Leichtathletik
Dietiker Sprinter in London: «Ein Kindheitstraum wird wahr»

Der Dietiker Amaru Schenkel feiert in London Premiere an Olympischen Spielen. Dort will er «Bleibendes hinterlassen».

Raphael Biermayr
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Amaru Schenkel ist einer von zwei Schweizer Sprintern in London.

Amaru Schenkel ist einer von zwei Schweizer Sprintern in London.

Keystone

«Wer kennt schon den Schlagzeuger von Bruce Springsteen»? Amaru Schenkel bedient sich gern der Bildsprache. Auch, wenn es darum geht, aufzuzeigen, dass nicht er allein für seinen Erfolg verantwortlich ist, sondern auch sein Umfeld. Wie bei Springsteen eben auch dessen Band.

Bald steht Schenkels bislang grösster Wettkampf an: die Olympischen Spielen in London. Am 7.August geht er über 200 Meter an den Start, er reist erst vier Tage vorher an. Die Eröffnungszeremonie wird der Dietiker aus der Ferne betrachten, der Fokus soll nicht verrutschen. «Es gibt Athleten, die an der Eröffnung teilnehmen und sich danach wieder konzentrieren können – ich kann das nicht», ist der 24-Jährige überzeugt.

Das Ziel ist der Halbfinal

Dabei sein ist nicht alles für Schenkel. «Das ist ein Spruch, der mich nicht interessiert. Ich gehe da hin, um Leistung zu bringen.» Auf seiner unterhaltsamen Homepage, die unter anderen von einem Mitarbeiter des Schweizer Leichtathletikverbands unterhalten wird, steht, dass er «Bleibendes hinterlassen» will in London. Was heisst das? «Die Zeit ist bei so einem Anlass nicht wichtig, es geht um den Platz», stellt er klar. Sein Ziel sei, eine Runde weiter zu kommen, also den Halbfinal zu erreichen.

Amaru Reto Schenkel

Geburtsdatum: 28. April 1988.

Wohnort: Dietikon.

Grösse/Gewicht: 183 cm/86 kg.

Klub: LC Zürich.

Hobbys: Kochen, Lesen.

Olympiastart 2012: 200 Meter.

Wichtigste Erfolge: WM. 2011: 20. 200 Meter. EM. 2010: 4. 4×100 Meter. 2012: 5. 4×100 m. Schweizer Rekord mit der 4×100-m-Staffel (38,69, Barcelona 2010).

Persönliche Bestleistung über 200 Meter: 20,48.

Im Gegensatz zu früheren «Spielen» gibt es nur noch einen Vorlauf. Schenkel hat in der laufenden Saison mit 20,48 Sekunden – Platz fünf in der Allzeit-Bestenliste – eine neue persönliche Bestzeit aufgestellt. Er ist nach dem Urdorfer Stefan Burkart (1992) und dem Oetwiler Marco Cribari (2008) der dritte Limmattaler Sprinter an Olympischen Spielen. Neben dem Basler Alex Wilson, der ebenfalls über 200 Meter startet, ist er einer von nur zwei qualifizierten Schweizer Sprintern. Die Staffel über 4×100 Meter, der Schenkel ebenfalls angehört, verpasste die Limite.

Trotz seiner Fokussierung kann sich Schenkel dem Mythos des Anlasses nicht entziehen. «Ein Kindheitstraum wird wahr, es gibt schliesslich nicht viele Olympioniken», sagt er, und fügt hinzu: «Der Ursprung ist interessant, Athleten, die für Götter antreten. Der Mensch hat wenige Traditionen, die über so lange Zeit am Leben gehalten werden – das ist natürlich eindrücklich», schildert Schenkel seine Gedanken.

Rückzug aus der Öffentlichkeit

Im Vergleich zum letzten Jahr, als er der Überflieger der Schweizer Leichtathletik war und im WM-Halbfinal stand, hat sich der Modellathlet in den Medien auffällig rar gemacht. «Ich kann und will nicht jeden öffentlichen Termin wahrnehmen; mein Job besteht primär darin, schnell zu sprinten. Wie für einen Bäcker oder Metzger gilt auch für mich, die Topleistung abzurufen, wenn es darauf ankommt.»

Kleine Brötchen backen ist nicht Schenkels Ding. Das will er auch heute in Fribourg unter Beweis stellen, wo er den letzten Wettkampf vor seiner Abreise bestreitet. Über 100 Meter misst er sich unter anderen mit dem Co-Saisonschnellsten Rolf Malcolm Fongué (beide 10,25 Sekunden). Es ist eine Rückkehr für Schenkel an den Ort seines grössten Erfolgs: Vor Jahresfrist lief er dort in 10,19 Sekunden die zweitschnellste Zeit eines Schweizers in der Königsdisziplin. Ein würdiger Vorhof zum Olymp.