Das Dietiker Parlament will nicht, dass die Limmattalbahn wie bisher vorgesehen am Bahnhof Dietikon hält. Stattdessen soll sie auf der Zürcherstrasse durchs Zentrum fahren. Einer entsprechenden Stellungnahme des Dietiker Stadtrats stimmte das Parlament am Donnerstagabend mit 20 zu 10 Stimmen zu. Für die neue Linienführung sprachen sich SVP, FDP, CVP und EVP aus, während sich SP, Grüne und AL eine Anbindung an den Bahnhof wünschte.

Vorschlag: Haltestelle «Bärlocher»

Gemäss Vorschlag des Stadtrats soll die Limmattalbahn beim Hotel Sommerau an der Zürcherstrasse halten. Zusätzlich soll jedoch auch noch geprüft werden, ob eine neue Haltestelle «Bärlocher» im Bereich der Zürcherstrasse 54 möglich wäre. Diese würde sich zwischen den Haltestellen Sommerau und Zentralstrasse befinden und könnte möglicherweise beide ersetzen. Diesen Antrag der Geschäftsprüfungskommission wurde mit 20 zu 7 Stimmen angenommen.

Den Schlussabstimmungen war eine fast zweistündige Diskussion vorangegangen, in der sich alle Fraktionen deutlich für das Projekt Limmattalbahn aussprachen und seine Wichtigkeit unterstrichen. SVP, FDP, CVP und EVP machten jedoch alle klar, dass für sie die Bahn im Bereich Bahnhof und Kirchplatz nicht willkommen ist.

Man habe viel ins Zentrum investiert und der Kirchplatz werde immer mehr zum zentralen Begegnungsort, sagte Markus Erni (SVP). Wenn das Zentrum nun alle paar Minuten durchfahren werde, sei es gut möglich, dass der neu gewonnene Reiz bald verloren gehe.

Kein «reiner Umsteigeort»

Auch Werner Hogg (FDP) betonte, mit der Durchquerung der Limmattalbahn würde das Dietiker Zentrum an Attraktivität verlieren, «was nicht im Sinne von Dietikon sein kann». Es sei jedoch wichtig, dass der längere Umsteigeweg von der Zürcherstrasse zum Bahnhof so gestaltet werde, dass alle davon profitieren könnten. Dem Antrag der FDP, Massnahmen zur Aufwertung dieser Zone zu prüfen, stimmte das Parlament ebenfalls zu.

Auch die CVP schätzte den geplanten Anschluss an den Bahnhof Dietikon aufgrund der engen Platzverhältnisse as «untauglich» ein, wie Gabriele Olivieri sagte. «Unser Zentrum darf nicht zu einem reinen Umsteigeort für Pendler degradiert werden.»

Christiane Ilg (EVP) sagte, ein schnelles Umsteigen am Bahnhof Dietikon sei zwar an und für sich ein Vorteil. Jedoch würde dies entsprechende Linienführung die wirtschaftliche und kulturelle Aufwertung des Stadtzentrums hindern.

Kurze Umsteigezeiten als Argument

Dem widersprach Rosmarie Joss (SP), die sagte, die Limmattalbahn werde ein «urbanes Feeling» ins Stadtzentrum bringen. Zudem sei der Kirchplatz sowieso bereits durch die BD-Bahn zerschnitten. «Wenn wir den Verkehrskollaps verhindern wollen, müssen wir möglichst viele Leute dazu bewegen, auf die Bahn umsteigen», sagte Joss. Dies sei aber nicht möglich, wenn die Umsteigewege zu lange seien.

«Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen: Soll eine funktionierende Limmattalbahn entstehen, kommen wir um eine Bahnhofsanbindung nicht herum», sagte Samuel Spahn (Grüne). Kurze Wege zu allen Verkehrsmitteln mit entsprechend kurzen Umsteigezeiten seien absolut zentral für das Projekt. Lucas Neff (Grüne) betonte zudem, mit der Forderung nach einer neuen Linienführung gefährde man das gesamte Projekt und streue «Sand in ein bis anhin gut funktionierendes Getriebe».

Anders als am Runden Tisch

Auch Ernst Joss (AL) ärgerte sich über den Antrag des Stadtrats. Die Teilnehmer des Runden Tischs Limmattalbahn seien «völlig baff» gewesen, als der Stadtrat nach der letzten von sieben Sitzungen einen komplett anderen Vorschlag präsentiert habe. Dieser sei überhaupt nicht im Sinne des Projekts: «Der Kanton wird nicht Hunderte von Millionen in die Hand nehmen, um eine Limmattalbahn zu bauen, die nicht am Bahnhof hält.»

Das sehe er nicht so, sagte Stadtpräsident Otto Müller: Man schicke damit keine falschen Signale aus. «Die Stadt Dietikon soll selbstbewusst auftreten und selbstbewusst ihre Anliegen einbringen.»

Am Montag beginnt die öffentliche Auflage des Projekts. Der Stadtrat wird nun Einsprache erheben und gleichzeitig das Gespräch mit dem Verwaltungsrat der Limmattalbahn AG und dem Kanton suchen, wie Müller sagte. Das Ziel sei, eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Limmattalbahn AG will Anschluss am Bahnhof

Das will auch die Limmattalbahn AG, wie Gesamtprojektleiter Daniel Issler am Donnerstagabend sagte. Jedoch hat die Limmattalbahn AG auch immer klar gemacht, das für sie eine Anbindung an den Bahnhof Dietikon zwingend notwendig ist. Detaillierte Abklärungen zeigen zudem, dass bei der alternativen Linienführung die Anschlüsse an die S-Bahnen in Dietikon nicht mehr möglich sind. Auch eine Zweitabklärung, die der Stadtrat in Auftrag gegeben hat, bestätigt diesen Befund. Man nehme den Beschluss des Parlaments nun erstmals so zur Kenntnis, sagte Issler.