SRF-Dok-Film
«Jeder kann sie überall anfassen»: Verurteilter Vergewaltiger Hassan Kiko bestreitet Tat noch immer

Er, ein Gefängnisinsasse – sie, seine Gefängnisaufseherin: Ihre gemeinsame Flucht 2016 aus dem Bezirksgefängnis Dietikon war filmreif und hielt die Schweiz für einen Moment in Atem, bis die beiden in Italien geschnappt wurden. Im neuen SRF-Dokumentarfilm über ihre Flucht stellen sich das heutige Ehepaar Hassan Kiko und Angela Magdici als Opfer dar.

David Egger
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Das Schweizer Fernsehen SRF erzählt in einem 50-minütigen Dokumentarfilm die Geschichte des Häftlings Hassan Kiko und der Aufseherin Angela Magdici neu. Die beiden waren am 8. Februar 2016 aus dem Gefängnis Limmattal geflüchtet. Der Rest ist Geschichte – und zwar eine, die unbedingt verfilmt werden muss. Jedenfalls sagte schon SRF-Moderator Arthur Honegger in einer Nachrichtensendung nach der Flucht: «Der Fall Dietikon ist filmreif.» Dieses Honegger-Zitat bringt Filmemacher Rolando Colla gleich in Minute 2 des Films:

Der Film zeichnet insbesondere die Liebesgeschichte hinter dem Ausbruch nach. Das steht im Vordergrund.

Aber es gibt auch noch eine andere Geschichte: Kiko ist ein verurteilter Vergewaltiger.

«Jeder kann sie überall anfassen»

«Jeder kann sie überall anfassen, weil sie billig ist»: Das sagte Kiko gegenüber den Un­tersuchungsbehörden über die 15-Jährige, die er 2014 in Schlieren vergewaltigt hat. 2016 vor Obergericht erzählte er, wie das Mädchen davon besessen gewesen sei, nur Minuten nach dem Kennenlernen mit ihm in ein Auto zu steigen, um Sex zu haben. «Seine Schilderung ähnelt dem Drehbuch eines Pornofilms, von denen er vielleicht zu viele gesehen hat», sagte Staatsanwalt Markus Oertle vor dem Obergericht, das Kiko – wie schon 2015 das Bezirksgericht Dietikon – erneut verurteilte. «Es war eine Vergewaltigung und keine sexbesessene 15-Jährige», titelte die «Limmattaler Zeitung» tags darauf. Das Urteil: vier Jahre unbedingt. 2014 war Kiko schon im Thurgau zu dreieinhalb Jahren verurteilt worden, wegen sexueller Nötigung und versuchter Vergewaltigung.

Kiko und Magdici streiten die Tat von Schlieren ab. «Das hat zu 100 Prozent nicht stattgefunden», sagt zum Beispiel Angela Magdici, «es gibt keinen einzigen Beweis für diese Geschichte.» Und Kiko sagt, angesprochen auf die Videobotschaft, die er und Magdici aus Italien abgesandt hatten, um mit der Zürcher Justiz einen Deal auszuhandeln: «Ich wollte nur einen fairen Prozess. Aber es ist dann noch schlimmer geworden, viele Medien, viel Blabla.»

«Viel Blabla»: Täter Hassan Kiko. Fahndungsfotos der Polizei mit Angela Magdici aus dem Jahre 2016.

«Viel Blabla»: Täter Hassan Kiko. Fahndungsfotos der Polizei mit Angela Magdici aus dem Jahre 2016.

Bild: zvg/Kapo ZH

Solange die Medien allerdings das Täter-«Blabla» transportieren, kommen sie natürlich wie gerufen – so wie jetzt SRF. Kiko und Magdici – seit der Heirat im Gefängnis Lenzburg 2017 lautet auch ihr Nachname Kiko –, sprechen auch darüber, wie sie in ihrem Versteck in Italien am 25. März 2016 gefasst wurden.

«Und dann haben sie ihn verprügelt»

«Plötzlich hat es geklopft an der Tür», sagt Magdici, «aber wir haben nicht geöffnet.» Da knallte die Polizei die Tür selber weg. «Ich sah nur die Pistole auf meinen Kopf gerichtet und sie haben angefangen, mich zu schlagen», erzählt Kiko. «Wir haben nichts gemacht, die Polizei hat geschrien, mich weggezogen und dann haben sie ihn verprügelt», erzählt die Ex-Thaiboxerin Angela Magdici.

«Ich bin dann ausgerastet und habe dem Chef der Operation so einen verdammten Kick an den Kopf gegeben. Ich habe mich irgendwie wehren müssen», erzählt die verurteilte Fluchthelferin unter Tränen.

Die Opfer von Kiko konnten sich nicht wehren. Ihre Tränen kommen im Dok-Film nicht vor.