Dietikon

Dietiker Start-up: Dieser Kaffee soll kein Magenbrennen verursachen

Hier weht Kaffeeduft: Loris Delorenzi steht vor seinem Lager bei der Urdorfer Stiftung Solvita.

Hier weht Kaffeeduft: Loris Delorenzi steht vor seinem Lager bei der Urdorfer Stiftung Solvita.

Der Dietiker Loris Delorenzi gründete während des Lockdown einen Vertrieb für Bio-Kaffee. Den Versand erledigt die Urdorfer Stiftung Solvita.

Mit 15 Bar läuft das Wasser durch das Kaffeepulver und tropft in die Espressotasse. Loris Delorenzi schaut den cremigen Schaum an, der sich auf der Oberfläche des Kaffees gebildet hat. «Die Brühmethode hat, genau wie die Bohnen an sich, einen grossen Einfluss auf den Geschmack des Kaffees», sagt der Dietiker Jungunternehmer. Delorenzi weiss dies aus eigener Erfahrung. Er verzichtete einige Zeit auf Kaffee, da er diesen kaum mehr vertrug. Er dachte, das schwarze Getränk ist ungesund. Das war bevor er anfing, Kaffee zu vertreiben. Heute sieht er es anders: «Trinke ich schonend gerösteten Bio-Kaffee, bekomme ich auch nach drei Tassen kein Magenbrennen.» Das Geheimnis liege vor allem in der Verarbeitung der Bohnen, sagt der 23-Jährige.

Diese Erkenntnis brachte ihn vor acht Monaten auf die Idee, bekömmlichen Bio-Kaffee unter dem Namen Delospresso zu vertreiben. Beginnt er über die verschiedenen Röstungen zu reden, kommt er ins Schwärmen. Sein Label stehe für eine dreifache Qualität: schonende Röstung, biologischen Anbau und fairen Handel. «Die industrielle Röstung verkohlt die Bohnen bei bis zu 800 Grad. Das bekommt dem Magen nicht und es entstehen gesundheitlich bedenkliche Stoffe wie Acrylamid», sagt Delorenzi. Er verkaufe nur Kaffee, der nach Bio-Suisse- oder Demeterrichtlinien produziert wurde. Dabei sei ihm ein fairer Handel wichtig. «Am fairsten ist der direkte Handel mit den Kooperativen», sagt er. Sein Wunsch sei es, den Produzenten vor Ort, etwa in Brasilien, einmal einen Besuch abzustatten.
Der gelernte Informatiker studiert nebst seinem 70-Prozentjob Wirtschaft. Über sein Studium sagt er: «Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so viel bringt, aber ich kann tatsächlich Einiges anwenden.» Eine Buchhaltung zu führen, schrecke ihn beispielsweise nicht mehr ab.

Er habe bereits in seinen Teenagerjahren gemerkt, dass er nicht nur in einem Angestelltenverhältnis arbeiten, sondern seine eigenen Ideen umsetzen wolle, sagt Delorenzi. Als die Coronapandemie ausgebrochen ist, sei es für ihn nicht infrage gekommen, sich auf das Sofa zu fläzen. Stattdessen habe er sich an den Computer gesetzt, eine Website erstellt, seine Einzelfirma gegründet und Dutzende Mails verschickt. «Ich arbeite oft bis Mitternacht. Die Motivation liess bislang aber nicht nach.» Das Meiste habe er in diesen vier Wänden gemacht, sagt er und zeigt auf sein minimalistisches Büro. Viel mehr als einen Tisch und einen Computer brauche er sowieso nicht.

Das Reformhaus Libergy verkauft seinen Kaffee

Ganz ohne physischen ­Kontakt kam Delorenzi aber nicht aus. Er besuchte beispielsweise Bertschi-Café in Basel, um ­Kaffee zu degustieren und zu bestellen. Zudem startete er eine Partnerschaft mit dem Reformhaus Libergy in Dietikon. Einen weiteren physischen Kontakt pflegt er mit der Stiftung Solvita in Urdorf, die Menschen mit Beeinträchtigung beschäftigt. In der Stiftung werden die Kaffeepäckli verpackt und versendet. «Ich bin sehr zufrieden mit dem Service von Solvita. Sie haben die Bestellungen meist innert Stunden versand- oder abholbereit», sagt Delorenzi und steigt die Treppen im Stiftungsgebäude hoch. Angekommen im dritten Stock steht er vor dem gemieteten Schrank mit seinen Bohnen. Man riecht den Kaffee schon durch die Türe. Tatsächlich habe man den Raum eine Weile Kaffeeraum und nicht mehr Kopierraum genannt, sagt Gruppenleiterin Katja Wolf bei Solvita.

Die Freude bei der Stiftung Solvita in Urdorf ist gross

Wenn sie die automatische Meldung einer Bestellung erhalte, frage sie in ihrem Team nach, wer die Bestellung gerne erledigen möchte, sagt Wolf. Antwort erhalte sie meist rasch, denn Webshop-Bestellungen sind für ihre Gruppe eine willkommene Abwechslung im Arbeitsalltag. «Die gezielte Förderung der Klienten und die Möglichkeit selbstständig zu arbeiten und
so persönliche Erfolge zu erzielen, ist sehr wichtig», sagt Wolf. Es sei daher erfreulich und sinnvoll solche Aufträge zu erhalten. Das sei eine Win-Win-Situation für Solvita und auch für die Kunden. «Es freut uns besonders, dass ein junges und kreatives Unternehmen mit seinen qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Produkten sein Vertrauen in uns setzt», sagt Wolf. Sie hoffe, dass das Projekt weiterhin gut laufe. Wenn ihre Kaffeedose leer sei, wolle sie auf alle Fälle wieder einen Bio-Kaffee kaufen.

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