Waldfriedhof
Dietiker Stadtrat entscheidet sich gegen einen Waldfriedhof

Es gäbe keinen Wald und die Baumflächen in den Quartieren seien für Bestatungen nicht geeignet, teilt der Stadtrat mit. In den letzten Jahren ist das Bedürfnis nach alternativen Bestattungsformen gestiegen.

Meret Michel
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Der Wunsch nach einer alternativer Bestattungsform in Dietikon bleibt verwehrt. (Symbolbild)

Der Wunsch nach einer alternativer Bestattungsform in Dietikon bleibt verwehrt. (Symbolbild)

Keystone

Immer mehr Menschen wünschen sich eine persönlichere Form der Bestattung als das traditionelle Friedhofsgrab. Auch Waldbestattungen – die Beisetzung der Asche bei den Wurzeln eines Baumes – erfreuen sich zunehmender Beliebtheit: So existieren in Uitikon und Birmensdorf bereits entsprechende Angebote, wie auch bei den Stadtzürcher Friedhöfen Hönggerberg und Leimbach.

Individuelle Entscheidung ist wichtiger geworden

Unsere Bestattungskultur ist im Wandel begriffen. Vor allem das Gemeinschaftsgrab anstelle der traditionellen Erdbestattung wird immer beliebter, aber auch alternative Beisetzungsformen wie Waldbestattungen und Aschenverstreuungen nehmen zu. Während Waldbestattungen zwar nach wie vor nur ein Prozent der Bestattungen ausmachen, haben Beisetzungen in Gemeinschaftsgräben stark zugenommen - in der Stadt Zürich beispielsweise machen sie heute rund ein Drittel aller Bestattungen aus.
Entscheidend dafür sei der verstärkte Wunsch von Betroffenen, selber über die Art der Bestattung entscheiden zu können, wie eine von der Stadt Zürich in Auftrag gegebene Studie zum Schluss kommt. Mitverantwortlich seien auch veränderte Familienstrukturen und die zunehmende Mobilität, die die regelmässige Pflege eines Einzelgrabs zunehmend erschweren.

Dietiker Waldfläche zu klein

In Dietikon jedoch wird es keinen Waldfriedhof geben. Dies schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf ein Postulat von CVP-Gemeinderätin Ottilie Dal Canton. Denn einen Wald gebe es nicht auf dem Gebiet der Stadt und die Baumflächen in den Quartieren seien für Bestattungen nicht geeignet: Sie seien entweder zu klein oder verfügten nicht über die nötige Baumstruktur.

Auch die Firma Holzkorporation Dietikon, die den Grossteil der Waldflächen besitzt, lehne die Nutzung als Bestattungsort ab: Das Kerngeschäft des Unternehmens sei die Holzproduktion und dabei stehe wirtschaftliche Effizienz als Kriterium im Vordergrund, wie der Antwort des Stadtrats zu entnehmen ist. Teile des Waldes für Aschenbeisetzungen zur Verfügung zu stellen, käme nicht infrage.

Im Grabe vereint

Das Bedürfnis nach alternativen Bestattungsformen ist in den letzten Jahren gewachsen (siehe dazu auch Box). Vor allem zugenommen hätten allerdings nicht in erster Linie Waldbestattungen. Viel eher sei ein Trend zu Gemeinschaftsgräbern auffällig, die traditionelle Einzelgräber ablösten, wie Daniel Manhart, Geschäftsführer der Firma Steiner Vorsorge AG sagt. «Das Gemeinschaftsgrab ist heute fast schon Standard.» Der Grund hierfür liegt seiner Meinung nach allerdings weniger im Bedürfnis nach einer persönlicheren Bestattungsform, wie dies bei Naturbestattungen der Fall sei. «Bei Gemeinschaftsgräbern ist eher ausschlaggebend, dass sich die Frage der Grabpflege erübrigt. Das kann vor allem für Alleinstehende ein Argument sein», so Manhart. Er weist in dem Zusammenhang aber darauf hin, dass es je nach Region grosse Unterschiede gebe.

Friedhof liegt direkt am Waldrand

In Dietikon stelle man ein Bedürfnis nach unterschiedlichen Bestattungsformen fest. Die Frage nach Aschenbeisetzungen im Wald sei in den vergangenen Jahren allerdings nie gestellt worden, sagt Bruno Rabe, Leiter des Amts für Umwelt und Gesundheit. Als Grund vermutet Rabe, dass mit die Nähe des Friedhofs zum Wald dem Bedürfnis nach Naturnähe bereits entgegenkommt. Für Waldbestattungen verweist er auf die Ausweichmöglichkeiten in der Umgebung. Und wenn jemand sich wünscht, die Asche des Verstorbenen in der Natur zu verstreuen, sei er frei, dies zu tun: «Nach der Kremation ist der Vorgang für uns abgeschlossen. Danach können die Angehörigen frei über die Asche verfügen.»