Asylwesen
Dietikon braucht unbedingt eine neue Asylunterkunft

Eine Alternative für die Zivilschutzanlage Oberdorf ist gefunden – doch neue Platzprobleme warten

Sophie Rüesch
Drucken
Teilen
Diese Betten sind wieder leer: Die Stadt konnte eine Alternative mit Tageslicht finden.

Diese Betten sind wieder leer: Die Stadt konnte eine Alternative mit Tageslicht finden.

aru

Von den rund 200 Asylsuchenden, die die Stadt Dietikon aufgenommen hat, lebt seit Mitte Oktober niemand mehr im Untergrund: Der Betrieb in der Zivilschutzanlage Oberdorf wurde eingestellt, wie Sozialvorsteher Roger Bachmann (SVP) auf Anfrage bestätigt.

In Betrieb genommen wurde die unterirdische Unterkunft Anfang Jahr, als die Stadt die vom Kanton von 5 auf 7 Personen pro 1000 Einwohner erhöhte Asyl-Aufnahmequote auf die Schnelle nicht anders erfüllen konnte. Die Einstellung des Betriebs wurde nun durch eine Vereinbarung mit einem Grundeigentümer möglich, der geplante Sanierungs- und Umbauarbeiten an zwei grösseren Liegenschaften aufschiebt und die Räume an die Stadt vermietet – es ist also nur eine Zwischenlösung.

«Wir hatten grosses Glück, dass wir diesen Deal abschliessen konnten», sagt Bachmann. «Das verschafft uns etwas Zeit, nach einer neuen, längerfristigen Lösung Ausschau zu halten.» Zwei bis drei Jahre kann die Stadt die rund 40 Asylbewerber, die zuvor in der Zivilschutzanlage vis-à-vis des Ruggachers wohnten, in den beiden Häusern unweit der bestehenden Asylunterkunft an der Schönenwerd-Kreuzung unterbringen.

Kreiselausbau bedingt Abbruch

Bis diese Zeit abgelaufen ist, muss Dietikon allerdings nicht nur Ersatz für die rund 40 dann erneut wegfallenden Plätze suchen: Auch die bestehende Asylunterkunft an der Zürcherstrasse soll bald ausgedient haben. Grund ist der Bau der Limmattalbahn: Im Zuge der flankierenden Massnahmen wird die Schönenwerd-Kreuzung zum Kreisel ausgebaut und der Kanton hat für die Erweiterung der Strasse Platzansprüche gestellt, die einen Abbruch der bestehenden Unterkunft an der Zürcherstrasse bedingen.

Dieser sei in Dietikon akzeptiert, sagt Stadtarchitekt Peter Baumgartner, auch weil nur dadurch das vorliegende Projekt mit durchgängigen Fahrrad- und Fussgängerverbindungen realisiert werden kann. Die Stadt stehe nun in Verhandlungen mit dem Kanton über eine Ersatzlösung.

Roger Bachmann; Sozialvorstand «Die Zwischenlösung verschafft uns etwas Zeit, nach einer längerfristigen Lösung Ausschau zu halten.»

Roger Bachmann; Sozialvorstand «Die Zwischenlösung verschafft uns etwas Zeit, nach einer längerfristigen Lösung Ausschau zu halten.»

ZVG

Es könnte sogar sein, dass auf der bisherigen, städtischen Parzelle wieder eine neue Unterkunft gebaut wird – «wenn der Kanton unter anderem auch ein Näherbaurecht an die neue Trottoirhinterkante akzeptiert». Eine weitere Option, die man nun prüfe, sei ein Grundstück in der Nähe der heutigen Unterkunft, das dem Kanton gehört.

Über ein drittes will Baumgartner zurzeit noch keine näheren Angaben machen. Die bestehende Unterkunft wird voraussichtlich schon im nächsten Sommer abgerissen. Es muss also ereits dann eine weitere Zwischenlösung für diese rund 40 Plätze her. Auch dafür suche man nun zusammen mit der Sozialabteilung und dem Kanton nach einer geeigneten Lösung.

Klar ist, dass für die insgesamt rund 80 wegfallenden Plätze ein Neubau nötig wird. Die Stadt Schlieren, die im Oktober ihre neue Asylunterkunft eröffnet hat, könnte dafür als Vorbild dienen. «Im Fokus steht ein Neubau, der vom Gebäudetyp her analog zur neuen Unterkunft in Schlieren ist», so Bachmann. Das Ziel sei ein Bau in Dimensionen, die auch noch etwas Reserve bieten. Zurzeit sehe es zwar nicht danach aus, als müsste die Aufnahmequote im Kanton Zürich schon bald wieder erhöht werden. Doch wie sich die Flüchtlingssituation in den nächsten Jahren entwickelt, weiss niemand.

Wohin mit dem Neubau?

Die Suche nach einem Grundstück für die neue Anlage dürfte sich gemäss Bachmann schwierig gestalten. «Die Platzverhältnisse sind heute schon beschränkt – sonst hätten wir gar nicht auf die unterirdische Unterbringung zurückgreifen müssen.» Schon Anfang Jahr hatte die Stadt nach geeigneten und verfügbaren Flächen gesucht, auf denen man zum Beispiel Container hätte errichten können – ohne Erfolg.

Am Standort der heutigen Unterkunft wolle die Stadt für einen Neubau möglichst festhalten. Die Lage habe sich bewährt. «Die Nachbarn haben sich daran gewöhnt, dass in der Nähe Asylsuchende leben», sagt Bachmann. Man erwarte deshalb am alten Ort weniger Misstöne, als wenn eine neue Unterkunft etwa mitten in einem Wohnquartier geplant würde.

Ob es mit dem Bau einer neuen Unterkunft rechtzeitig klappt, ist allerdings fraglich. Selbst wenn sich ein geeignetes Grundstück innert nützlicher Frist finden liesse, muss auch genug Zeit für den politischen Prozess eingeräumt werden. Die Pläne müssten vom Gemeinderat und je nach Kosten voraussichtlich auch vom Volk genehmigt werden. Und erst danach könnte es mit den Bauarbeiten losgehen.

Nicht langfristig zumutbar

Doch für den Moment ist Bachmann vor allem froh, dass eine Alternative für die Zivilschutzanlage gefunden wurde. Die unterirdische Unterbringung sei als kurze Übergangslösung gerade noch zumutbar gewesen. «Doch längerfristig wäre es kaum zu verhindern, dass der Lagerkoller ausbricht», so Bachmann. Vor allem im anbrechenden Winter, wo man sich weniger lange draussen aufhalten kann, hätte das Leben unter der Erde Konfliktpotenzial geboten.

Die Zivilschutzanlage, die für die Unterbringung der Asylsuchenden mit neuer Infrastruktur ausgestattet wurde, steht aber weiterhin bereit – für den Fall, dass die Aufnahmequote erneut erhöht wird, oder dass ein Ersatzbau nicht rechtzeitig realisiert werden kann.