Dietikon
Dietiker Stadtrat soll «Spielgruppe plus» am Leben erhalten

Der Stadtrat soll den Fortbestand der«Spielgruppe plus» sicherstellen und sich wenn nötig an den dafür notwendigen Kosten beteiligen und Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Das fordert die Grüne Gemeinderätin Catalina Wolf-Mirand in einer Motion.

Katja Landolt
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«Sprachlich gut integrierte Schüler entlasten den Schulunterricht, wovon wiederum die ganze Klasse profitiert», meint Catalina Wolf-Miranda.jpg

«Sprachlich gut integrierte Schüler entlasten den Schulunterricht, wovon wiederum die ganze Klasse profitiert», meint Catalina Wolf-Miranda.jpg

Limmattaler Zeitung

Anlässlich der Fragestunde vom 23. Mai hatte Schulvorstand Jean-Pierre Balbiani (SVP) erklärt, dass trotz intensiver Bemühungen keine Trägerschaft für das Projekt gefunden werden konnte und die Gefahr bestehe, dass die Spielgruppe plus geschlossen werde.

Spielgruppe plus: Sprache wird spielerisch gefördert

In «Spielgruppen plus» werden Kleinkinder im Alter von zweieinhalb Jahren bis zum Kindergarteneintritt jede Woche zweimal zwei bis zweieinhalb Stunden sprachlich gefördert. Im Gegensatz zu herkömmlichen Spielgruppen werden zusätzliche spielerische Sprachfördersequenzen in den Ablauf des Spielgruppenalltags integriert. Die Gruppengrösse beschränkt sich auf zehn Kinder. Gemäss Schätzungen der kantonalen Bildungsdirektion entstehen für eine Spielgruppe plus im ersten Jahr Kosten von rund 21 000 Franken. Nach Abzug der Elternbeiträge bleiben ungedeckte Kosten von rund 11 000 Franken pro Betriebsjahr. Diese werden mit den Quims-Geldern (Qualität in multikulturellen Schulen) durch den Kanton gedeckt. In Dietikon werden an der Schuleinheit Wolfsmatt derzeit neun solcher Gruppen geführt. Wie hoch hier die ungedeckten Kosten effektiv sind, lässt sich laut Gerold Schoch, Leiter Schulabteilung, nicht genau beziffern, da keine separate Vollkostenrechnung geführt wird. Die Kosten dürften sich aber im Rahmen der kantonalen Schätzungen bewegen.

Unterstützung von Institutionen

Es sei kein Geheimnis, dass Dietikon einen Ausländeranteil von über 40 Prozent aufweise, schreibt Wolf in ihrer Begründung. «Es ist wohl im Sinne aller, wenn sich dieser enorm grosse Teil unserer Gesellschaft optimal integrieren kann.»

Es müsse die Pflicht der Gemeinde Dietikon sein, für Kinder mit Migrations- oder bildungsfernem Hintergrund alle Mittel zur Verfügung zu stellen, damit eine perfekte Beziehung zwischen den integrierungswilligen Einzelpersonen und dem Staat entstehe. «Dazu gehört - gerade in Zeiten, in denen häufig beide Elternteile berufstätig sind - die Unterstützung von Institutionen wie der Spielgruppe Plus, sei dies infrastrukturell oder finanziell.»

Die Unterstützung der Spielgruppe plus stellt laut Wolf eine kostengünstige und nachhaltige Investition dar. «Wird sprachschwachen Kindern frühzeitig die notwendige Unterstützung angeboten, können sie ihre Bildungslücken schliessen.

Sprachlich gut integrierte Schüler entlasten den Schulunterricht, wovon wiederum die ganze Klasse profitiert.» Wolf verweist auf die Eidgenössischen Kommission für Ausländerfragen, die das Projekt Spielgruppe plus 2007 als innovativ und beispielhaft beurteilte und ihm den Schweizer Integrationspreis verliehen hat, und auf eine Studie des Marie-Meierhofer-Instituts über das Projekt, die zu signifikant positiven Ergebnissen gekommen ist.

Bereits im Juli 2011 hatten der ehemalige CVP-Gemeinderat Pius Meier und 19 Mitunterzeichnende den Stadtrat mittels Postulat aufgefordert, das Angebot «Spielgruppe plus» flächendeckend einzuführen. Meier verwies unter anderem auf positive Erfahrungen der Schuleinheit Wolfsmatt, die 2009 ein entsprechendes Quims-Projekt (Qualität in multikulturellen Schulen) im Handlungsfeld «Schulerfolg» gestartet hatte.

«Quims»-Geld ist für alle da

In seiner Antwort vom Februar 2012 hielt der Stadtrat fest, dass solche Quims-Projekte der Vorschulförderung während einiger Jahre möglich seien, eine stehende Einrichtung im Vorschulbereich jedoch nicht den kantonalen Vorgaben entspreche: Laut Volksschulgesetz müssen Schulen mit einem Fremdsprachigen- und Ausländeranteil von mehr als 40 Prozent gezielte Massnahmen in den Handlungsfeldern Sprachförderung, Förderung des Schulerfolgs und der Integration umsetzen. Dazu stehen den Gemeinden «Quims-Gelder» zur Verfügung. Das Problem: Die Beträge müssen die Schuleinheiten für alle drei Handlungsfelder einsetzen.

«Es ist nicht Sinn der Sache, dass die Quims-Gelder fast ausschliesslich für die ‹Spielgruppe plus› und damit für Kinder im Vorschulalter gebraucht werden», sagt Gerold Schoch, Leiter Schulabteilung. Die Quims-Gelder werden dem Projekt «Spielgruppe plus» deshalb in der Schuleinheit Wolfsmatt ab Ende Schuljahr 2013/14 nicht mehr zur Verfügung stehen, sondern für andere Projekte eingesetzt.

Nicht die Ausrichtung des Stadtrats

Der Dietiker Stadtrat hielt in seiner damaligen Antwort fest, es sei ihm ein Anliegen, dass das erfolgreiche Projekt nicht versiege, sondern eine neue Trägerschaft finde. Weiter hielt der Stadtrat fest, dass die flächendeckende Einführung der «Spielgruppe plus» nicht der stadträtlichen Ausrichtung entspreche.