Dietikon
Sozialhilfequote hat ihre Talsohle erreicht – Stadt erwartet aber, dass sie bald wieder steigt

In Dietikon ist die Sozialhilfequote 2019 auf 5,1 Prozent gesunken. Sozialvorstand Philipp Müller rechnet damit, dass sie nun wieder ansteigt.

Lydia Lippuner
Merken
Drucken
Teilen
Erfreuliche Nachricht für das Dietiker Sozialamt: Die Sozialhilfequote sank weiter.

Erfreuliche Nachricht für das Dietiker Sozialamt: Die Sozialhilfequote sank weiter.

Severin Bigler

Das Dietiker Sozialamt kann aufatmen: 2019 sank die Sozialhilfequote weiter von 5,4 auf 5,1 Prozent. Nachdem die Stadt lange Zeit die höchste Quote des Kantons aufwies, konnte sie 2018 den unbeliebten Spitzenplatz abgeben. Nun liegt die Quote im selben Bereich wie etwa bei den Gemeinden Rüti (5,1 Prozent), Kloten (5,0 Prozent), Opfikon und Schlieren (je 4,6 Prozent). «Das freut mich natürlich sehr», sagt Sozialvorstand Philipp Müller (FDP). Höher als in Rüti und Dietikon ist die Sozialhilfequote nur in Winterthur, dort beträgt sie 5,4 Prozent.

Die Sozialhilfequote entspricht dem Anteil Personen der gesamten ständigen Wohnbevölkerung einer Stadt, die im Erhebungsjahr eine finanzielle Sozialhilfeleistung erhalten hat. Sie wird jeweils Ende Jahr vom Bundesamt für Statistik veröffentlicht. Gesamtschweizerisch blieb die Sozialhilfequote 2019 stabil auf 3,2 Prozent. Im Kanton Zürich sank sie von 3,2 auf 3,1 Prozent.

«Das Ziel unserer Abteilung ist, die Leute zu befähigen», sagt Sozialvorstand Philipp Müller. Deshalb habe er die Abteilung im vergangenen Jahr im Bereich der Arbeitsintegration personell verstärkt.

«Das Ziel unserer Abteilung ist, die Leute zu befähigen», sagt Sozialvorstand Philipp Müller. Deshalb habe er die Abteilung im vergangenen Jahr im Bereich der Arbeitsintegration personell verstärkt.

Suleika Baumgartner / LTA

Philipp Müller sieht den Grund für die positive Entwicklung in Dietikon darin, dass im Jahr 2019 die Wirtschaft gut floriert und die Abteilung Soziales gut gearbeitet habe. «Meine Mitarbeitenden haben viele Leute erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert», sagt er. Das sei besonders schwierig, da in Dietikon die Anzahl Personen ohne Berufsausbildung hoch sei. In der Bezirkshauptstadt haben rund 66 Prozent der über 25-jährigen Sozialhilfebeziehenden keine berufliche Ausbildung. Dies entspricht 524 Personen. Der diesbezügliche kantonale Durchschnitt liegt bei rund 47 Prozent.

«Für gering qualifizierte Personen ist es schwieriger, eine Arbeitsstelle zu finden», sagt Müller. Zudem seien solche Arbeitsstellen eher den konjunkturellen Schwankungen ausgesetzt. Um diesen Herausforderungen besser beizukommen, sei es der Stadt wichtig, dass die Mitarbeitenden der Sozialabteilung die Arbeitssuchenden besser unterstützen und coachen.

Arbeitsintegration startet jeweils so schnell wie möglich

«Seit einiger Zeit werden Gespräche bereits zu Beginn von Sozialarbeitenden zusammen mit einem Mitglied der Fachstelle für Arbeitsintegration geführt», sagt Müller. So soll verhindert werden, dass Sozialhilfebeziehende länger ohne Arbeitsintegrationsmassnahmen bleiben. «Das ist wichtig, denn die Erfahrung zeigt, dass je länger man von der Sozialhilfe abhängig ist, desto schwerer kommt man wieder davon weg», sagt Müller. Ausserdem nehme die Sozialabteilung der Stadt an der sogenannten Weiterbildungsoffensive teil. In diesem nationalen Programm sollen kommunale Sozialdienste unterstützt werden, um Leute mit ungenügenden Grundkompetenzen oder ohne Berufsabschluss weiterzubilden. «Das Ziel unserer Abteilung ist, die Leute zu befähigen», sagt Müller. Deshalb habe er die Abteilung im vergangenen Jahr im Bereich der Arbeitsintegration personell verstärkt.

Die Mitarbeitenden der Sozialabteilung werden in den kommenden Monaten wohl wieder vermehrt zu tun haben. Denn die Coronapandemie setzt der wirtschaftlichen Entwicklung stark zu. Künftig werde es deshalb wieder mehr Sozialhilfegesuche geben: «Wir haben im Jahr 2019 wahrscheinlich vorerst die Talsohle erreicht», sagt Müller. Es sei schade, aber auch unvermeidlich, dass im laufenden und kommenden Jahr die Quote wieder ansteige. Denn egal wie gut sein Team arbeite, am Ende sei die Sozialhilfequote ein Spiegelbild der aktuellen Konjunktur.