Dietikon
Endlich wieder eine Ausstellung im Atelier: René Gubelmann war seit Pandemiebeginn äusserst produktiv

Der Dietiker Kunstmaler und Musiker zeigt eine Auswahl seiner seit Pandemieausbruch entstandenen Werke. Er freut sich darauf, sich endlich wieder mit Besuchern austauschen zu können, und hofft, auch bald wieder vermehrt am Schlagzeug zu sitzen.

Florian Schmitz
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René Gubelmann freut sich auf den Austausch mit Besuchern.
4 Bilder
Gubelmann zeigt eine Werkschau seines Schaffens seit Pandemiebeginn.
Gubelmann experimentiert vermehrt mit ausgefallenen Formen.
Die Ausstellung findet im Garten von Gubelmanns Atelier und Wohnhaus an der Vorstadtstrasse 29 statt.

René Gubelmann freut sich auf den Austausch mit Besuchern.

Severin Bigler / ©

Die vielen neuen Bilder an den Wänden seines Ateliers zeigen, wie produktiv René Gubelmann in den letzten knapp anderthalb Jahren war. Nun kann er seine Arbeit erstmals seit Ausbruch der Coronapandemie wieder an einer Ausstellung mit der Öffentlichkeit teilen. Am Sonntag lädt der Künstler zu sich nach Dietikon ein. Bei Regen wird der Termin um eine Woche verschoben. In seiner Werkschau zeigt er einen Querschnitt der seit dem Lockdown entstandenen Bilder. Draussen im Garten hat er an der Hauswand und den zu Lagerräumen umfunktionierten Garagen schon die Vorrichtungen montiert, um die Bilder aufzuhängen.

Dass Gubelmann so aktiv war, hängt auch damit zusammen, dass er ein talentierter Schlagzeuger und Vibrafonist ist, der in zwei Jazzformationen aktiv ist. Aber wegen Corona waren Konzerte und Proben lange nicht möglich. «Ich habe noch nie so einen langen Unterbruch erlebt», sagt er. Über seine ganze Musikkarriere habe er so viele Gelegenheiten für Liveauftritte gehabt. «Manchmal fast zu viele, wir hatten kaum Zeit zum Denken», sagt er. Die Pandemie habe die Musikszene besonders stark getroffen. Gubelmann fokussierte sich in der Folge voll und ganz auf die Kunstmalerei:

«Ich weiss gar nicht, was ich gemacht hätte, wenn ich nicht malen könnte.»

Seine Bilder sind aus der Form gefallen

Bei einem Rundgang durchs Atelier fällt auf, dass viele der neuen Werke bildlich aus der Form fallen. Irgendwann habe er gedacht, dass es langsam reiche mit quadratischen und rechtwinkligen Bildern. Fortan experimentierte er mit ausgefalleneren Formen und Reliefs, erzählt der konkrete Künstler, der in seinen Bildern Rhythmen in Formen und Farben giesst. «Ich habe über die Jahre auch viele Zeichnungen für den Papierkorb gemacht», sagt er.

«Jetzt konnte ich viele Ideen doch noch umsetzen.»

Er freue sich auf den Austausch mit den Besuchern. Bei der Musik und der Malerei gehe es ihm ums Experimentieren, sagt Gubelmann. Eine gute Improvisation finde im Dialog statt. «Es ist das erste Mal, dass sie dieses neue Gesamtwerk live sehen können.» So könne das Publikum die Intensität der Farben und das Material anders erleben als über den Bildschirm. Obwohl lange keine Ausstellungen möglich waren, fand der Künstler inzwischen einen alternativen Weg, um sein Schaffen mit der Nachbarschaft und dem Internet zu teilen.

Um während des Lockdowns im Frühling 2020 etwas Leben ins Quartier zu bringen, spielte Gubelmann jeweils sonntags 15-minütige Fensterkonzerte. Immer neue Programme einzustudieren, sei sehr aufwendig gewesen. So kam er auf die Idee, die Schaufenster für seine Malerei zu nutzen. Aus einem Adventskalender, bei dem er jeden Tag ein neues Bild zeigte, ist schliesslich das Kunstschaufenster entstanden. Jede Woche wartet nun ein neues Bild auf vorbeigehende Spaziergänger. Die ganze Sammlung kann zudem auf der Website des Künstlers eingesehen werden.

Er hat gelernt, im richtigen Moment aufzuhören

Die anstehende Ausstellung hat Gubelmann in den vergangenen paar Monaten stark beansprucht:

«Ich freue mich auch drauf, nach der Ausstellung wieder neue Bilder zu malen.»

Motivation und Inspiration seien nie ein Problem, ihm falle immer etwas ein. Entsprechend ist für ihn auch ganz normal, von morgens um halb Acht bis nach Mitternacht zu arbeiten. «Fernsehschauen finde ich langweilig», sagt er. Und es sei lange nicht möglich gewesen, Konzerte oder Museen zu besuchen.

Früher habe er häufig auf dem Schlagzeug Rhythmen eingespielt, die ihn zu Bildern inspirierten, erzählt der Dietiker, der mit seiner Frau in seinem Elternhaus an der Vorstadtstrasse wohnt und wirkt. «Heute kommen mir die Ideen einfach», so der 73-Jährige. Die grosse Herausforderung sei für ihn der mit vielen kleinen Entscheidungen gesäumte Weg bis zum finalen Resultat. «Welche Farben nutze ich? Welches Papier? In welcher Form?», sagt er und ergänzt. «Und wann höre ich auf?» Mittlerweile habe er auch mal die Nerven, zu sagen: «Halt, ich mache erst morgen weiter.» Die Kunst, zu pausieren und nachzudenken, komme dem Schaffensprozess zugute und mache es später häufig viel einfacher, Entscheide zu fällen.

Wenn René Gubelmann mit einem Bild zufrieden ist und es ihm fertig erscheint, schliesst er sogleich damit ab. Er denke immer nach vorne, nur schon alles sauber zu archivieren, bereite ihm Mühe. Er freue sich auch bereits, wieder mehr Zeit mit der Musik zu verbringen, sagt das Multitalent. Denn in seinem Schaffen würden sich immer wieder unterschiedliche Phasen abwechseln. Inzwischen konnte er mit seiner Band Jazzquadrat wieder einige Male proben. Und er hofft darauf, im Herbst auch die beliebte Konzertreihe «Jazz im Atelier» fortsetzen zu können.

Am Sonntag, 18. Juli, von 11 bis 17 Uhr lädt René Gubelmann zur Werkschau seiner seit dem Lockdown entstandenen Bilder ein. Die Ausstellung findet draussen um sein Atelier an der Vorstadtstrasse 29 in Dietikon statt. Bei Regen muss der Termin um eine Woche verschoben werden.