Dietikon
Blick in die Miniaturwelt: Bei den Modelleisenbähnlern kommt viel Handarbeit zum Zug

Seit 40 Jahren wird daran gebaut, fertig wird sie aber nie: Der Modell Bahn Club Dietikon zeigte am Wochenende seine grosse Anlage.

Oliver Graf
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Blick auf einen Teil des Bahnhofs Burgstadt und Umgebung: Das Geläut der Kirche lässt sich per Knopfdruck steuern
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Viele Liebe zum Detail: Eine gemütliche Picknickrunde macht ein Feuer, im Hintergrund braust ein Zug vorbei.
Ein Zug fährt durch die Modell-Landschaft, im Hintergrund warten mehrere Personen auf einen Bus.
Darf in einer Schweizer Landschaft nicht fehlen: Eine Luftseilbahn bringt Reisende auf einen Berg.
Einem junger Besucher sticht ein Detail ins Auge.
Eines der nächsten Projekte: Das Perron Burgstadt wird überdacht.

Blick auf einen Teil des Bahnhofs Burgstadt und Umgebung: Das Geläut der Kirche lässt sich per Knopfdruck steuern

Oliver Graf / Limmattaler Zeitung

«Es hat sogar einen Zeltplatz», ruft ein Junge. Er steht auf Zehenspitzen auf einem Holzhocker und blickt über einen Teil der Anlage des Modell Bahn Club Dietikon. An einer anderen Stelle, neben dem fiktiven Bahnhof Seemoos, drückt ein Mädchen auf einen Knopf. Sie blickt gespannt über Gleise und Landschaft. Dann winkt sie rasch ihre Mutter herbei und deutet auf die Standseilbahn, die sich am Berghang in Bewegung gesetzt hat. «Die fahre ich», sagt sie zufrieden.

Gregor Haug und Ralf Kastmann, der Präsident und der Vizepräsident des Vereins, stehen etwas abseits und lächeln. Sie und ihre Kollegen würden oft stundenlang an Details basteln und feilen, sagen sie. Manchmal denke er, dieses eine Figürchen, das auf der rund 40 Quadratmeter grossen Anlage gerade platziert wird, werde am Ende gar niemand bemerken, sagt Kastmann. Am Tag der offenen Tür werde er jeweils eines anderen belehrt. «Gerade Kindern entgeht kaum etwas.» Es sei schön, diese Freude der Besucherinnen und Besucher zu sehen, ergänzt Haug.

Vizepräsident Ralf Kastmann und Präsident Gregor Haug vor ihrem Clublokal, dem früheren Spanisch-Brötli-Bahnhof.

Vizepräsident Ralf Kastmann und Präsident Gregor Haug vor ihrem Clublokal, dem früheren Spanisch-Brötli-Bahnhof.

Oliver Graf / Limmattaler Zeitung

Auch ohne Festwirtschaft herrschte gute Stimmung

Der Modell Bahn Club Dietikon hat über das Wochenende wieder seine Türen geöffnet. Fiel der jährliche Anlass 2020 coronabedingt aus, konnte er nun wieder durchgeführt werden. Auf eine grosse Festwirtschaft verzichtete der Verein zwar, und im Clubhaus – im alten Spanisch-Brötli-Bahnhof beim Bahnhof Dietikon – waren gleichzeitig nur maximal 17 Personen zugelassen. Doch der Stimmung tat dies keinen Abbruch. Es sei wie immer, fasste es ein Clubmitglied zusammen:

«Die Kinder staunen, und die Erwachsenen auch.»

Zu bestaunen gab es vieles: Die langen Züge auf der Haupt- und Nebenbahn, die computergesteuert auf den Strassen verkehrenden Fahrzeuge, der Lichtwechsel von Tag zu Nacht und die vielen, vielen Details. Diese Vielfältigkeit mache auch den Verein aus, sagt Präsident Gregor Haug. «Jeder kann das machen, was er gern macht.» Einige würden sich am liebsten um die technischen Anlagen kümmern, andere bevorzugten das Basteln an den Landschaften, und wiederum andere würden einfach Züge sammeln und gern fachsimpeln.

Die Mitglieder treffen sich in der Regel am Montag zum Bauen, an Fahrabenden können sie mitgebrachte Züge auf die Schienen setzen. Trotz Coronapandemie hat sich die Anlage weiterentwickelt. Clubabende mit vielen Mitgliedern waren zwar nicht möglich, viele haben sich aber «etwas Arbeit nach Hause geholt», wie Haug sagt.

Beleuchtete Fenster werden liebevoll einzeln präpariert

Neu sind auf der Anlage unter anderem deutlich mehr Häuser beleuchtet als früher. Dahinter steckt viel Fein- und Handarbeit: Setze man einfach eine Lichtquelle ins Gebäude, würde das ganze Haus aus Plastik leuchten, erklärte Vizepräsident Kastmann fragenden Besuchenden. Deshalb wird aufwendig jedes einzelne Fenster, das in der simulierten Nacht hell erscheinen soll, entsprechend präpariert.

Auch wenn der Modell Bahn Club Dietikon seit 1981 – also seit 40 Jahren – an seiner Anlage baut, fertig ist sie noch nicht. Noch lange nicht. «Es gibt immer etwas zu verbessern», sagt Haug. «Es kommen immer wieder neue Ideen auf», sagt Kastmann. Beim Bahnhof Burgstadt soll nun etwa das Perron überdacht werden, ein Modell liegt bereits vor. In einem Jahr, wenn der Verein zum nächsten Tag der offenen Tür laden wird, wird es wieder viel Neues zu entdecken geben.

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