Irgendwo auf der Website des Statistischen Amts des Kantons Zürich versteckt sich ein Reichtum an Informationen über Dietikon. Genauer: Über die Gründe, wieso Menschen nach Dietikon ziehen oder wieder wegziehen. Nur wusste bis jetzt kaum jemand davon. Denn der Stadtrat hat bewusst darauf verzichtet, die Daten zu veröffentlichen oder darauf hinzuweisen, wie aus seiner Antwort auf eine Interpellation von CVP-Gemeinderat Max Wiederkehr hervorgeht.

Erste Statistik wurde abgebrochen

Wiederkehr hatte sich erinnert, dass der Stadtrat im Jahr 2008 mitgeteilt hatte, Dietikon werde sich 2009 an einem Pilotprojekt des Kantons beteiligen. Dabei sollten ein Jahr lang in acht Gemeinden Befragungen der Zu- und Wegziehenden durchgeführt werden, um einen Vergleich zu ermöglichen. Verraten hatte der Stadtrat seine Absichten in der Antwort auf die Interpellation von Wiederkehrs ehemaligem Fraktionskollegen Patrick Knecht, der wissen wollte, wieso die Stadt eine erste, eigene Wanderstatistik in den Jahren 2005 und 2006 abgebrochen hatte.

Wiederkehr bat den Stadtrat nun darzulegen, wo dieser die Ergebnisse aus dem 2009 durchgeführten Projekt veröffentlicht hat und wieso danach keine weiteren Erhebungen mehr durchgeführt worden seien.

Die Antwort des Stadtrats bringt Erstaunliches zutage. So gibt es nicht nur den auf der Website des Statistischen Amts veröffentlichten, 72-seitigen Bericht, der die Zuzügerbefragungen aus dem Jahr 2009 zusammenfasst und einordnet (siehe Bericht rechts). Die Stadt Dietikon hat zusätzlich auch noch einen eigenen Bericht mit Details zu Rücklauf, Repräsentativität und den Ergebnissen auf Gemeindeebene erhalten. Diesen bekommt die Bevölkerung aber nicht zu sehen: «In Absprache mit dem Kanton haben die beteiligten Gemeinden auf eine eigene Veröffentlichung der Resultate verzichtet», schreibt der Stadtrat in seiner Interpellationsantwort.

Dies erstaunt Gemeinderat Wiederkehr: «Ich verstehe nicht, wieso der Stadtrat nie darauf hingewiesen oder sich dazu geäussert hat», sagt er auf Anfrage. Sicherheitsvorstand Heinz Illi (EVP) betont, ein Grossteil der Daten sei ja durch den Kanton veröffentlicht worden. Die Stadt Dietikon habe darauf verzichtet, die Resultate zu publizieren, da dies bisher wenig Sinn gemacht habe. Ein Vergleich der sehr unterschiedlichen acht Gemeinden, die sich am Projekt beteiligt haben, sei wenig aussagekräftig. Verheimlichen wolle man aber nichts, so Illi: «Dietikon muss sich nicht verstecken.»

Bisher auch nicht mitgeteilt hat der Stadtrat, dass in den Jahren 2011 und 2012 weitere Bevölkerungsbefragungen durchgeführt worden waren: Im Jahr 2011 wurden die Zuzugsgründe erhoben, 2012 die Wegzugsgründe. Die Auswertung der zweiten Befragung steht noch aus. Und: Dieses Jahr wird sich Dietikon nochmals an einer kombinierten Zu- und Wegzugsbefragung beteiligen. Zusammen mit den bereits vorhandenen Statistiken könnten die Resultate so über die Zeit vergleichbar gemacht werden, schreibt der Stadtrat.

Nicht für die Schublade

Das freut Wiederkehr, der in seiner Erläuterung zur Interpellation noch moniert hatte, der Stadtrat habe die erste Wanderstatistik gegen den Willen des Gemeinderats «eigenmächtig» und «aus nicht nachvollziehbaren Gründen» abgebrochen. Man habe damals den Eindruck bekommen, die Exekutive sehe keinen Nutzen darin, sagt Wiederkehr nun. Dies habe sich offensichtlich geändert: «Es ist schön, dass der Stadtrat jetzt begriffen hat, dass es diese Erhebungen braucht.» Er sei äusserst positiv überrascht, wie viele Daten in den letzten Jahren zum Thema Zu- und Wegzugsgründe gesammelt worden seien. Nur dürfte die Bevölkerung ruhig auch darüber informiert werden, so Wiederkehr.

Dies will Illi zu gegebener Zeit auch tun: «Die Resultate werden sicher nicht nur in der Schublade verschwinden.»