Dietikon
Hip-Hop gegen Herzschmerz: Mit einfühlsamen Texten und tanzbaren Beats will er es als Künstler schaffen

Anthony Adekoya träumt von einer Musikkarriere und einer Kollaboration mit seinem Vorbild, dem Dietiker Rapper XEN. Vor kurzem veröffentlichte der 21-Jährige unter seinem Künstlernamen T. Tonz den Song «Party gxrl».

Sibylle Egloff
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Im Tonstudio in Glanzenberg ist sein neuestes Lied «Party gxrl» entstanden. Anthony Adekoya will als T. Tonz gross rauskommen.

Im Tonstudio in Glanzenberg ist sein neuestes Lied «Party gxrl» entstanden. Anthony Adekoya will als T. Tonz gross rauskommen.

Severin Bigler

Das Licht ist in ein dunkles Blau gehüllt. Die farbigen Tonspuren auf dem Bildschirm erhellen Anthony Adekoyas Gesicht. Der 21-Jährige sitzt in seinem Studio nahe dem Bahnhof Glanzenberg in Dietikon. Jede freie Minute verbringt er hier im Luftschutzkeller eines Mehrfamilienhauses – mit seinen Freunden, aber auch oft alleine. «Wir mieten den Raum zusammen, sie chillen hier und ich mache Musik», sagt Adekoya und grinst. Im gemütlich eingerichteten Rückzugsort der jungen Männer ist sein neuestes Lied «Party gxrl» entstanden.

Adekoya produziert, seitdem er 17 Jahre alt ist, unter dem Künstlernamen T. Tonz seine eigenen Hip-Hop-Lieder. Er schreibt die Texte, singt, rappt, kreiert die Beats und mischt alles zusammen. Teilweise arbeitet er auch in seinem Heimstudio zu Hause bei den Eltern ein paar hundert Meter entfernt des Studios. «Doch ich bin froh, dass ich seit einem Jahr diesen Ort habe. Hier habe ich meine Ruhe und niemand platzt unerwartet ins Zimmer.»

In seinem neuen Song verarbeitet der Dietiker früheren Liebeskummer.

«Ich habe mich kurz vor Ausbruch der Coronapandemie in ein Partygirl verliebt. Als sie schliesslich mit einem Kollegen von mir zusammenkam, hat sie mir das Herz gebrochen»,

erzählt Adekoya. Er habe seinen Schmerz im Studio verarbeitet. Das Resultat ist seit einer Woche auf Youtube zu hören.

Die neue Single «Party gxrl» von T. Tonz.

T. Tonz/YouTube

Adekoyas hohe Gesangsstimme erinnert an die des bekannten kanadischen Sängers The Weeknd. Trotz traurigem Text verleihen der tanzbare Beat und die eingängige Melodie dem Lied eine aufmunternde Note. Der Schöpfer zeigt sich mit seinem Werk zufrieden. «Es ist das beste Lied, das ich bisher herausgebracht habe. Das bestätigen mir auch meine Kollegen», sagt Adekoya. Dies liege wohl daran, dass die Musik in einem sehr emotionalen Moment entstanden sei.

Auf Fluchwörter verzichtet er bewusst

«Normalerweise schreibe und komponiere ich Lieder mit einem gewissen Abstand zu Ereignissen, die mich beschäftigen. In diesem Fall war es anders, ich habe mich noch am selben Tag ins Studio gesetzt und die puren Gefühle rausgelassen.» Fluchwörter, die in Hip-Hop-Texten häufig auftauchen, sucht man bei T. Tonz vergeblich. «Es ist mir wichtig, dass meine Lieder clean sind. Ich will schliesslich auch, dass meine Eltern sie anhören können», sagt der gläubige Christ.

Bereits als Kind entdeckte Anthony Adekoya seine Liebe für die Musik. In seiner Heimat Nigeria begann er zu singen und Lieder zu schreiben. In der Schweiz nahm er seine Kompositionen auf und erlernte die elektronische Musikproduktion.

Bereits als Kind entdeckte Anthony Adekoya seine Liebe für die Musik. In seiner Heimat Nigeria begann er zu singen und Lieder zu schreiben. In der Schweiz nahm er seine Kompositionen auf und erlernte die elektronische Musikproduktion.

Severin Bigler

Im Nachhinein ist er froh, dass er beim Partygirl abgeblitzt ist. «Sonst gäbe es den Song ja nicht», sagt Adekoya und lacht. Die Coronakrise verschaffte ihm mehr Zeit, sich auf seine Passion zu konzentrieren, das Lied zu vollenden und ein ansprechendes Musikvideo zu organisieren. Ein Freund aus Geroldswil entwarf es mit seiner Gruppe Vro Town.

Die Liebe zur Musik entdeckte der gelernte Detailhandelsfachmann, der im Spar in Weiningen arbeitet, in seiner Heimat Nigeria. Im Geburtsland von Fela Kuti, dem Begründer des Afrobeats, war Adekoya stets von Musik umgeben. «Unser Haus in Lagos war damals so gross, dass ich Lieder aus dem Radio und Fernsehen nachsang, um es mit Leben zu füllen. Meine Tante beobachtete mich heimlich und bei einer Auseinandersetzung mit meiner Schwester erwähnte sie meine schöne Stimme.» Da sei ihm bewusst geworden, dass er Talent habe. Adekoya begann im Alter von acht Jahren, Lieder zu schreiben. Sein Cousin, der Keyboard und Schlagzeug spielen konnte, ergänzte ihn. «Wir genossen es, gemeinsam Musik zu machen, und hatten viel Spass.»

Im Fondli sang er vor Eltern und Schulkameraden

Die Musik liess ihn in der Schweiz nicht los. Als Neunjähriger folgten er und seine Geschwister den Eltern nach Dietikon. In der Schule Fondli wurde man schnell auf Adekoyas Begabung aufmerksam. «An einem Eltern-Schüler-Anlass bat mich mein Klassenlehrer spontan, eine Gesangsdarbietung vor versammelter Menge zu geben. Meine Mutter filmte meinen Auftritt, und als ich das Video danach zu Hause anschaute, wurde mir klar, dass ich auf die Bühne will.»

Adekoya nahm im Jugendzentrum Dietikon Musik auf. «Weil ich während der Lehre jedoch nur wenig Zeit hatte, kaufte ich mir Boxen sowie ein Mikrofon und versuchte mein Glück zu Hause.» Überdies besuchte er Kurse für elektronische Musikproduktion an der School of Sound in Zürich. Eine gute Entscheidung: «Musik zu machen, bedeutet mir alles. Wenn ich schon nur daran denke, entfacht ein Feuer in meinem Herzen. Ich kann mich in eine andere Welt begeben und meine Sorgen vergessen.»

«Slow mo» von T. Tonz.

T. Tonz/YouTube

Adekoyas grösster Traum ist es deshalb, in der Musikszene Fuss zu fassen und seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Sein Vorbild ist nicht etwa ein amerikanischer Hip-Hop-Star, sondern ein Künstler von nebenan. «Rapper XEN aus Dietikon motiviert mich, weiterzumachen, vor allem in Momenten, in denen ich ans Aufgeben denke. Wenn er es als Dietiker geschafft hat, dann kann ich das auch», sagt der Musiker. Er habe XEN schon ein paar mal geschrieben und ihm Lieder geschickt. «Sie haben ihm gefallen und er hat mich in sein Studio eingeladen. Da er so beschäftigt ist, hat es bisher leider noch nicht geklappt.» Doch er hoffe noch immer, dass sich dieser Wunsch irgendwann einmal erfülle.

Auf andere verlassen will er sich aber nicht. Er macht derzeit eifrig Werbung auf Instagram, Snapchat und Tiktok. Sein neues Lied soll möglichst viele Klicks und Views auf Youtube und in den sozialen Medien erhalten. «Nur so wird man heutzutage im Musikgeschäft ernstgenommen.» Erst dann sei die Zeit reif, um an ein Album zu denken. Adekoyas längerfristiges Ziel ist es, ein Musiklabel zu finden, das ihn beim Vertrieb seiner Lieder unterstützt. «Dann kann ich mich nur noch auf das fokussieren, was ich liebe: die Musik.»