Kloster Fahr
Dietikon – der geizige, undankbare Nachbar?

Überraschung in Dietikon. Weder der Stadtrat noch das Parlament wollen eine Spende an die Sanierung des Klosters Fahr tätigen. Dies hatte CVP-Gemeinderat Gabriele Olivieri vorgeschlagen. Dietikon sei der grösste Nutzniesser der «Oase der Ruhe».

Jürg Krebs
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Nonnen beim Mittagessen im Kloster Fahr.

Nonnen beim Mittagessen im Kloster Fahr.

Das «Fahr» ist tatsächlich eines der beliebtesten Ausflugsziele in der Region, besonders an schönen Wochenenden. Für Renovierungsarbeiten brauchen die Benediktinerinnen in den kommenden Jahren 20 Millionen Franken, jährliche 200 000 Franken können sie selbst beisteuern. Der Stadtrat, aber auch eine Mehrheit des Parlaments befand: Dietikon steht finanziell so schlecht da, dass eine Spende nicht zu rechtfertigen sei.

Jetzt steht die Frage im Raum: Verfolgt Dietikon – das ein 200-Millionen-Franken-Budget führt – mit dem Entscheid eine finanzpolitisch konsequente Linie, wie Stadtpräsident Otto Müller (FDP) wissen liess, oder ist die Stadt schlicht knausrig? Tatsache ist: Finanzvorstand Rolf Schaeren (CVP) benötigt vom Kanton jährlich Millionen von Franken als Finanzausgleich, um die Stadtkasse im Lot halten zu können. 2012 waren es 40 Millionen. Angesichts der anstehenden, notwendigen Infrastrukturprojekte ist eine konservative Haushaltsführung deshalb angebracht.

Der Blick in die Spendenliste des Klosters zeigt aber: Die Zahl der regionalen Spender ist gross. Die Limmattaler Kirchgemeinden beispielsweise beteiligen sich mit 200 000 Franken,
die Stadt Zürich mit 100 000 Franken. Weiningen orientierte sich an der
5-Franken-pro-Einwohner-Regel und überwies 30 000 Franken. Würenlos – das Kloster gehört zur Gemeinde – beiwilligte 500 000 Franken. Aber auch UBS, ZKB und andere Firmen sowie Privatpersonen haben sich in die Spenderliste eingetragen. Sie alle bezeugen mit einer Gabe ihre Verbundenheit zu einem einzigartigen Kulturgut im Limmattal.

Und Dietikon? Gerne wird im Rahmen der Standortförderung mit dem Naherholungsgebiet an der Limmat geworben. Dazu zählt auch das Kloster Fahr. Jetzt, wo es um den Erhalt dieses wichtigen Gutes geht, steht der Bezirkshauptort abseits. Der «Wirtschaftsstandort mit Lebensqualität» müsse Prioritäten setzen, hiess es an der Parlamentssitzung.

Immerhin: Der Vorschlag, von SVP-Gemeinderat Roger Bachmann, das Sitzungsgeld zu spenden, fand Gehör. Laut Parlamentssekretär Daniel Müller haben 22 der 36 Gemeinderätinnen und Gemeinderäte den Willen bekundet, ihre 75 Franken als Privatperson zu spenden. Das macht 1650 Franken. Auch «eine Mehrheit der Stadtratsmitglieder» beteiligt sich. Damit zeigen sie alle persönliches Engagement, als Ablasshandel für die Stadt zählt das aber nicht.

Das Problem von Stadtrat und Parlament: Sie wollen sparen; weil aber die meisten Posten fremdbestimmt sind und nur wenig Abstriche zulassen, wollen sie andernorts Konsequenz zeigen. Das ist gefährlich, denn oft ist der Imageschaden weit grösser als der Spareffekt. So auch hier: Dietikon gibt das Bild eines geizigen, undankbaren Nachbarn ab. Gutes Standortmarketing ist das nicht.