Limmattal
Dietiker wissen selber, wo es ein Hochhaus verträgt

Eine engere Zusammenarbeit bei der baulichen Entwicklung halten Schlieren und Dietikon nicht für nötig. Private Initiativen würden jedoch stets auf offene Ohren stossen.

Alex Rudolf
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Wo könnte ein Hochhaus hinkommen?

Wo könnte ein Hochhaus hinkommen?

mzi

Geht es nach den beiden Stadtpräsidenten von Schlieren und Dietikon, ist eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den beiden Städten in Sachen Bau und Planung keine Priorität. Bereits jetzt würden sich verschiedene Planungsgremien darum bemühen, dass das Wachstum des Limmattals qualitativ hochstehend vonstattengeht, so der Tenor. Der Geograf Roman Beer monierte, dass dies jedoch noch effizienter als heute möglich wäre. Er untersuchte in seiner Masterarbeit die bauliche Entwicklung der Region anhand der Analyse von 13 Planungsgremien und -unterlagen mit kommunalem, regionalem, kantonalem oder nationalen Ursprung.

Dabei stellte er fest, dass die Gremien ähnliche Stossrichtungen haben, es jedoch auch gravierende Unterschiede gibt. Auf Gemeindeebene gebe es ein grosses Bedürfnis nach Autonomie, vor allem in Bezug auf die Ansiedlung gut betuchter Firmen und Einwohner. «Dieses Konkurrenzdenken ist für die Entwicklung des Limmattals nicht förderlich», wie Beer sagt.

Toni Brühlmann-Jecklin (SP), Schlierens Stadtpräsident, findet nicht, dass zwischen den beiden Städten ein Kampf stattfindet: «Schlieren und Dietikon haben ihre jeweiligen Standortförderungen, welche die beiden Städte gut vermarkten sollen», sagt er. Dass man sich damit gegenseitig im Weg steht, glaubt Brühlmann nicht. Darüber hinaus seien beide Städte in der regionalen Standortförderung engagiert, wo die Zusammenarbeit konkret gelebt werde.

ZPL ist bereits verbindlich

Auch der Vorschlag des gebürtigen Fahrweiders Beer, dass ein überkommunales Planungs- und Baugremium federführend sein soll, hält Brühlmann zwar für prüfenswert, aber nicht unbedingt für praktikabel. Schliesslich habe man mit der ZPL (Zürcher Planungsgruppe Limmattal) und den durch sie erarbeiteten regionalen Richtplan bereits ein gemeindeübergreifend verbindliches Raumplanungswerkzeug. Dieses dient als Grundlage für die jeweiligen Bau- und Zonenordnungen auf Gemeindeebene. Das sei doch schon viel.

Auch stelle sich bei einem solchen Gremium die Frage, ob es sinnvoll sei, wenn Personen von ausserhalb über ein Projekt befinden würden: «Ich persönlich halte es für fragwürdig, wenn Schlieremer Vertreter in diesem Baugremium über den Standort eines Hochhauses in Dietikon befinden sollten», hält Brühlmann fest. Schliesslich könnten Einheimische am besten einschätzen, was einem Quartier guttue und was eben nicht.

Private Initiativen sind kostbar

Beers zweiten Lösungsansatz begrüsst Brühlmann-Jecklin jedoch durchaus. Dass private Unternehmen oder Architekten auf Eigeninitiative Entwicklungspläne erarbeiten und diese der Stadt unterbreiten, sei kostbar. Prominentestes Beispiel: Die Architekturgruppe «Krokodil» entwarf für das Glattal ein Entwicklungskonzept.

Auch in Schlieren gab es etwas Vergleichbares: Das Bauunternehmen Halter wurde gemeinsam mit dem Eventveranstalter X-tra bei der Stadt vorstellig. Der Vorschlag: eine Eventhalle im Zentrum. Dieser wurde im Mai 2013 der Öffentlichkeit präsentiert, stiess in darauffolgenden Workshops mit der Bevölkerung aber auf wenig Gegenliebe. Die Idee wurde verworfen.

Ähnlich klingt es aus dem Dietiker Stadthaus. Stadtpräsident Otto Müller (FDP) begrüsst private Initiativen, verweist jedoch sogleich darauf, dass diese auf das öffentliche Interesse abgestimmt werden müssten. Auch den Vorschlag eines gemeindeübergreifenden Planungsgremiums hält Müller für sehr prüfenswert: «Aus rechtlichen Gründen ist dies jedoch noch nicht realisierbar.»

Generell sind für Müller gemeindeübergreifende Zweckverbände, wie die ZPL, ein nützliches Instrument, wenn die Ziele der Gemeinden dieselben sind. Dies funktioniere etwa in Themenbereichen wie dem Gubrist, dem Gateway und der Limmattalbahn sehr gut.