Dietikon
Das Ortsmuseum hat jetzt einen glänzenden Portier von Josef Staub

Die 1979 aus Chromstahl gefertigte Plastik «Pisa» weist neu den Weg ins Dietiker Ortsmuseum. Fredi Staub freute sich beim Aufrichten, gemeinsam mit der Stadt so einen schönen Standort für das Kunstwerk seines 2006 verstorbenen Vaters gefunden zu haben.

Florian Schmitz
Merken
Drucken
Teilen
Zusammen mit Fredi Staub (links) beförderten Jürg Bracher (rechts) und Kevin Krah von der Bracher Metallgestaltung und Schmiedekunst die Plastik vom Lastwagen ...
7 Bilder
... auf die Wiese direkt vor dem Ortsmuseum.
Welche Richtung darfs sein? Nach einer Drehung war der Konsens klar: Die Schräglage der Skulptur wirkt dynamischer, wenn sie vom Gebäude wegzeigt.
Nachdem die Ausrichtung der Plastik entschieden war, ...
... schraubte Kevin Krah sie auf ihrem Betonsockel fest.
Äussert zufrieden mit dem Resultat: Fredi Staub und Ortsmuseumsleiterin Regula Stauber begutachten die eben aufgerichtete Plastik.
Für das Gruppenfoto lugte sogar noch kurz die Sonne hinter den Wolken hervor: Fredi Staub (von links), Regula Stauber, Jürg Bracher, Kevin Krah ; Otto Müller (Präsident Stadtverein) und Sven Wahrenberger (stellvertretender Leiter Ortsmuseum).

Zusammen mit Fredi Staub (links) beförderten Jürg Bracher (rechts) und Kevin Krah von der Bracher Metallgestaltung und Schmiedekunst die Plastik vom Lastwagen ...

Florian Schmitz / Limmattaler Zeitung

Beim Vorbeispazieren sticht der neue Blickfang vor dem Dietiker Ortsmuseum sofort ins Auge. Die Chromstahl-Plastik «Pisa» von Josef Staub ziert seit Donnerstagmorgen die Wiese vor der stattlichen Villa an der Schöneggstrasse. Innert weniger Momente hatten Inhaber Jürg Bracher und Kevin Krah von der Dietiker Firma Bracher Metallgestaltung und Schmiedekunst zusammen mit Fredi Staub, dem Sohn des 2006 verstorbenen Künstlers, die Skulptur vom Lastwagen auf den bereits präparierten Betonsockel gehievt.

Für mehr Gesprächsstoff sorgte die Ausrichtung des geschwungenen Kunstwerks, das mit seiner Schräglage an den schiefen Turm von Pisa erinnert. Nach kurzer Zeit und einer Umdrehung um die eigene Achse waren sich die Anwesenden einig und Krah schraubte die Skulptur fest. Weil die Schräge vom Haus weg zeige, wirke die Plastik dynamischer und könne ihre Energie frei in dem offenen Raum entfalten, erklärte Staub. «Sie passt wunderbar», freute sich Ortsmuseumsleiterin Regula Stauber.

Der Betonsockel wurde spontan zum Geschenk

Auch Otto Müller, Präsident des Stadtvereins Dietikon, war angetan vom neuen Wahrzeichen: «Die Plastik setzt einen spannenden, modernen Akzent vor die schöne Stadtvilla.» Beim Aufrichten erhielt er gleich noch eine gute Nachricht: Der von der Dietiker Paul Brunner AG erstellte Betonsockel wurde dem Ortsmuseum als Geschenk offeriert.

Die reibungslose Aktion kam offensichtlich auch weiter oben gut an: Nicht nur setzte der Regen kurz vor Ankunft der Skulptur aus. Kurz nach dem sie fest auf ihrem Sockel thronte, lugten hinter den Wolken einige Sonnenstrahlen hervor, um den Chromstahl in vollem Glanz erscheinen zu lassen.

Ortsmuseum erhält eine Rollstuhlrampe

Bisher führen nur Treppen in die Villa, in der das Dietiker Ortsmuseum untergebracht ist. Deshalb steht schon eine Weile die Idee im Raum, den Eingang mit einer Rampe behindertengerechter zu gestalten. Weil beim Aufrichten der Plastik «Pisa» auch ein Gast im Rollstuhl vorbeischaute, halfen Jürg Bracher und sein Mitarbeiter von der Bracher Metallgestaltung und Schmiedekunst spontan, den Mann über die Treppen ins Museum zu tragen. Daraufhin machte Bracher gleich vor Ort mit den Ortsmuseumsverantwortlichen Regula Stauber und Sven Wahrenberger ab, eine Offerte für den Bau einer Aluminiumrampe einzureichen, damit Rollstuhlfahrer über den Hintereingang bald mit eigener Kraft ins Ortsmuseum gelangen können. (flo)

Die 1979 erstellte Plastik «Pisa» ist eine unbefristete Leihgabe von Fredi Staub. «Ich habe Regula Stauber und Otto Müller angefragt, ob sie allgemein Interesse hätten», erzählt Staub, weil das rund 130 Kilogramm schwere Kunstwerk unbeachtet von der Öffentlichkeit im Hinterhof der Firma Bracher gestanden sei. Nach einigen Überlegungen habe man sich aufs Ortsmuseum geeinigt und den Standort bei einer Begehung festgelegt. Dazu Staub:

«Die Plastik hat jetzt quasi eine Portierfunktion und empfängt die Museumsgäste.»

Dass das Kunstwerk vorher bei Bracher gelagert wurde, ist kein Zufall: «Mein Vater hat über die Jahre Hunderte Plastiken aus Chromstahl für Josef Staub angefertigt», erzählt Jürg Bracher. Auch er habe dem Vater schon früh geholfen, Staubs Modelle als grosse Kunstwerke umzusetzen. Staub habe sich damals der gängigen Meinung widersetzt, dass Chromstahl für Kunstwerke nichts tauge. Die Zusammenarbeit mit ihm sei immer angenehm gewesen, erinnert sich Bracher.

Die Plastik Joy wird auf dem Rapidplatz montiert
8 Bilder
Das Aufstellen Das 3,7 Tonnen schwere Kunstwerk aus Chromstahl, die auf dem Lastwagen lag, wird langsam aufgestellt und auf Holzpaletten abgestellt.
Das Ausrichten Bevor das neue Wahrzeichen des Limmatfelds auf seinem Sockel platziert werden kann, muss es an den drei Ketten waagrecht aufgehängt werden - andernfalls werden die fünf Bolzen auf der Unterseite nicht in die Hülsen im Sockel flutschen können.
Der Organisator Fredi Staub, der das künstlerische Werk seines Vaters verwaltet, ist mit dem Standort zufrieden: Die Eleganz und die Dynamik der Plastik passe gut ins Limmatfeld, sagt er.
Luftig Die Plastik Joy mit ihren zwei aufwärtsstrebenden Flügeln schwebt zu ihrem Sockel auf dem Rapidplatz.
Millimeterarbeit Es muss gezogen und gerüttelt werden - dann sitzt die Plastik Joy exakt auf ihrem vorbereiteten Sockel. Die feierliche Einweihung findet zu einem späteren Zeitpunkt statt.
Freude Fredi Staub freut sich nach der gelungenen Montage: Das 3,7 Tonnen schwere Chromstahl-Kunstwerk ist platziert und fixiert.
Das Schlussbild Das neue Wahrzeichen im Dietiker Limmatfeld und die Truppe um Fredi Staub (Mitte).

Die Plastik Joy wird auf dem Rapidplatz montiert

Alex Spichale

In der Herstellung eine der aufwendigsten Plastiken

Die schlichte Form der Plastik täusche über die komplexe Herstellung hinweg, erklärt Staub. Sie bestehe nicht einfach aus zwei gebogenen Elementen, sondern aus Dutzenden aneinander geschweissten Streifen, die anschliessend verschliffen wurden. Zum Herstellen sei sie eine der aufwendigsten Plastiken überhaupt gewesen im beeindruckenden Gesamtwerk von Josef Staub, der 50 Jahre in Dietikon lebte und wirkte und 2003 von der Stadt mit dem Kulturpreis ausgezeichnet wurde.

In Dietikon das grösste Werk von Josef Staub: Die Skulptur bei der Kirchhalde.

In Dietikon das grösste Werk von Josef Staub: Die Skulptur bei der Kirchhalde.

Florian Schmitz

Mit der Plastik «Pisa», die 1984 an der Schweizerischen Plastikausstellung in Biel gezeigt wurde, wird das Erbe von Staub in Dietikon noch sichtbarer. Sie reiht sich ein in weitere Werke des Künstlers, welche die Stadt verschönern: Die grosse Betonskulptur bei der Kirchhalde, das Kunstwerk auf dem Pausenhof des Schulhauses Luberzen, die 2019 auf dem Rapidplatz aufgestellte Plastik «Joy» und die Plastik «Frido» auf dem Gemeinschaftsgrab des Friedhofs zum Beispiel.