Lohndiskussion

Dietiker Stadtpräsident verteidigt seinen Lohn

«Der Lohn der Behördenmitglieder hat keinen Zusammenhang mit der Einwohnerzahl», sagt Otto Müller, Stadtpräsident von Dietikon.

«Der Lohn der Behördenmitglieder hat keinen Zusammenhang mit der Einwohnerzahl», sagt Otto Müller, Stadtpräsident von Dietikon.

Ein Gemeinderat wollte wissen, wieso der Dietiker Stadtpräsident mehr verdient als derjenige von der reichen Stadt Zug. Der Stadtrat verwies in seiner Antwort auf noch besser verdienende Stadtpräsidenten.

Die Frage nach den Entschädigungen der Behördenmitglieder werde immer wieder gestellt, schreibt der Dietiker Stadtrat in einer Medienmitteilung. «Und das ist auch gut so», sagt Otto Müller, Stadtpräsident. Zuletzt wollte das Gemeinderatsmitglied Peter Wettler in seiner Kleinen Anfrage an den Stadtrat wissen. Er fragte, wieso Stadtpräsident Müller mit einem Jahreslohn von 220 000 Franken mehr verdient, als der Stadtpräsident von Zug, der jährlich 200 000 Franken bekommt. Dies, obwohl Zug eine «steinreiche« und Dietikon eine «mausarme» Gemeinde sei. Beide Gemeinden hätten ungefähr die gleiche Anzahl Einwohner.

Der Stadtrat verweist in seiner Antwort auf einen Artikel in der Weltwoche vom 13. Dezember 2012. Das Magazin veröffentlichte damals eine Tabelle mit den Salären von den wichtigsten Stadtpräsidenten der Schweiz. An der Spitze lag der Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri (FDP) mit einem Jahreslohn von 378 975 gefolgt von Thomas Müller (SVP) aus Rorschach mit 319 232 Franken und Guy Morin (Grüne) aus Basel mit 312 400 Franken jährlich. Die Weltwoche rechnete bei dieser Auflistung die Löhne für Verwaltungsrats- oder Nationalratsmandate mit. Im Nachhinein wurde sie dafür von vielen Seiten kritisiert. Rorschacher Stadtpräsident warf dem Blatt vor, es habe mit falschen Zahlen operiert.

Andere verdienen noch mehr

Trotz der Vorwürfe wollte der Dietiker Stadtrat anhand des Artikels zeigen, dass sich die Entschädigung je nach Aufgabenfülle und Verantwortung stark unterscheiden würde. Frauenfeld zum Beispiel habe mit 23 300 fast gleich viel Einwohner wie Dietikon. Laut Recherchen der Weltwoche verdiene der Stadtpräsident dort 252 700 Franken. Mehr also, als Otto Müller in Dietikon. Die Finanzkraft einer Gemeinde könne nicht der Indikator für die Entschädigung der Behörden sein, so der Stadtrat. «Der Lohn der Behördenmitglieder hat auch keinen Zusammenhang mit der Anzahl der Einwohner», so Müller.

Die Entschädigung der Stadtratsmitglieder sei 2010 angehoben worden, da die Fülle der Aufgaben durch eine interne Reorganisation erweitert wurde. Aktuell betrage der Lohn des Stadtpräsidenten 225 000 Franken. «Dieser Betrag bewegt sich im Vergleich zur Entschädigung anderer Stadtpräsidenten im Mittelfeld», so der Stadtrat.
Gemeinderat Wettler ist mit der Antwort des Stadtrates nicht zufrieden. «Ich finde es nicht in Ordnung, dass die Stadt Dietikon dringende Geschäfte aus finanziellen Gründen zurückstellt und dafür die Existenz der Stadträte vergoldet.»

Meistgesehen

Artboard 1