Dietikon
Postschliessung sei «absolut unzumutbar»: Quartierverein hat Plakate aufgestellt und sammelt ab Donnerstag Unterschriften

Die Poststelle Dietikon 2 Brunau an der Schöneggstrasse 145 soll noch dieses Jahr zugehen. Im Kampf dagegen hat der Quartierverein Schönenwerd nun seine erste Aktion gestartet.

Virginia Kamm
Merken
Drucken
Teilen
Auf die gelben Plakate im Schönenwerd-Quartier haben viele Anwohner reagiert und sich bei Christoph Schätti gemeldet.

Auf die gelben Plakate im Schönenwerd-Quartier haben viele Anwohner reagiert und sich bei Christoph Schätti gemeldet.

Britta Gut

«Vor allem ältere Bewohnerinnen und Bewohner des Schönenwerd-Quartiers sind entsetzt», sagt Quartiervereinspräsident Christoph Schätti. Letzte Woche wurde publik, dass die Poststelle Dietikon 2 Brunau an der Schöneggstrasse 145 zugehen soll. Dies «idealerweise noch dieses Jahr», wie Postsprecher Markus Werner gegenüber der «Limmattaler Zeitung» sagte. «Gerade für die älteren Quartierbewohner ist die Schliessung der Postfiliale das Dümmste, was man momentan machen kann», sagt Schätti. Denn wegen der Baustellen der Limmattalbahn ist der Weg vom Schönenwerd-Quartier ins Dietiker Zentrum, wo die Hauptpost Dietikon 1 steht, zurzeit erschwert.

Wenn die Anwohner des Schönenwerd-Quartiers mit dem Bus zur Hauptpost am Bahnhofplatz gelangen wollen, müssen sie an der Station Bahnhofstrasse aussteigen. Von dort sind es noch gut 300 Meter zu Fuss zur Post. Der Grosskreisel Ost regelt seit September 2019 den Individualverkehr zwischen dem Quartier und dem Stadtzentrum: Will man mit dem Auto vom Dietiker Zentrum ins Schönenwerd-Quartier fahren, ist das über die Schöneggstrasse möglich. In die andere Richtung ist eine Umfahrung über die Zürcherstrasse notwendig. Auch mit dem Auto verläuft die Zufahrt also nicht problemlos.

Schätti findet die Schliessung der Poststelle an der Schöneggstrasse gerade unter diesen erschwerten Bedingungen «absolut unzumutbar». Die Limmattalbahn-Baustelle sei schon schlimm für die Leute. Mitte Jahr 2022 soll die Bahn fertig gebaut sein. Ob sich die Verkehrssituation dann verbessert, ist für Schätti allerdings noch unklar.

Kiosk am Bahnhof Glanzenberg macht Hoffnung

Am Samstag hat der Quartierverein deshalb gelbe Plakate mit der Aufschrift «Rettet unsere Post Brunau» aufgestellt. «Wir wollten keine Zeit mehr verlieren», sagt Schätti. Auf die Plakate hätten viele Anwohner reagiert und sich bei ihm gemeldet, so der Quartiervereinspräsident. Am Donnerstag, Freitag und Samstag während der Postöffnungszeiten wird er mit einer weiteren Person des Vereins vor der Filiale an der Schöneggstrasse Unterschriften gegen die Schliessung sammeln. «Wir gehen davon aus, dass alle, die die Poststelle betreten, unterschreiben werden», sagt er. Auch beim Denner an der Hofackerstrasse werden an diesen Tagen Unterschriften gesammelt.

Als Alternative für eine Postfiliale würde sich eine Postagentur im Kiosk am Bahnhof Glanzenberg anbieten. Allerdings ist dieser der Post zu klein. Nun erwartet Schätti, dass die Stadt reagiert: «Ich hoffe, dass der Kiosk am Bahnhof Glanzenberg ausgebaut wird.» Er wünscht sich eine Machbarkeitsstudie und sagt:

«Es kann nicht sein, dass in zwei bis drei Jahren 9000 Personen ohne Poststelle auskommen müssen.»

Wenn die Poststelle nicht gerettet werden kann, wünscht sich Schätti wenigstens einen Postomaten für das Schönenwerd-Quartier. Entsprechende Diskussionen der Stadt mit der Postfinance fruchteten 2019 jedoch nicht. «Das Quartier braucht auch einen Briefkasten, der nicht nur einmal pro Tag um acht Uhr morgens geleert wird», sagt Schätti. «Das ist schlechte Dienstleistung.»

Der Grund für die Schliessung der Poststelle an der Schöneggstrasse: zu wenig Arbeit und Einnahmen. Laut Postsprecher Markus Werner ist in den letzten zehn Jahren trotz des Päckli-Booms rund die Hälfte der Schaltergeschäfte der Filiale weggefallen. «Uns wurde von der Post versichert, dass die Filiale im Schönenwerd-Quartier bis 2024 bestehen bleibt», sagt Schätti. Auch die Mitarbeiter der Poststelle seien über die Ankündigung der Schliessung erschrocken gewesen. «Das ist nicht in Ordnung», findet Schätti. Immerhin: Alle Angestellten der Postfiliale im Schönenwerd-Quartier können ihre Stelle behalten und werden in Zukunft in anderen Filialen der Region anzutreffen sein.