Dietikon
Auch für Gärtner ohne grünen Daumen: Bei diesem Topf wächst die Pflanze oben und unten

Dominik Walker tüftelt an einem hängenden Blumentopf, der wie ein Spiegelbild wirkt. Ursprünglich hatte der Dietiker eigentlich etwas anderes herstellen wollen.

Lydia Lippuner
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Die Pflanzen aus den Töpfen des Erfinders Dominik Walker und seines Geschäftspartners Alain Germann wachsen gegen oben und gegen unten.

Die Pflanzen aus den Töpfen des Erfinders Dominik Walker und seines Geschäftspartners Alain Germann wachsen gegen oben und gegen unten.

Valentin Hehli

Am Fenster hinter Dominik Walker hängen drei Pflanzen. Es sieht auf den ersten Blick aus wie eine optische Täuschung, denn die Sukkulenten wachsen sowohl oben als auch unten aus dem Topf heraus. Der Dietiker will mit seinen speziellen Töpfen eine Marktlücke füllen.

«Bereits während meiner Schulzeit träumte ich davon, etwas zu erfinden», sagt Walker. In seiner Schulklasse in Urdorf erhielt er den Spitznamen «Ranger» in Anlehnung an die US-Fernsehserie der Neunzigerjahre, «Walker, Texas Ranger». Später absolvierte er die Ausbildung zum Arbeitsagogen, zog nach Dietikon und arbeitete in der Arbeitsintegration von psychisch beeinträchtigten Menschen im Zürcher Verein Drahtzug. Der Gedanke an eine eigene Erfindung rückte dabei in die Ferne.

Die zündende Idee kam 2019, als ihn eine Knieoperation zum Innehalten zwang. «Während ich krankgeschrieben war, kam der Daniel Düsentrieb in mir wieder zum Vorschein», sagt Walker. Während der Ruhezeit in den eigenen vier Wänden, mit Blick auf die Limmat, tüftelte er an einer neuen Idee, um Zimmerpflanzen zu kultivieren. Walker wollte einen hängenden Blumentopf kreieren, bei dem ein Bonsai nach oben und einer nach unten aus dem Topf wächst.

Ursprünglich hätte die hängende Pflanze absterben sollen

In seiner Vorstellung wäre die untere Pflanze mit der Zeit abgestorben und hätte ein dürres Geflecht gebildet, dass wie Wurzeln der obigen Pflanze aussehen sollte. «Doch die Pflanze starb einfach nicht, sondern wuchs ständig weiter», sagt Walker. Auch fürs Giessen hat er sich etwas Spezielles überlegt. Damit überschüssiges Wasser wieder abfliessen kann, bastelte er einen Wasserhahn an den Topf, aus dem das überschüssige Wasser in einen kleinen Kessel hinausläuft. So goss er die Pflanze und liess das Wasser stehen oder über einen kleinen Hahn wieder ablaufen. «Mit diesem System haben auch Leute ohne grünen Daumen schöne Zimmerpflanzen», sagt Walker.

Nach einem Jahr beschloss Walker, seine Idee weiter anzupassen. Er kreierte weitere hängende und stehende Blumentöpfe und Blumengläser, die er mit einem Hahn versah. Durch die Plexiglaswände der Töpfe solle man die Wurzeln sehen. Als Walker zeitweise bis zu 15 Stunden pro Woche mit den Blumentöpfen beschäftigt war, hat er dann gemerkt, dass er Hilfe braucht.

Ein Bad für die Pflanze: Ein Hahn sorgt dafür, dass überschüssiges Wasser wieder aus den Töpfen abläuft.

Ein Bad für die Pflanze: Ein Hahn sorgt dafür, dass überschüssiges Wasser wieder aus den Töpfen abläuft.

Valentin Hehli

Freunde nehmen sich als Geschäftspartner oft weniger ernst

Wenn man nun sein Team ansieht, ähnelt die Gruppe einer Klassenzusammenkunft: Ein Urdorfer Schulfreund knipste die Fotos für den Flyer, ein anderer Schulkollege designte den Bambustopf und ein weiterer, Alain Germann, stieg gar als Geschäftspartner ein; er erledigt alle IT-Angelegenheiten. Bei der Namensgebung orientierte sich Walker ebenfalls an seiner Schulzeit. «Als erstes kam mir ‹Ranger› als Namen in den Sinn und dabei blieb es», sagt er. Die Zusammenarbeit mit Freunden sei aber nicht per se einfach. Oftmals spüre er, dass er nicht so ernst genommen werde wie ein anderer Kunde. Er sagt:

«Doch wenn ich Arbeit vergeben muss, kann ich damit ja auch Freunde unterstützen.»

Es sei ihm zudem wichtig, dass der soziale Gedanke auch in der Herstellung zum Tragen komme. So produziert er die Blumentöpfe in Kooperation mit seinem Arbeitgeber, dem Verein Werkstätte Drahtzug. «Ich hätte die Töpfe auch günstiger im Ausland produzieren können, doch das wollte ich aus ethischen Gründen nicht», sagt er. Sein Ziel sei, dass er ein schönes Schweizer Produkt habe, die Töpfe ohne schlechtes Gewissen verkaufen könne und am Ende den Einsatz, den er zu Beginn in die Produktion steckte, wieder erwirtschafte. Letzteres stehe jedoch nicht im Fokus.

Walker hat bislang 25 Töpfe verkauft, dazu seien bereits neue Designs in Bearbeitung. Damit seine Erfindung nun abhebt, muss sie sich erstmals auf dem Markt behaupten. Dabei dürfte der Preis eine Hürde darstellen: Die teuren Materialien und Herstellungskosten spiegeln sich im Verkaufspreis wieder. So kosten die Blumentöpfe über 100 Franken. Mittlerweile steige die Nachfrage aber. Walker hat auch eine Partnerschaft mit dem Urdorfer Floristikgeschäft Aurora und dem Gartencenter Guggenbühl in Bonstetten abgeschlossen.

Durch das Plexiglas soll man die Wurzeln der Pflanzen sehen.

Durch das Plexiglas soll man die Wurzeln der Pflanzen sehen.

Valentin Hehli

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