Bezirksgericht Dietikon
Verdeckter Fahnder schnappt Kosovare in Schlieren – er konsumierte und verkaufte Kokain und Gras

Nicht zum ersten Mal stand ein Kosovare vor Gericht. Er soll seit April 2019 Drogen verkauft und sie auch konsumiert haben. In Schlieren geriet er dabei an einen verdeckten Fahnder der Polizei.

Larissa Gassmann
Drucken
«Regelmässig, mindestens einmal wöchentlich bis jeden zweiten Tag» konsumierte der Kosovare Kokain.

«Regelmässig, mindestens einmal wöchentlich bis jeden zweiten Tag» konsumierte der Kosovare Kokain.

Themenbild: Keystone

Es ist ein kleiner Fisch, der den Beamten im Oktober 2020 ins Netz ging. Nichtsdestotrotz musste sich der Kosovare am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Er soll nicht nur mehrere Monate lang Kokain und Marihuana konsumiert haben, sondern dieses auch verkauft haben, um seinen Eigenkonsum zu decken.

Vor Gericht sprach der Angeklagte wenig. Drogen nehme er nun keine mehr. Über seine Zukunftspläne sagte der 29-Jährige, er wolle «eine Frau finden, eine Familie gründen und gesund bleiben». Das sei das Wichtigste. Auf ein Schlusswort verzichtete er, ebenfalls schweigsam war sein Anwalt. Es war ein abgekürztes Verfahren. Auf eine ausführliche Befragung und auf ein Plädoyer wurde verzichtet. So hatte sich der Angeklagte bereits vor dem Gerichtsverfahren vollumfänglich geständig gezeigt.

Laut Anklageschrift verkaufte er ab zirka April 2019 bis Mitte August 2020 an rund 20 bis 30 Abnehmer Marihuana. Den Stoff rauchte er selbst schon länger. Dazu gesellte sich im vergangenen Jahr der Kauf und Konsum von Kokain. Letztgenanntes geschah «regelmässig, mindestens einmal wöchentlich bis jeden zweiten Tag». Dabei bezog der Kosovare bis zu seiner Verhaftung monatlich zwischen 20 und 40 Gramm Kokain. Rund die Hälfte davon nutzte er für den Weiterverkauf, den Rest behielt er für sich. Die letzten 40 Gramm liess er sich 3200 Franken kosten, wobei er bloss eine Anzahlung leistete und die andere Hälfte nach dem Weiterverkauf begleichen wollte. So verkaufte er das Kokain an «rund 10 bis 15 unterschiedliche, nicht näher bekannte Abnehmer», wie die Anklage festhält. In Schlieren geriet er an einen Fahnder der Kantonspolizei, der für zehn Gramm brutto 800 Franken bezahlte.

«Mehr als nur ein einmaliger Ausrutscher»

Das Gericht hat den Kosovaren nun schuldig gesprochen. Was den Verkauf der Drogen betrifft, so sei der Angeklagte «kein grosser Drahtzieher», hielt Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher fest. Grossen Profit habe er nicht erzielt, es sei dem Kosovaren darum gegangen, seinen Konsum zu finanzieren. Obwohl die verkaufte Menge «relativ geringfügig» sei und der Angeklagte wenig professionell vorgegangen sei, liege aber ein qualifizierter Fall von Drogenhandel vor. Es sei «mehr als nur ein einmaliger Ausrutscher».

«Erheblich ins Gewicht» fällt aber, dass der Beschuldigte ein volles Geständnis abgelegt und über den Ein- und Verkauf ausgesagt hat. Leicht straferhöhend wirkt laut Aeschbacher wiederum, dass der Kosovare bereits eine Vorstrafe für das Fahren in fahrunfähigem Zustand hat. Ein Teil seines neuerlichen Drogenkonsums fällt dabei in die 2017 angesetzte Probezeit. Diese wird nun um ein weiteres Jahr verlängert. Es wird aber darauf verzichtet, dass er die 2017 bedingt ausgesprochene Geldstrafe bezahlen muss.

Der Kosovare wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren und einer Busse in Höhe von 500 Franken verurteilt. Dazu kommen die Gerichtsgebühr und weitere Auslagen. Von einem «theoretisch möglichen Landesverweis» wird derweil abgesehen. So sei der Beschuldigte hier aufgewachsen, spreche Schweizerdeutsch und sei beruflich gut integriert. Vorstrafen betreffend Drogenhandel besitzt er keine. Wie Richter Aeschbacher sagte, gehe er davon aus, dass dem Beschuldigten die zwei Tage Haft «eingefahren sind» und ihre Wirkung gezeigt haben. Sollte dem aber nicht so sein und sollte der Kosovare bald wieder straffällig werden, so wird nicht nur die Freiheitsstrafe vollzogen, sondern auch die Geldstrafe aus dem Jahr 2017.