem schlechten Zustand, wie der zuständige Wildhüter, der anonym bleiben möchte, auf Anfrage mitteilt. Das Tier habe nicht mehr Laufen können und habe sich praktisch widerstandslos einfangen lassen. Dies sei ungewöhnlich:

«Wenn ein Wildtier bei fremder Annäherung nicht flüchtet, dann stimmt mit ihm etwas nicht.»

Der Schwan hatte laut dem Wildhüter einen gebrochenen Flügel und wohl noch weitere innere Verletzungen. Er vermutet, dass ein Anwohner der Nötzliwiese den Schwan gesehen und die Polizei kontaktiert hatte. Die Verkehrsleitzentrale Letten der Kantonspolizei Zürich habe ihn schliesslich mit der Tötung des verletzten Tiers beauftragt. Auch für ihn seien solche Aufträge nie leicht, betont der Wildhüter.

Verletzt sich ein Wildtier schwer, bleibt den Behörden oft nichts anderes übrig, als dieses zu erlegen. Vor allem bei Schwänen, Gänsen und Reihern sind die Regeln in der Schweiz strikt. Sie dürften «nur in Ausnahmefällen und nur zur Euthanasie» ins Tierspital gebracht werden, schreibt die Stiftung Tierrettungsdienst auf ihrer Website. «Ein Tierarzt macht sich strafbar, wenn er ein solches Wildtier versucht, aufzupäppeln», bestätigt der Dietiker Jagdaufseher Adrian Stutz.

Kontakt mit den Tieren vermeiden

Häufig verletzten sich Schwäne bei Revierkämpfen mit anderen Schwänen oder wenn sie in Autos oder Leitungen hineinflögen, erklärt Stutz. Findet ein Passant ein verletztes Tier, soll er direkt die Polizei unter der Notrufnummer 117 anrufen, empfiehlt er. Diese verbinde ihn dann direkt mit dem für die entsprechende Region zuständigen Jagdaufseher oder Wildhüter.

Stutz rät davon ab, den Tieren selbst helfen zu wollen. Er nennt das Beispiel von jungen Schwänen, die nach dem Kontakt mit Passanten von den Eltern nicht mehr erkannt und ertränkt wurden. Der Jagdaufseher sagt:

«Die Natur ist schön, aber grausam. Das vergessen wir manchmal in unserer hochkultivierten Gesellschaft.»

Aktuelle Nachrichten