Dietikon
Geschlecht vor Partei: Die vier Stadtratskandidatinnen zeigen sich gemeinsam auf einem Wahlplakat

Die Dietiker Stadtratskandidatinnen spannen im Wahlkampf zusammen, obwohl sie politisch völlig unterschiedliche Ansichten haben. Am Freitag laden sie zudem zu einem gemeinsamen Anlass.

Lydia Lippuner
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Sie decken das gesamte politische Spektrum ab: Die Stadtratskandidatinnen der Parteien EVP, SP, Mitte und SVP lächelten gemeinsam in die Kamera.

Sie decken das gesamte politische Spektrum ab: Die Stadtratskandidatinnen der Parteien EVP, SP, Mitte und SVP lächelten gemeinsam in die Kamera.

Lydia Lippuner

Es ist wieder die Zeit, in der am Strassenrand der Schilderwald grüsst. Ein Wahlplakat in Dietikon fällt besonders auf. Darauf gemeinsam zu sehen sind die Kandidatinnen von SP, EVP, Mitte und SVP. Hinter dem Plakat steht die Plattform «Dietikerin.net», die sich für mehr Frauen in der Dietiker Politik engagiert. Die Gruppe entstand, nachdem sich bei den Stadtratswahlen 2018 zwölf Männer und keine einzige Frau zur Verfügung stellten.

Nun kandidieren am 13. Februar mit Manuela Ehmann-Nydegger (EVP), Kerstin Camenisch (SP), Catherine Stocker-Mittaz (Mitte) und Mirjam Peter (SVP) vier Frauen für den Stadtrat. In den Gemeinderat, also das Parlament, wollen 71 Frauen. «Das freut uns natürlich sehr, auch wenn dieser Erfolg nicht nur auf unsere Bemühungen zurückzuführen ist. Die Parteien gingen ebenfalls aktiver auf Frauen zu», sagt Bettina Wolfgramm, Mitinitiantin von «Dietikerin.net».

Mehrere Gesprächsecken statt eine Streitdiskussion auf der Bühne

Mit dem gemeinsamen Plakat, das nun an 15 Standorten hängt, ist das Engagement der Frauen aber nicht zu Ende. Am kommenden Freitag veranstalten sie für die vier Stadtratskandidatinnen einen gemeinsamen Anlass im Gemeinderatssaal. Es wird keine klassische Podiumsdiskussion. «Zuerst stellen sich die vier Kandidatinnen vor, danach verteilen sie sich im Saal und die Gäste haben jeweils eine Viertelstunde Zeit, die Frauen genauer kennenzulernen», sagt Kathrin Kuster, die ebenfalls Mitinitiantin von «Dietikerin.net» ist.

Vernetzen statt streiten: Das Vorgehen passt zu den bisherigen Anlässen der Plattform, der es stets darum ging, nicht die politischen Anliegen, sondern die Frau ins Zentrum zu rücken. Man halte sich mit politischen Meinungen zurück. «Das verschaffte uns auch den Respekt der Parteien», sagt Kuster. So habe die Gruppe bereits von Anfang an gesagt, dass man eine Frauenkandidatur egal welcher Partei unterstütze. Als die Gruppe die Idee eines gemeinsamen Plakates für die vier Stadtratskandidatinnen vorschlug, habe dies wohl für parteiinterne Diskussionen gesorgt. Doch schliesslich seien die kritischen Stimmen verebbt.

Dietikerinnen treten aus dem Schatten

«Dietikerin.net» entstand, um Frauen zu fördern und sie auf ihrem Weg in die Politik zu begleiten. Das tat die Gruppe in den letzten vier Jahren mittels Veranstaltungen wie einem Anlass zur Stadtentwicklung 2019 oder einer Gesprächsrunde, in der Gemeinderätinnen 2021 aus ihrer Arbeit berichteten. Man habe auch einige Frauen mittels persönlicher Telefonkontakte zu einem Eintritt in die Politik motivieren können. Das Engagement hatte auch einen Einfluss auf die Initiantinnen: «Anfangs wollten wir uns eher im Hintergrund engagieren. Doch diese vier Jahre lösten in uns ebenfalls etwas aus», sagt Wolfgramm. So sei Wolfgramm nun die einzige der vier Initiantinnen, die für kein politisches Amt kandidiere. Catherine Stocker-Mittaz (Mitte) kandidiert für den Stadtrat, Kathrin Kuster (GLP) und Muriel Pestalozzi (GLP) wollen in den Gemeinderat.

Dabei hätten sich die Frauen unabhängig voneinander dazu entschieden, sich für den Stadt- oder Gemeinderat zu engagieren. Wolfgramm sagt:

«Es muss bei uns Frauen zuerst Klick machen, damit wir realisieren, dass nur wir selber den Frauenanteil in den Gremien ändern können.»

Wenn es aber dazu gekommen sei, könne man den Schwung nutzen, um gemeinsam etwas zu erreichen. So will die Gruppe die Stadtratskandidaturen der vier Frauen nun nutzen, um in der Stadt sichtbarer zu werden.

Die Räte sollen ein Abbild der Bevölkerung sein

«Die Plakate sollen dazu beitragen, dass die Aufmerksamkeit für die Frauen gesteigert wird», sagt Wolfgramm. Es solle den Wählenden bewusst werden, dass sie jetzt die Chance haben, vier Frauen in den Stadtrat zu wählen. «Es ist unser Demokratieverständnis, dass die Räte ein Abbild der Bevölkerung sind», sagt Wolfgramm. Deshalb wäre es aus ihrer Sicht angemessen, wenn künftig drei oder vier der sieben Stadträte Frauen seien.

Dass so das Geschlecht über die Parteizugehörigkeit und die konkreten politischen Anliegen gestellt wird, ist aus Sicht von «Dietikerin.net» kein Problem. «Im Stadtrat geht es mehr um die Person als um die Partei, die hinter der Person steht. Man muss auf dieser politischen Stufe vor allem zusammenarbeiten können», sagt Kuster. Da sei es vertretbar, dass man um der Frauenförderung willen auch ganz unterschiedliche Parteien auf den Wahlzettel schreibe. Wie diese Frauen politisieren, könne man im Gespräch am Freitag im Gemeinderatssaal herausfinden, wenn sie den Anwesenden Red und Antwort stehen.

Wahlanlass von «Dietikerin.net»: Am Freitag, 14. Januar, um 19.30 Uhr finden im Gemeinderatssaal im Stadthaus Dietikon die Gesprächsrunden mit den vier Stadtratskandidatinnen statt. Es gilt Zertifikats- und Maskenpflicht.