Postulat
Dietiker Stadtrat lehnt «Idee Schönegg» ab

Der Vorschlag einer Überbauung beim Schulhaus Zentral in Dietikon überzeugt den Stadtrat nicht.

Tobias Hänni
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Das Gebiet Schönegg in der Ecke Bremgartnerstrasse/Schöneggstrasse grenzt an das Areal des Schulhaus Zentral an.

Das Gebiet Schönegg in der Ecke Bremgartnerstrasse/Schöneggstrasse grenzt an das Areal des Schulhaus Zentral an.

Tobias Hänni

Ein «grosser Wurf», mit dem mehrere Probleme auf einmal gelöst werden sollten und der das Dietiker Zentrum aufwertet: So versuchten die drei Dietiker Gemeinderäte Lucas Neff (Grüne), Reto Siegrist (CVP) und Manuel Peer (SP) dem Stadtrat ihre «Idee Schönegg» schmackhaft zu machen.

Zusammen mit 19 weiteren Parlamentariern reichten sie im letzten Jahr ein Postulat ein, in welchem sie für das städtische Gebiet in der Ecke Schönegg-/Bremgartnerstrasse eine Überbauung samt Dreifachturnhalle vorschlugen.

Sie sollte aus Sicht der Postulanten nicht nur den aktuellen Schulraummangel der Stadt überbrücken, sondern auch Platz für andere Nutzungen bieten: Etwa für die städtische Verwaltung, für Vereinslokale, Wohnungen und Gewerbe.

Inzwischen hat der Stadtrat den Vorschlag geprüft – und ihm in seiner Postulatantwort eine Absage erteilt.

Zwar sieht er darin «grundsätzlich die eigenen Entwicklungsvorstellungen zur Identität des Standortes» bestätigt.

Trotzdem sprechen für die Dietiker Exekutive verschiedene Gründe gegen das Projekt.

So widerspricht die damit vorgesehene schulische Zwischennutzung der städtischen Strategie zu dezentralen Schulanlagen in den Quartieren, wie der Stadtrat schreibt. Dieser Strategie folgend werde weiterhin eine Schule im Limmatfeld und im Niderfeld angestrebt, der akute Raumbedarf mit einem geplanten Schulprovisorium im Wolfsmatt und einem neuen Pavillon auf dem Steinmürliareal gedeckt.

«Eine umfangreiche Zwischennutzung am Standort Schönegg drängt sich somit nicht auf», so der Stadtrat. Diese ist für ihn auch aus Sicht der Schülerinnen und Schüler «nicht sinnvoll». «Die Hälfte der Schüler hätte danach einen längeren Schulweg.»

Verwaltung hat genug Platz

Auch die Unterbringung städtischer Verwaltungsabteilungen in der Überbauung sieht der Stadtrat derzeit nicht als «zwingend notwendig» an. Die Zusammenlegung der Abteilungen im Zentrum bezeichnet er zwar als «ideal», es gebe aber in der Verwaltung «im Moment kein Baubedarf». Auch für die nächsten Jahre rechnet er «mit einem moderaten Wachstum der Verwaltungsflächen». Ausserdem bestehe am grössten Verwaltungsstandort an der Neumattstrasse die Möglichkeit, die Fläche «zeitnah» zu erweitern.

Was den im Rahmen des Projekts vorgeschlagenen Wohnraum angeht, spricht sich der Stadtrat aus Sicht der Stadtentwicklung zwar für ein «höherwertiges Angebot» aus. Aus seiner Sicht ist es jedoch «nicht Aufgabe der öffentlichen Hand, aus eigenem Antrieb im grösseren Umfang Wohnflächen anzubieten».

Ausserdem müsse bei einer Umsetzung der «Idee Schönegg» mindestens für die im Gebiet vorhandenen Sozialwohnungen und die Alternativkultur Ersatz geschaffen werden. Doch nicht nur gegenüber einzelnen Nutzungen, auch gegenüber deren Zusammenlegung in einer Überbauung steht der Stadtrat skeptisch gegenüber. Die Kombination einer Schule mit Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungsnutzungen führe in der geplanten Dichte «im Betrieb zu beachtlichen Störungen, was die Qualität gegenseitig mindert». Nicht zuletzt scheint die «Idee Schönegg» für den Stadtrat zu einem falschen Zeitpunkt, sprich zu früh, zu kommen.

So weist er in seiner Antwort auf eine «ganzheitliche Immobilienstrategie» hin, die – ausgelöst durch die kürzlich erhaltene Auszeichnung «Energiestadt Gold» – derzeit in Arbeit sei. «Deren Resultate sind eine wichtige Entscheidungsgrundlage und Handlungsanweisung für den Planungsperimeter.»

Dasselbe gelte für das kurz vor Abschluss stehende Kulturkonzept der Stadt. Sobald diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann laut Stadtrat eine «zielgerichtete Planung im Areal» angegangen werden, bei welcher «im Sinne eines kooperativen Verfahrens» die Bevölkerung einbezogen werden soll.

Der Antwort fehlt die Vision

Bei den Postulanten löst die Antwort der Stadt wenig Begeisterung aus. Als «visionslos» bezeichnet Reto Siegrist den Standpunkt des Stadtrats. «Die Antwort basiert auf dem Ist-Zustand und ist nicht zukunftsgerichtet», kritisiert Siegrist, für den «in dieser Zeit der Veränderung» die Stadt bei ihrer Infrastruktur langfristig und mit einer Vision vor Augen planen muss.

Mit dem Postulat habe man eine solche für das Gebiet anstossen wollen. Darüber hinaus gebe der Stadtrat zwar umfangreiche, aber teilweise auch ziemlich vage Antworten, die viele Fragen offenliessen, so Siegrist. So fehlt ihm etwa bei der Schulraumplanung eine Perspektive, die über die Deckung des akuten Bedarfs hinausgeht.

Für Mit-Postulant Lucas Neff hat der Stadtrat den Vorstoss nicht nach strategischen Überlegungen beurteilt, die Antwort wirke «wie eine Collage von einzelnen, in der Grundtendenz negativen Äusserungen».

Die stadträtliche Haltung sei zudem teilweise widersprüchlich, sagt Neff und nimmt als Beispiel die Dreifachturnhalle. «Der Stadtrat sagt zwar, dass im Zentrum der Bedarf dafür vorhanden ist. Trotzdem möchte er eine solche Halle im Niderfeld, weil er dort ohnehin ein neues Schulhaus plant.» Ob das Niderfeld aber der richtige Standort für eine derart grosse Halle ist, bezweifelt Neff. Damit eine Dreifachturnhalle unter der Woche ausgelastet sei, brauche es ungefähr 36 Schulklassen. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass im Niderfeld ein Schulhaus für so viele Klassen gebaut wird.»

Trotz der ablehnenden Haltung des Stadtrats soll die ‹Idee Schönegg› nicht in der Schublade verschwinden, wie sowohl Neff als auch Siegrist sagen. «Wir müssen nochmals nachgreifen. Es handelt sich bei unserem Vorstoss ja nicht um ein fertiges Projekt, sondern eben um eine Idee», so Neff. Und eine solche brauche oft mehrere Anläufe.