Dietikon
Der Dornröschenschlaf ist vorbei: «Jetzt ist der Zeitpunkt, wo die Vereine Pläne fassen müssen»

Veranstaltungen können wieder stattfinden, doch die Dietiker Vereinswelt ist noch immer gezeichnet von der Krise. Das Kartell der Ortsvereine Dietikon will seine Mitglieder jetzt wieder fit machen für die Zeit nach Corona.

Sven Hoti
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Die Dietiker Vereinswelt erwacht nach monatelanger Zwangspause allmählich wieder aus dem Tiefschlaf.

Die Dietiker Vereinswelt erwacht nach monatelanger Zwangspause allmählich wieder aus dem Tiefschlaf.

Themenbild: Britta Gut (1. Dezember 2020)

Ob Wasserfitness in der Luberzen, Theater im Gleis 21 oder Line Dance im Alters- und Gesundheitszentrum: Während der vergangenen Monate mussten Mitglieder von Vereinen auf vieles verzichten. Seit kurzem sind Vereinsaktivitäten eingeschränkt wieder erlaubt. Die Vereine freuen sich auf den Neubeginn — und blicken optimistisch in die Zukunft.

«Es brennen alle darauf, wieder loszulegen»,

sagt Jean-Pierre Balbiani vom Dietiker Seniorenrat. Der Verein habe zwar noch nichts Konkretes geplant. Im Herbst will er jedoch alle Aktivitäten wieder durchführen. Völlig untätig bleibt der Seniorenrat bis dahin nicht. So fand der Lesezirkel im April nach über einem Jahr Pause wieder statt — zum ersten Mal virtuell. Seit Anfang Mai stehen zudem auch Line-Dance-Kurse wieder auf dem Programm.

Treffen im virtuellen Raum: Der Dietiker Seniorenrat verschob seinen Lesezirkel ins Internet.

Treffen im virtuellen Raum: Der Dietiker Seniorenrat verschob seinen Lesezirkel ins Internet.

Bild: Peter Kunz/zvg

Auch der Frauenverein in Dietikon nimmt wieder Fahrt auf. Der Verein habe ein «normales» Jahresprogramm geplant, sagt Präsidentin Esther Schasse. Angefangen beim Sommerapéro in der Dietiker «(G)artenvielfalt».

«Wir sind optimistisch, alles andere nützt ja nichts»,

meint Schasse. Inzwischen könne das Wasserfitness in der Luberzen und das Turnen im reformierten Kirchgemeindehaus wieder durchgeführt werden. Die Sprachkurse in der Schöneggstrasse sollen nach den Frühlingsferien folgen.

Das Theater Dietikon plant ebenfalls bereits in den Sommer. Der Verein wechselte mit seinen Veranstaltungen im vergangenen Jahr aus Platzgründen vom Stadtkeller ins Gleis 21. Am 4. Dezember 2020 fand die letzte Aufführung statt. Nach den Sommerferien soll es am 28. August im Rahmen des Theatertags weitergehen, erklärt Vereinspräsidentin Simone Neff. Die Vorfreude sei gross: «Es gibt viele, die das missen.»

Will die Vereine wieder ins Rampenlicht rücken: Pascal Stüssi, Präsident des Kartells der Ortsvereine Dietikon.

Will die Vereine wieder ins Rampenlicht rücken: Pascal Stüssi, Präsident des Kartells der Ortsvereine Dietikon.

Bild: zvg

Der Präsident des Kartells der Ortsvereine Dietikon, Pascal Stüssi, begrüsst die zuversichtliche, vorausschauende Planung der Vereine. «Jetzt ist langsam der Zeitpunkt, wo die Vereine Pläne fassen und auf die Karte setzen müssen, dass sie diese durchführen können», sagt Stüssi, der auch Juniorenobmann beim FC Dietikon ist. «Wir vom FCD planen auch schon Aktivitäten im Sommer.»

Das Kartell will bei der Wiederaufnahme der Vereinsaktivitäten als Anschubmotor fungieren. In den nächsten Monaten plant es deshalb verschiedene Workshops und Anlässe mit seinen Mitgliedern, welche die Vereine zurück ins Gedächtnis der Dietikerinnen und Dietiker rufen sollen. Stüssi hebt dabei den Tag der offenen Vereinstüren im Herbst hervor, wo sich die Vereine der Bevölkerung präsentieren können.

Duo Lapsus soll fürs Vereinsleben werben

Zudem arbeitet das Kartell zusammen mit der Stadt Dietikon an einem Imagefilm über das Thema Vereinsleben. Dazu steht Stüssi laut eigenen Aussagen mit dem Dietiker Standortförderer Adrian Ebenberger und dem Komikerduo Lapsus in Kontakt. Das Duo war vor wenigen Monaten bereits für eine Imagekampagne der Stadt Dietikon vor der Kamera gestanden.

Für die Vereine in Dietikon seien die vergangenen Monate schwer gewesen, gibt Stüssi zu. Neben den Aktivitäten hat auch das Miteinander gefehlt. «Gerade in Zeiten von Corona, wo man sonst schon wenige Kontakte hatte, fehlte auch noch dieser Austausch.» Besonders schwierig sei der monatelange Unterbruch für junge Sportler im Spitzenbereich gewesen, so Stüssi.

Zudem hätten die Vereine durch den Wegfall der Veranstaltungen aber auch einen Teil ihrer Einnahmen verloren. Und auch auf Sponsorenseite dürfte die Coronakrise teils Spuren hinterlassen haben, so etwa bei Restaurants. Stüssi:

«Ich kann mir gut vorstellen, dass der eine oder andere Sponsor in Bedrängnis gekommen ist.»

Als grösste Herausforderung bezeichnet Stüssi die Zeit während des ersten Lockdowns im Frühling 2020: «Es war Hektik pur.» Zuerst der komplette Stillstand des Vereinslebens. Danach die allmähliche Rückkehr unter Einhaltung der Schutzmassnahmen. «Die Vereine mussten Knall auf Fall ein Schutzkonzept erstellen. Kein Mensch hat vorher je so etwas gemacht», sagt Stüssi.

Solidarität unter den Vereinsmitgliedern war gross

Während der Coronakrise verschwanden einzelne Vereine ganz von der Bildfläche. Das Kartell der Ortsvereine Dietikon verzeichnete im vergangenen Jahr neun Austritte – laut Stüssi mehrheitlich Vereine, die sich aufgelöst haben. Gleichzeitig kamen sieben Neue hinzu, so etwa das Gleis 21, die Amici del Vino und die Freunde der Buddhafiguren. Die Solidarität unter den Mitgliedern der verschiedenen Vereine während dieser Zeit sei gross gewesen, sagt Stüssi.

«Man ist zum Verein gestanden getreu dem Motto: ‹In guten wie in schlechten Zeiten›.»

Rückblickend habe die Coronakrise den Dietiker Vereinen einen medialen Schub verpasst, so Stüssi. Die Vereine hätten sich mehr mit den digitalen Kanälen auseinandersetzen müssen. Er nennt etwa das Beispiel von online abgehandelten Vorstandssitzungen: «Was vorher undenkbar war, erwies sich als durchaus umsetzbar.» Viel mehr jedoch sei die Wertschätzung gegenüber dem Vereinsleben gewachsen, findet Stüssi. «Man hat gelernt, dass nichts selbstverständlich ist und gesehen, wie schön es doch eigentlich ist, zusammen zu sein.»

Das FC-Dietikon-Zelt steht jetzt bei der «Krone»

Die «Krone» hat das Vereinszelt des FC Dietikon auf unbestimmte Zeit gemietet.

Die «Krone» hat das Vereinszelt des FC Dietikon auf unbestimmte Zeit gemietet. 

Bild: Sven Hoti

Mit seinem grossen rot-weissen Zelt machte der FC Dietikon schon in der Vergangenheit an verschiedenen Anlässen auf sich aufmerksam. Und er nahm auch den einen oder anderen Franken ein, wenn er es vermietete. Nun steht es auf der Gartenterrasse der «Krone». Das Restaurant habe das Zelt gemietet, erklärt FCD-Vereinspräsident Renato Casanova. Die Anfrage kam vom Gastgeber und Küchenchef des Restaurants, Heinz Schenkel. Dieser war angesichts des Wetters froh darum, wie er auf Anfrage sagt. Am Mittwoch öffnete die «Krone» ihre Tore nach langer Absenz wieder. Das Zelt sei am ersten Tag bereits voll ausgebucht gewesen, so Schenkel. Es soll nun noch so lange auf der Terrasse stehen bleiben, bis die Innenräume der Restaurants wieder öffnen dürfen.