Die Stadt Schlieren muss weiterhin auf ein eigenes Mitteilungsorgan verzichten. Das Gemeindeparlament lehnte einen Kredit in der Höhe von 195’000 Franken für den zweijährigen Versuchsbetrieb eines geplanten Stadtmagazins ab, und das mit 24 zu 7 Stimmen klar. Eigentlich hätte der Stadtrat den Kredit selbst sprechen können. Da das Parlament aber bereits 2013 einen ersten Anlauf der Stadt für ein eigenes Magazin abgeschmettert hatte, wollte er den Segen des Parlaments für die neue Vorlage einholen.

Dieser blieb ihm aber verwehrt. Die Mehrheit des Parlaments folgte dem Ablehnungsantrag der Geschäftsprüfungskommission (GPK), die ein neues Magazin grossmehrheitlich als «überflüssig» taxierte. Deren Präsident Peter Seifriz (SVP) wies auf den unglücklichen Zeitpunkt des erneuten stadträtlichen Lancierungsversuchs hin: «In den letzten Wochen kamen mit dem ‹Schlieremer› und der ‹Limmattaler Gewerbezeitung› gleich zwei Zeitschriften mit lokalem Charakter auf den Markt, die nun nicht gleich konkurrenziert werden sollen», erklärte er. Dem schloss sich Reto Bär (EVP) an: «Wenn sich nun schon ein Privater mit viel Herzblut der Herausgabe eines Schlieremer Magazins widmet, braucht es nicht ein weiteres, das mit Steuergeldern finanziert würde.»

Seifriz wie Bär räumten aber ein, dass der Stadtrat mit der revidierten Vorlage an sich gute Arbeit geleistet habe. Denn nach der Ablehnung des Kreditantrags im Jahr 2013 (damals noch über jährliche Kosten von 90’000 Franken) ging der Stadtrat über die Bücher — und nahm die geäusserten Kritikpunkte ernst. Das Parlament beklagte damals zu hohe Kosten, bezweifelte, dass die budgetierten Werbeeinnahmen auch tatsächlich eingeholt werden könnten, und bemängelte den fehlenden Einbezug der lokalen Vereine und Parteien. Gar von einem «reinem Selbstdarstellungsmittel des Stadtrats» war die Rede.

Kompromissbereitschaft war ein Eigentor

Das neue Magazin-Konzept konnte nun nicht nur mit einer insgesamt günstigeren Offerte einer ortsansässigen und damit gut vernetzten Agentur aufwarten. Auch dem Wunsch, Parteien, Vereinen und Gewerbe einen Platz im Magazin zu bieten, wollte der Stadtrat im neuen Anlauf entsprechen. Die Kompromissbereitschaft erwies sich am Ende aber als Eigentor. Denn nun hiess es vonseiten der CVP/EVP-Fraktion: Wenn gemäss neuem Konzept schon nur noch vier Seiten wirklich stadteigene Themen transportieren würden, wieso kauft man sich dann diese vier Seiten nicht einfach beim im März lancierten «Schlieremer» ein? Auch Seifritz erklärte: Eine Kooperation mit dem «Schlieremer» hätte den «gleichen medialen Effekt zu einem Bruchteil der Kosten».

Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP), der das Redaktionsteam geleitet hätte, appellierte vergeblich an das Parlament, der «unendlich langen Leidensgeschichte» der Lancierung des Stadtmagazins ein Ende zu setzen. «Eine Demokratie lebt von gut informierten Bürgerinnen und Bürgern», plädierte er. Gerade in einer heterogenen Gesellschaft wie Schlieren sei dies von grösster Bedeutung. Zudem könne die Stadt im Gegensatz zu einem Privaten zum Zweck der Meinungsbildung «die Themen dann auf den Tisch bringen, wenn sie aktuell sind».

Auch Robert Horber (SP), der für die GPK-Minderheit sprach, biss mit seinen Argumenten auf Granit. Ein stadteigenes Magazin verspreche im Gegensatz zu privaten Presseerzeugnissen eine «ausgewogene und informelle Berichterstattung», sagte er. Dem widersprach Beat Kilchenmann (SVP): «Wir sind der Ansicht, dass ein Stadtmagazin in privaten Händen genau so gut aufgehoben ist wie in jenen der Stadt.» Die Mehrheit des Rats teilte diese Meinung.

Die weiteren Beschlüsse:

Der Stadtrat nimmt ein Postulat von Jürg Naumann (QV) betreffend «Park and Ride»-Anlage im Gebiet des Bahnhofs Schlieren entgegen. Damit wird die Exekutive aufgefordert, einen Ersatzstandort für die 52 oberirdischen «Park and Ride»-Parkplätze beim Bahnhof, die im Herbst gestrichen werden sollen, zu suchen.

Das Postulat von John Daniels betreffend «Elterntaxi in die Schule» wird abgeschrieben.