Dietikon
Das Urteil des Baurekursgerichts hat Planzer überrascht ‒ «nun haben wir Zeit bis am 22. Juni»

Für die Personalvorsorgestiftung der Planzer Transport AG, die beim Florahof bauen wollte, kam das Urteil des Baurekursgerichts unerwartet. Wie geht es jetzt weiter?

Carmen Frei
Merken
Drucken
Teilen
Die Fassade des Kaufhauses Regina fällt auf. Sie ist denn auch der Grund dafür, dass dem Bauprojekt nahe der Ecke Zentral- und Bremgartnerstrasse die Baubewilligung entzogen wurde

Die Fassade des Kaufhauses Regina fällt auf. Sie ist denn auch der Grund dafür, dass dem Bauprojekt nahe der Ecke Zentral- und Bremgartnerstrasse die Baubewilligung entzogen wurde

Britta Gut

Das Bauprojekt beim Florahof in Dietikon kann nicht wie geplant starten. Vergangene Woche hatte das Zürcher Baurekursgericht die Baubewilligung aufgehoben, nachdem der Zürcher Heimatschutz Rekurs eingereicht hatte.

An der Ecke Zentral- und Bremgartnerstrasse hätte eine neue Überbauung entstehen sollen. Die Personalvorsorgestiftung der Planzer Transport AG hatte für das Projekt bereits im Dezember 2020 die Baubewilligung erhalten. Geplant waren Ladenlokale, ein Café und 39 Wohnungen. Der Bau hätte im Verlauf dieses Jahres beginnen sollen. Stattdessen folgte nun der Entzug der Baubewilligung.

Laut Philipp Bättig, Leiter Immobilien bei der Planzer Immobilien AG, kam der Entscheid für das Unternehmen überraschend, wie er gegenüber der «Limmattaler Zeitung» sagt.

«Wenn wir ein solches Projekt aufgleisen, schauen wir immer, dass wir alle Interessengruppen miteinbeziehen»,

sagt Bättig weiter. «Beim Projekt haben wir mit der Stadt gesprochen und mit dem Denkmalschutz», sagt er. Den Zürcher Heimatschutz (ZVH) hätte Planzer hingegen nicht auf dem Radar gehabt.

Das als architektonisch interessant geltende Kaufhaus wird zum Hindernis

Grund für den Rekurs des ZVH ist die brutalistische Fassade des Kaufhauses Regina. Das Gebäude wurde in den 1960er-Jahren erbaut und ist laut der kantonalen Denkmalpflege ein wichtiger baulicher Zeitzeuge. Die denkmalgeschützte Fassade war im Bauprojekt bereits miteinbezogen ‒ ein weiterer Grund, wieso das Gerichtsurteil für Planzer überraschend kam. «Wir haben die Grundstücke sukzessive erworben. Für uns ist es bei einem solchen Projekt wichtig, dass wir das Baufeld als Gesamtkonzept schön entwickeln und so auch zur Aufwertung des Dietiker Stadtbildes beitragen können. Wir wollten das Regina nie einreissen, es soll ein relevanter Teil des Projektes sein», erklärt Bättig.

Die Plastiken an der Fassade des Kaufhauses stammen vom Zürcher Bildhauer Ödön Koch und sollten auch bei der neuen Überbauung bestehen bleiben. Zwar hätte das Kaufhaus Regina zusätzlich mit einem Holzturm aufgestockt werden sollen, dieser sollte aber laut Bättig nicht von der markanten Fassade ablenken. «Wenn man vorne auf der Strasse steht, dann sieht man primär das wunderbare Relief, nicht aber den Turm», sagt Bättig. Der Zürcher Heimatschutz sähe dies allerdings anders.

Das Baurekursgericht urteilt: Projekt greift zu stark ein

Und das Baurekursgericht hat dem Zürcher Heimatschutz recht gegeben. Die Aufstockung beeinflusse das Erscheinungsbild des Kaufhauses massgeblich, heisst es in dem Urteil. So übe der viergeschossige Aufbau «einen prägenden Einfluss auf die optische Wirkung des Kaufhauses» aus. Dies sei auch von der gegenüberliegenden Seite der Zentralstrasse her in der Frontalansicht erkennbar.

Das Kaufhaus Regina steht zwar im «Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung», aber damit nicht automatisch unter Schutz. Da das Inventar aber die «Erhaltung der bauzeitlichen Substanz des Baus» vorsieht, wären dem Baurekursgericht zufolge umfassendere Abklärungen zu den Eingriffen am Gebäude nötig gewesen.

Im Urteil verweist das Gericht darauf, dass ein Teil des Dachs für die geplante Aufstockung abgebrochen werden soll. Dabei handle es sich um einen Eingriff in die Substanz des Gebäudes. Dass die Aufstockung klar als Zusatz zum bestehenden Gebäude erkennbar sei, lässt das Gericht nicht als Argument der Personalvorsorgestiftung der Planzer Transport AG gelten. Und die Aussage, wonach die Aufstockung wieder rückgängig gemacht werden könne, wird im Urteil als «eher theoretischer Natur» bezeichnet, zumal darin zehn Wohnungen geplant seien.

2020 kam das letzte Grundstück dazu

Das Kaufhaus Regina kam 2018 in den Besitz der Personalvorsorgestiftung der Planzer Transport AG, das letzte Grundstück des Areals kam 2020 dazu. 3500 Quadratmeter umfasst das gesamte Grundstück, auf dem die neue Überbauung entstehen soll. «Es ist ein schönes Projekt der Architekten. Der Garten hinten sorgt auch für mehr Grün», findet Bättig. Das Projekt der Architekten der Oxid Architektur GmbH sieht vor, dass der Florahof mit Bäumen bepflanzt wird. An der Ecke Zentralstrasse/Bremgartnerstrasse ist ein Winkelbau geplant, der in Holzbauweise erstellt werden soll.

Sie hätten bereits viel in das Projekt investiert, nur schon in die Baubewilligung, sagt Bättig. Und weiter:

«Für uns wäre es wirklich schön, wenn wir in Dietikon eine solche Überbauung als Gesamtes umsetzen könnten. Dabei steht nicht die Rendite im Vordergrund, sondern die Aufwertung des Dietiker Stadtbildes.»

Planzer habe bereits mit der Stadt Dietikon gesprochen und sei auch mit der Denkmalpflege in Kontakt, sagt Bättig. «Wir prüfen aktuell die möglichen Vorgehensweisen. Wir haben nun bis am 22. Juni Zeit, uns zu entscheiden», fährt er fort. Bis dahin kann Planzer das Urteil entweder akzeptieren oder es ablehnen und somit an das kantonale Verwaltungsgericht weiterziehen.