Im strömenden Regen auf den Bus warten, ohne ein schützendes Dach über der Haltestelle – man kann sich Schöneres vorstellen. Auch Olivier Barthe, Dietiker FDP-Gemeinderat, stand bereits im Regen. Im Juli reichte er ein Postulat mit dem Titel «Bus-Benutzende nicht im Regen stehen lassen» ein.

Er wollte vom Stadtrat wissen, warum nicht alle Bushaltestellen einen Unterstand haben und wer für die Planung, den Bau und den Betrieb der örtlichen Bushaltestellen zuständig ist.

Ausserdem fragte Barthe, wie sichergestellt werden kann, dass Bus-Benutzende an Bushaltestellen nicht im Regen stehen gelassen werden. «Ich erachte ein funktionierendes ‹von Tür zu Tür›-Mobilitätskonzept für wichtig. Und unüberdachte Bushaltestellen sind einfach unbequem», begründet der Gemeinderat seinen Vorstoss.

Haltestellen kategorisiert

Der Stadtrat beantwortete kürzlich die Fragen Barthes. «Für die Planung von örtlichen Bushaltestellen ist die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem marktverantwortlichen Unternehmen – im Fall von Dietikon sind das die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) – zuständig», schreibt der Stadtrat.

Die Gemeinde ist für Dinge wie die Überdachung, Abfalleimer, Sitzbänke oder den Unterhalt der Haltestelle zuständig, während sich die VBZ um Ticketautomaten oder digitale Anzeigen kümmern. Die VBZ erstellen Haltestellenstrategien mit Ausrüstungsempfehlungen an die Gemeinden. Das beinhaltet auch eine Einteilung der Haltestellen in vier Kategorien. Ist die Nutzung der Haltestellen ganz gering oder sehr gering erhalten sie kein Dach. Ist die Nachfrage gering, mittel bis hoch oder sehr hoch, erhalten sie ein Dach.

In Dietikon sind gemäss Stadtrat 49 der insgesamt 59 Haltestellen der tiefsten Kategorie zugeordnet. 17 davon besitzen ein Dach, obwohl sie dieses gemäss Empfehlungen der VBZ gar nicht bräuchten. Auch fünf weitere Haltestellen einer höheren Kategorie besitzen ein Dach.

Trotzdem: Bei Regen wird man bei 37 Haltestellen immer noch nass. Diese Zahl soll sich aber bald ändern. Wie der Stadtrat schreibt, haben die VBZ die Nutzungsfrequenzen aktualisiert. Neu sollen die Haltestellen Rapidplatz, Hagackerstrasse, Lerzen, Oberdorf und Stadthaus überdacht werden. «Damit soll der neu definierte Ausrüstungsstandard eingehalten werden», schreibt der Stadtrat.

Kosten von 150 000 Franken

Definitiv ist der Umbau der genannten Haltestellen aber noch nicht. «Zwei wichtige Faktoren, an denen die Einrichtung einer Wartehalle scheitern kann, sind das unter Umständen zu geringe Platzangebot und die Eigentumsverhältnisse, falls sich der Haltestellenbereich nicht im Eigentum der Stadt Dietikon befindet», so der Stadtrat.

Auch die Finanzen spielen eine Rolle. Pro Wartehäuschen rechnet der Stadtrat mit 30 000 Franken für den Bau und mit 2000 Franken für die jährlichen Unterhaltskosten. Damit entstehen für die fünf Haltestellen Kosten von über 150 000 Franken. Der Betrag wird vom Stadtrat in die Finanzplanung aufgenommen.

Doch daran, dass an den restlichen 32 unüberdachten Haltestellen die öV-Nutzer weiterhin nass werden, wird sich sobald nichts ändern. «Sie sind zu wenig frequentiert, die Einrichtung von Wartehallen wird nicht weiter verfolgt», schreibt der Stadtrat. Postulatssteller Olivier Barthe ist zufrieden – vor allem mit der geplanten Überdachung der fünf Haltestellen. «Ich finde es sehr positiv, dass man sich an die Richtlinien der VBZ halten will.»