Dietikon
Einreisesperre wurde ihr zum Verhängnis: Einbruchstouristin wird vom Bezirksgericht verurteilt und des Landes verwiesen

Sie brach 2019 in zwei Wohnungen eines Dietiker Mehrfamilienhauses ein. Drei Jahre später holt sie ihre Vergangenheit ein: Das Bezirksgericht Dietikon verurteilt die Frau zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe und verweist sie des Landes.

Louis Probst
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Die Angeklagte wurde bei der Einreise in Basel festgenommen, weil sie wegen eines früheren Delikts mit einer Einreisesperre belegt ist. Nun wurde sie vom Bezirksgericht Dietikon verurteilt.

Die Angeklagte wurde bei der Einreise in Basel festgenommen, weil sie wegen eines früheren Delikts mit einer Einreisesperre belegt ist. Nun wurde sie vom Bezirksgericht Dietikon verurteilt.

Severin Bigler

«Die Beschuldigte ist durch die Vergangenheit eingeholt worden», stellte der amtliche Verteidiger der gut 30 Jahre alten Frau fest, die sich am Montag wegen mehrfachen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruchs vor Bezirksgericht Dietikon zu verantworten hatte. Die Delikte, die ihr vorgeworfen wurden, liegen inzwischen gut drei Jahre zurück.

Im September 2019 hatte die zierliche, aber offensichtlich unerschrockene Frau am Nachmittag in einem Mehrfamilienhaus in Dietikon – «auf unbekannte Weise, mutmasslich mit einem Flachwerkzeug», so die Anklage – die Türen zu zwei Wohnungen aufgewuchtet und aus den Wohnungen Schmuck, Uhren und Bargeld gestohlen.

In der ersten Wohnung machte sie eine Beute im Wert von rund 5000 Franken, in der zweiten von 4325 Franken. Abgesehen vom Schaden an den Türen, der mit insgesamt 1200 Franken beziffert wurde, hatte sie am Tatort allerdings auch Spuren ihrer DNA hinterlassen.

Im April dieses Jahres wurde die verheiratete Frau, welche die serbische Staatsangehörigkeit besitzt und in der Schweiz keinen Wohnsitz hat, in Basel bei der Einreise festgenommen, weil sie wegen eines früheren Deliktes mit einer Einreisesperre belegt ist. Seither befindet sie sich in Haft.

Sechs Monat Freiheitsstrafe und sechs Monate Probezeit

Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis erhob im Juni 2022 Anklage. Im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens beantragte sie in ihrem Urteilsvorschlag eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten, unter Anrechnung der erstandenen Haft, wobei für sechs Monate Haft der Vollzug anzuordnen sei.

Für die restlichen sechs Monate sei der Vollzug bedingt aufzuschieben, dies bei einer Probezeit von drei Jahren. Die Staatsanwaltschaft forderte zudem einen Landesverweis für die Dauer von zehn Jahren sowie die Übernahme der Verfahrenskosten.

Wie bereits in der Untersuchung gestand die Beschuldigte auch in der Verhandlung vor Bezirksrichter Heinrich Kistler als Einzelrichter die beiden Einbrüche in Dietikon ein. Sie zeigte sich auch mit dem Urteilsvorschlag der Staatsanwaltschaft einverstanden. «Ja, ja», liess sie, nach einigem Hin und Her, durch die Übersetzerin auf Serbisch ausrichten.

«Die Beschuldigte hat die Delikte, die ihr zur Last gelegt werden, begangen und das auch eingeräumt», erklärte der Verteidiger. «Sie weiss, dass es falsch ist, was sie getan hat, und sie hat eingesehen, dass sie ­dafür zur Verantwortung ge­zogen wird.» Seine Mandantin leide aber unglaublich unter der Trennung von ihren Kindern.

Es habe, auch von der Staatsanwaltschaft, viel Geduld gebraucht, um zu diesem Urteilsvorschlag zu kommen. Der vorliegende Vorschlag sei der Tat und der Schuld an­gemessen. «Ich habe meiner Mandantin auch die Sache mit der Landesverweisung erklärt. Sie will nicht mehr in die Schweiz. In jedem Satz erklärt sie, dass sie zu ihren Kindern wolle», fuhr der Verteidiger fort. Die Beschuldigte selber wollte sich nicht weiter äussern.

Richter: «Strafe ist ­angemessen»

Das Gericht erhob den Urteilsvorschlag zum Urteil. Es sprach aber, in Absprache mit der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung, die Strafe aus formalrechtlichen Gründen als Zusatzstrafe zu einem früheren Urteil eines Basler Gerichtes aus. Die Beschuldigte wollte das nicht ganz verstehen.

Richter Kistler erklärte ihr aber, dass es um eine redaktionelle Änderung ohne Auswirkung auf die sechs Monate unbedingte Haft gehe. Allerdings bestehe die Möglichkeit, dass das Basler Gericht den Vollzug der zwei Monate Haft verlange, die der Beschuldigten vom ­Basler Gericht bedingt erlassen worden waren.

«Strafe und Vollzugsform sind dem Verschulden durchaus angemessen», betonte Richter Kistler. «Es geht bei den Delikten nicht bloss um Geld. Es geht auch um die massive Be­einträchtigung der Sicherheitsbedürfnisse der Opfer. Durch die Einbrüche haben sie ein ­Gefühl der Unsicherheit er­fahren, das nicht so schnell verschwindet.»