Bahn-Infrastruktur

Dietiker Stadtpräsident: «Das Manifest wird nun noch wichtiger»

Der Verkehr zwischen Zürich und Baden soll mit einer S-Bahn-Station Silbern auf die Schiene verlegt werden. Chris Iseli

Der Verkehr zwischen Zürich und Baden soll mit einer S-Bahn-Station Silbern auf die Schiene verlegt werden. Chris Iseli

Der Mega-Bahntunnel zwischen Zürich und Aarau, der das Limmattal entlastet hätte, geniesst beim Bund geringe Priorität. Nun legt man den Fokus auf andere Massnahmen zur Behebung der Engpässe.

Diese Nachricht dürfte der Stimmung an der für morgen angesetzten Unterzeichnung des Verkehrsmanifests vom Komitee «Vorwärts Limmattal» wohl einen Dämpfer geben. Vertreter der Limmattaler Politik und Wirtschaft setzen dann ihre Unterschrift unter die Forderung nach einer S-Bahn-Haltestelle Silbern. Doch genau dieses Ansinnen ist am Sonntag in weite Ferne gerückt.

So skizzierte Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamtes für Verkehr (BAV), die Pläne für den Bahninfrastruktur-Ausbau bis 2030. Projekte mit hoher Priorität sind etwa der Brüttener Tunnel zwischen Zürich und Winterthur oder der Angebotsausbau zwischen Yverdon und Lausanne.

Der Megatunnel, der Zürich Altstetten mit dem Aarauer Vorort Rupperswil hätte verbinden sollen, ist erst dritte Priorität und hat damit schlechte Chancen bis 2030 umgesetzt zu werden, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete. Dabei hätte dieser Tunnel den Weg für die S-Bahn-Haltstelle Silbern geebnet, da das dicht befahrene oberirdische Schienennetz so hätte entlastet werden sollen.

Seit sechs Jahren setzt sich das Komitee «Vorwärts Limmattal» unter anderem für eine Station Silbern ein. Mit dieser Massnahme solle der Verkehr zum Teil auf die Schiene verlegt und die Strassen so entlastet werden. Mit der aktuellen Situation werde die Silbern für Arbeitgeber immer weniger attraktiv.

Haltestelle ist nicht vom Tisch

Für den Dietiker Stadtpräsidenten und Präsidenten des Komitees «Vorwärts Limmattal», Otto Müller (FDP), schmälert diese Nachricht die Chance auf eine neue S-Bahn-Haltestelle keineswegs. «Nun ist es wichtiger denn je, dass wir das Manifest unterzeichnen und bei Verkehrsministerin Doris Leuthard deponieren», sagt er auf Anfrage.

Auch wenn der Tunnel nicht bis 2030 gebaut werde, sei eine Haltestelle Silbern nicht vom Tisch. So habe eine Machbarkeitsstudie gezeigt, dass es auch mit den heutigen Kapazitäten und dem Taktplan möglich sei, dass die S-Bahn in der Silbern hält. «Daher bin ich zuversichtlich, dass unser Anliegen keineswegs chancenlos ist», so Müller.

Auch Heinz Schröder, Regionalplaner bei der Zürcher Planungsgruppe Limmattal, hält den Megatunnel nicht für zwingend notwendig für den Bau einer Silbern-Station. So bestünden bereits heute Absichten, wie ohne Ausbau der Bahn-Infrastruktur, die Kapazität im Nahverkehr erhöht werden könnte. «Bei der Effizienz haben wir noch einen gewissen Spielraum nach oben», sagt er.

Ein innerer und äusserer S-Bahn-Ring um die Stadt Zürich ist etwa eine solche Option. Dabei würden durch den Einsatz von Fahrzeugen, die über mehr Türen und mehr Stehplätze verfügen an jeder Station im inneren Ring viel Zeit eingespart werden. Dieses Prinzip ist etwa vergleichbar mit einer Metro in anderen Grossstädten. «Mit dieser schnelleren Abfertigung der Passagiere könnte die Kapazität vergrössert werden» so Schröder.

Zwar sind diese Ringe noch nicht im Detail definiert, die Kernagglomeration der Stadt Zürich – somit auch das Limmattal – würde aber zum inneren Ring gehören. Dies wäre für Schröder ein gangbarer Weg. Denn: «Die Pläne des BAV sind nachvollziehbar.»

Dies sieht auch die Zürcher Volkswirtschaftsdirektion so. Jérôme Weber, Sprecher von Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP), sagt auf Anfrage, dass es erfreulich sei, dass mit dem Brüttener Tunnel ein Projekt in der Region Zürich erste Priorität habe. «Mit den 120 Millionen Franken, die der Kanton Zürich jährlich in den nationalen Bahninfrastrukturfonds einbezahlt, ist dies aus unserer Sicht gerechtfertigt.»

Für das Limmattal sei man derweil auch offen für andere Massnahmen: Fest steht aber: «Die Verbindungen durch das Limmattal müssen schnell bleiben.»

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