Dietikon
Für mehr Menschenwürde: Max Bodenmann will Dietiker Stadtrat werden

Vor einem Jahr zog der Wetziker Max Bodenmann nach Dietikon. Begeistert von seiner neuen Heimat, will er sich politisch für die Stadt einsetzen und tritt im Februar zu den Stadtratswahlen an. Der Limmattaler Zeitung erklärt er, wieso er nicht nur dafür die Gruppierung «Free Gaza Dietikon» gegründet hat.

Florian Schmitz
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Max Bodenmann bewirbt sich für einen Sitz im Dietiker Stadtrat.

Max Bodenmann bewirbt sich für einen Sitz im Dietiker Stadtrat.

sbi/zvg

«Die Schweiz ist ein multikulturelles Land und Dietikon ist in dieser Hinsicht extrem spannend», sagt Max Bodenmann. Ausländerinnen und Ausländer machen im Bezirkshauptort 47,2 Prozent der Bevölkerung aus – im Gegensatz zu 27,1 Prozent im gesamten Kanton Zürich. Die vielen verschiedenen Kulturen in der Stadt seien eine grosse Chance für Dietikon, sagt Bodenmann. Am 13. Februar stellt er sich als Stadtrat zur Wahl.

Weil seine Tochter und seine Enkelin in Dietikon wohnen, sei er vor einem Jahr auch in die Stadt gezogen, sagt der Wetziker.

«Ich habe mich in Dietikon verliebt und will mithelfen, die Stadt weiterzuentwickeln.»

Bodenmann tritt mit der von ihm 2021 gegründeten Gruppierung «Free Gaza Dietikon – Menschenwürde für Alle» zur Stadtrats- und zur Gemeinderatswahl an. «Wir Menschen haben nur eine Zukunft, wenn wir auch unsere Nachbarn miteinbeziehen», sagt Bodenmann.

«Free Gaza» als Symbol für Unterdrückung

Die menschliche Unterdrückung am Gaza-Streifen sei für ihn ein enorm wichtiges Thema. Wie Israel Palästinenserinnen und Palästinenser unterdrücke, sei exemplarisch für viel Unrecht auf der Welt, sagt er. Deshalb sei der Name der Gruppierung auch sinnbildlich zu verstehen. «Es geht nicht bloss darum, Gaza zu befreien, sondern auch unser Denken von Schablonen und Vorurteilen zu lösen. Wir wollen, dass alle Menschen in Würde leben können», sagt er. Er sei überzeugt, dass die Gesellschaft am besten funktioniere, wenn alle mit einbezogen und abgeholt werden. «Wir propagieren nicht Wirtschaftswachstum, sondern ethisches Verhalten und Zusammenarbeit», sagt Bodenmann.

«Free Gaza Dietikon» wolle sich dafür einsetzen, dass alle offener auf ihre Mitmenschen zugehen und das Verbindende suchen. Dabei sieht er alle Seiten in der Verantwortung. Er habe lange in Russland gelebt, Handel betrieben und während fünf Jahren die Sprache gelernt, bis er sich fühlte, als sei er richtig angekommen. Als Auswanderer müsse man den Willen aufbringen, die Sprache zu lernen, um nicht in einer stark eingeschränkten Parallelgesellschaft zu leben, sagt der inzwischen pensionierte 63-Jährige. Zuvor arbeitete er lange im Handel und führte über Jahre ein Lebensmittelgeschäft mit bis zu 17 Angestellten.

Die aus rund zehn Personen bestehende Gruppierung wolle ihrem Namen Free Gaza auch wortwörtlich gerecht werden und plane in Zukunft zudem Aktionen ausserhalb vom politischen Betrieb, sagt Bodenmann. «Wir wollen die Menschen informieren.» Denn der Wissensstand über den Nahostkonflikt und die Ungerechtigkeit in der Welt sei leider zu tief.

In Wetzikon gründete er eine Lokalpartei

Politisch ist Max Bodenmann kein unbeschriebenes Blatt. 2012 gründete er die Lokalpartei Alternative Wetzikon, die sich politisch an der AL orientierte, und trat 2014 zur Wetziker Stadtratswahl an. Aber schon damals sei er pragmatisch vorgegangen und habe auch mal den Vorwurf erhalten, gleicher Meinung mit der SVP zu sein. Er sagt:

«Menschenwürde ist kein Links-Rechts-Thema. Dieses Schema funktioniert für unser Denken nicht.»

«Free Gaza Dietikon» bestehe aus vielfältigen Personen und die Bewegung sei entsprechend offen, um mit allen zusammenzuarbeiten.

Neben dieser Offenheit sei seine politische Unabhängigkeit ein grosser Vorteil. «Ich kann frei schauen und entscheiden, was den Menschen in Dietikon am meisten bringt.» Und als junger Rentner habe er viel Zeit für das Amt. Beim Timing der Wahlen habe er etwas Pech gehabt, sagt der Neo-Dietiker Bodenmann. «Ein Jahr ist wenig Zeit, um sich und seine Ideen bekannt zu machen.»

Für die sieben Stadtratssitze bewerben sich insgesamt zwölf Kandidierende. Die SVP steigt neben Stadtpräsident Roger Bachmann mit Mirjam Peter ins Rennen. Die SP tritt mit Hochbauvorstand Anton Kiwic und Kerstin Camenisch an. Die Mitte hat Schulpräsident Reto Siegrist und Catherine Stocker-Mittaz nominiert. Ebenfalls zur Wahl stellen sich Sozialvorstand Philipp Müller (FDP), Infrastrukturvorstand Lucas Neff (Grüne), Manuela Ehmann-Nydegger (EVP), Sven Johannsen (GLP) und der parteilose Bernhard Schmidt.

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