Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat dicke Post erhalten. Es geht um das Gateway-Limmattal-Projekt von SBB Cargo. 42 Seiten beträgt alleine die Stellungnahme, die die Stadt Dietikon nach Bern geschickt hat. Verfasst wurde sie von der auf Baurecht spezialisierten Anwältin Marianne Kull sowie Stadtschreiberin und Juristin Karin Hauser. Das BAV sammelt im Rahmen des laufenden Plangenehmigungsverfahrens die Reaktionen auf das im Limmattal ungeliebte Projekt. Dann ist es Zeit für SBB Cargo, den Vorwürfen zu begegnen. Die Einsprachefrist lief gestern ab. Gemäss BAV sind acht Einsprachen eingegangen.

Dass Dietikon Einsprache erheben wird, war von Beginn der Frist an klar. Offen blieb die Argumentationsweise. Die Stadt Dietikon wirft SBB Cargo vor, mit ihrem Gateway-Projekt Rechtsnormen verletzt zu haben, wie Stadtpräsident Otto Müller auf Anfrage erklärt. Müller kritisiert mehrere Punkte:

• Der Umweltverträglichkeits-Bericht sei «unsorgfältig und fehlerhaft». So lege SBB Cargo dem Bericht falsche Lärmwerten und falsche Verkehrszahlen zugrunde. Auch die Lichtverschmutzung durch den Terminal sei nicht berücksichtigt.

• Die von SBB Cargo favorisierte Zufahrtsvariante zum Gateway führe durch ein Wohn- und Grundwasserschutzgebiet, was im Bericht nicht berücksichtigt worden sei. Zudem habe SBB Cargo von den vier Zufahrtsvarianten jene ausgewählt, die vom Stadtrat als ungeeignet abgelehnt wird.

• Der Gateway sei mit den drei 25 Meter hohen Kranen nicht auf die Umgebung abgestimmt, was bei derartigen Projekten gemäss Raumplanungsgesetz vorgeschrieben sei.

Die Kritik am Projekt ist aber nicht nur technischer Natur. Stadtpräsident Müller bestreitet grundsätzlich die Notwenigkeit eines Gateway. Der Terminal Rekingen (AG) habe noch genügend Reserven. Zudem bezweifelt Müller, dass vom Gateway Limmattal aus 80 Prozent der Container per Bahn und nur 20 Prozent per Lastwagen weitertransportiert werden können. Dieses vom Kantonsrat auf Druck der Limmattaler im Richtplan festgeschriebene Verhältnis wird laut Müller von Experten angezweifelt. Es sei nur aufrecht zu erhalten, wenn der Statistik willen, leere Container weitertransportiert würden. Das sei jedoch wirtschaftlicher Unsinn.

Dietikon bekämpft das Projekt, seit die SBB-Cargo-Pläne vor bald zehn Jahren bekannt geworden sind. Aber nur wer jetzt Einsprache erhebt, kann auch in Zukunft Einfluss nehmen.

Neben Dietikon haben auch die Gemeinden Oetwil und Geroldswil sowie Spreitenbach Einsprache erhoben. Letztere verlangt laut Ammann Valentin Schmid eine Umweltverträglichkeitsprüfung. «Uns geht es vor allem darum, die Bevölkerung vor den Auswirkungen des Gateway zu schützen», so Schmid.

Gestern machten auch die AL Limmattal und die SP Dietikon ihre Einsprachen öffentlich. Die AL verlangt die Rückweisung des Projekts. Sie argumentiert gleich wie die Stadt Dietikon, kritisiert falsche Grundlagen, die Beeinträchtigung des Ortsbildes, Lärm- und Lichtimmissionen, den unzureichenden Grundwasserschutz sowie die Erschliessungsvariante. So hatte vor kurzem auch das regionale Komitee «Gateway: So nicht!» argumentiert.

SP droht zu Gegnern zu wechseln

Die SP bleibt ihrer Linie der letzten Jahre treu und befürwortet das Projekt. Sie kritisiert aber Details, namentlich die Erschliessung. Sie habe über die Mutschellenstrasse und die Autobahn zu erfolgen. Weiter fordert die SP den Schutz des Wohngebiets Niderfeld und eine Begrenzung der Lastwagenfahrten auf maximal 140 pro Tag. Die SP warnt: «Werden nicht grundlegende Verbesserungen erzielt, wird sich auch die SP auf die Seite der Opposition schlagen müssen.»