Ganze 8,3 Prozent aller in der Schweiz erwirtschaften Einnahmen werden an den Steuerbehörden vorbeigeschmuggelt. Das ist die Schätzung der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Trotzdem gibt es in der Schweiz nur 20 Steuerdetektive: Die Ermittlungstruppe der Abteilung Strafsachen und Untersuchungen gehört zur Eidgenössischen Steuerverwaltung in Bern. Sie kann auch Massnahmen wie Hausdurchsuchungen anordnen. Verantwortlich für einfache Steuerhinterziehungen sind die kantonalen Steuerämter.

«Dunkelziffer ist enorm hoch»

Für 2014 hat Dietikon Steuereinnahmen von 57,6 Millionen Franken budgetiert. Geht man davon aus, dass ebenfalls 8,3 Prozent der Einnahmen nicht versteuert werden, ergibt dies einen Steuerverlust von bis zu 5 Millionen Franken. Nicht nur deshalb fordert SP-Gemeinderat Peter Wettler einen Dietiker Steuerdetektiv. Der Stadtrat soll prüfen, ob dies zu mehr Steuereinnahmen führen könnte, schreibt er in einem Postulat.

Wettler stört noch etwas anderes: «Alle sprechen nur von Sozialhilfemissbrauch und Sozialdetektiven», sagt er, und verweist auf eine kürzliche Forderung der Dietiker SVP-Fraktion. «Mir ist es unerträglich, dass man dauernd auf den Sozialhilfebezügern herumreitet», sagt Wettler. Bei Steuerbetrug und -hinterziehung hingegen sei die Meinung verbreitet, man könne sowieso nichts tun oder es handle sich um ein Kavaliersdelikt. Dabei sei dort viel mehr zu holen: «Die Dunkelziffer ist enorm gross.» Wer Steuerbetrug begehe, bestehle den Staat, sagt Wettler: «Das Geld fehlt dann für Infrastruktur, für Schulen, Verkehr, Militär und anderes.»

Zu hinterfragen sei auch generell, ob das Dietiker Steueramt genügend personelle Ressourcen habe, um die Angaben in den Steuererklärungen detailliert zu prüfen, sagt Wettler. Dass dies der richtige Ansatz ist, glaubt auch Roger Keller, Sprecher der kantonalen Finanzdirektion. «Das Steueramt muss personell genügend dotiert sein mit Steuerkommissären», sagt er. Man gehe davon aus, dass jeder zusätzliche Steuerbeamte Mehreinnahmen generiere – jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt. Denn irgendwann sei einerseits das Potenzial für zusätzliche Einnahmen erschöpft, andererseits nehme bei zu viel Personal auch die Effizienz ab.

Das kantonale Steueramt beschäftigt keine eigenen Steuerdetektive. Keller glaubt auch nicht, dass es spezielles Personal für Detektivaufgaben braucht: «Unsere Angestellten haben grundsätzlich die Augen und Ohren offen.» Um Themen wie straflose Selbstanzeigen, die seit 2010 möglich sind, Nachsteuern, Steuerbussen und Strafanzeigen wegen Steuerbetrug kümmern sich die beiden Dienstabteilungen Recht und Spezialdienste. Bei besonders schweren Fällen von Steuerbetrug könne man auch Unterstützung von der Ermittlungstruppe der Eidgenössischen Steuerverwaltung anfordern, so Keller.

Erfolgloser Kampf im Kantonsrat

Im Kantonsrat sind links-grüne Politiker mit ihrer Forderung nach mehr Steuerkommissären schon mehrfach gescheitert. Im letzten Dezember strich die Kantonsratsmehrheit fünf der zehn zusätzlich beantragten Stellen. Finanzdirektorin Ursula Gut sagte daraufhin, man müsse in diesem Fall die Steuereinnahmen nach unten korrigieren.