Dietikon
«Das ist kein Scherz mehr»: Bei Kleintierzüchter Christian Berger ist eingebrochen worden

Christian Berger züchtet seit Jahrzehnten Hühner, nun schnitten Unbekannte Löcher in sein Gehege beim Kleintierzüchterverein Dietikon und liessen einige Tiere frei. Fünf seiner Zuchthühner fehlen seither.

Lydia Lippuner
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Löcher im Gitter und eine ausgehängte Türe: Christian Berger zeigt ein Bild von der Situation, die er nach dem Einbruch vorfand.
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Hoher Zaun schirmt das Gehege vom Maisfeld ab: In dieses Feld warfen die Einbrecher die Hühner.
Mit seinem eigenen Hammer: Die Einbrecher verschafften sich gewaltsam Zutritt in Bergers Reich.
Mit Kabelbinder und Ersatzgitter: Einige Löcher flickte Berger bereits behelfsmässig.
Sein grosser Stolz: Berger züchtet seit Jahren Zwerg-Cochins. Das sind kleine Hühner die eine möglichst runde Federpracht zeigen sollen.

Löcher im Gitter und eine ausgehängte Türe: Christian Berger zeigt ein Bild von der Situation, die er nach dem Einbruch vorfand.

Lydia Lippuner

Ahnungslos ging Christian Berger am Freitagmorgen zu seinem Stall beim Areal des Kleintierzüchtervereins in Dietikon. Auf den ersten Blick sei ihm erst gar nichts aufgefallen, als er wie jeden Morgen seine Hühner füttern wollte. «Erst ein wenig später bemerkte ich die grossen Löcher im Gehege», sagt Berger. Die Hühner seien sehr unruhig und verschüchtert gewesen, da Unbekannte an sieben Orten ein Loch ins Gehege geschnitten hatten. Er sagt:

«Ich hätte weinen können.»

Sieben Hühner hätten vor dem Maisfeld hinter dem Stall darauf gewartet, von ihm wieder über den Zaun ins Gehege gebracht zu werden. «Sie kennen mich ja», sagt er. Weitere fünf Hühner seien aber bis heute verschollen geblieben. Berger vermutet, dass sie entweder tot sind oder gestohlen wurden und er sie an einer Züchterausstellung wiedersehen wird.

Berger züchtete bereits als Kind

Berger züchtet mit Herzblut. Das Gehege für seine rund 40 Zuchttiere hat der gelernte Polymechaniker selbst aufgebaut. Es übertreffe die gängigen Standards für tiergerechtes Halten. «Meine Frau sagt immer, wir hätten für dieses Geld auch ein Ferienhäuschen haben können», sagt Berger. Doch das Züchten liege ihm nun einmal am Herzen: Bereits als Kind habe er mit einem Huhn einen Zuchtpreis erhalten.

In den letzten Jahren hat er sich auf die Rasse der Zwerg-Cochins spezialisiert. An der Holzwand des Zuchthäuschens hängen zahlreiche Plaketten, die von seinem Erfolg zeugen. Fährt Berger mit der Hand über die staubigen Fahnen, die ihn als Ehrenmitglied auszeichnen, beginnt er wieder zu lächeln. Einmal habe er gar schweizweit die schönsten Zwerg-Cochins gehabt. Umso mehr schmerzt der Verlust, der ihm durch den Einbruch widerfahren ist. In Zahlen beträgt der Schaden etwa 600 Franken für das Gehege, dazu kommen noch einmal rund 400 Franken für die verlorenen Hühner.

Das Motiv der Täter bleibt schleierhaft

Die grosse Frage nach dem Warum des Einbruchs kann Berger nicht eindeutig beantworten. Feinde habe er keine. Er sei ratlos. «Ich habe keine Ahnung, wieso mir das passierte», sagt er. Dass ein Fuchs die Tiere holte, schliesst er aus, da er keine Federspuren gesehen habe. Und von einem Lausbubenstreich könne man hier nicht mehr reden. «Die Leute mussten schliesslich einige Zäune durchschneiden. Das ist kein Scherz mehr.»

Der Kleintierzüchterverein Dietikon war ebenfalls erstaunt über den Vorfall. «Solche Vorfälle sind sehr schade, denn wir erhalten alte Rassen. Es ist den Einbrechern wohl nicht bewusst, wie viel Einsatz hinter der Zuchtarbeit steht», sagt Fabian Schenkel, Mediensprecher des Vereins. Es sei aber zum Glück nicht an der Tagesordnung, dass die Tiere der Züchter gestohlen werden, dies sei in den letzten rund fünf Jahren lediglich dreimal vorgekommen. Schenkel sagt:

«Wenn jemand so etwas tut, will er entweder die Hühner oder er will die Tiere freilassen.»

Bis Berger weiteren Bericht von der Polizei erhält, bleibt ihm nichts anderes übrig, als den angerichteten Schaden zu beheben. Einige Löcher hat er bereits behelfsmässig mit einem Gitter abgedeckt. Nun überlege er, wie er sich vor künftigen Einbrüchen schützen könne.

Laut der Kantonspolizei Zürich werden selten Tiere gestohlen. «Wenn Tiere entwendet werden, sind es meist Kleintiere», sagt Sprecher Stefan Oberlin. Auch für die Polizei ist es schwierig, das Motiv der Täter zu ergründen. Es könne sein, dass jemand einfach ein Tier essen wolle oder auch, dass es sich um ein wertvolles Tier handle, das deshalb Begehrlichkeiten wecke. Entsprechend unterschiedlich gestaltet sich auch die Suche nach den Tieren. «Auf alle Fälle wertet die Polizei die Spuren des Tatorts aus. Manchmal startet sie sogar einen Zeugenaufruf», sagt Oberlin. Dieser müsse jedoch verhältnismässig sein und auch einen gewissen Erfolg in Aussicht stellen.

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